Russischer Überfall in drei Jahren? Hier die Grundlagen dazu
Greift Russland im Jahr 2029 die NATO im östlichen Mitteleuropa an und wenn ja, wie? Diese Frage wird in der Öffentlichkeit seit längerem gewälzt. In der jüngeren Vergangenheit haben verschiedene Medien und auch die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags unterschiedlich gut gelungene Versuche unternommen, um aus der Geschichte des Kalten Kriegs Schlussfolgerungen auf das erwartete russische Vorgehen in Mitteleuropa im Jahr 2029 zu ziehen (1). Man erwartet einen russischen Blitzkrieg in Mitteleuropa und überträgt alte sowjetische Doktrin auf die heutige Lage. Aber es wird nicht genügen, die alten Bedrohungsszenarien aus dem Kalten Krieg aufzuwärmen, ohne sie zu verstehen.
Schon einmal rechnete der Westen mit einem überfallartigen Angriff auf Deutschland, extreme Szenarien rechneten gar mit einem Stoß bis an die Pyrenäen (2). Das war in einer ersten Phase des Kalten Kriegs, als die Sowjets nachweislich eine Verteidigungsoperation planten. Woher kam damals diese Bedrohungsperzeption? Eine Antwort mag in den Offensiven der Roten Armee nach dem Sommer 1943 gelegen haben, die allesamt nach den Grundsätzen der „Tiefen Operation“ geführt wurden und in denen Angriffsgeschwindigkeiten erreicht wurden, welche die Westalliierten auf ihrem Feldzug in Frankreich kaum je erzielen konnten (3). Interessanterweise hat aber das Meisterstück operativen Könnens der Sowjets im Westen wenig Beachtung erfahren, nämlich die sogenannte „Mandschurische Strategische Angriffsoperation“ im August 1945 (4).
Eine Ausnahme hiervon bildet das US Command and General Staff College in Fort Leavenworth, wo der US-Oberst David Glantz sowohl sowjetische als auch japanische Quellen zu dieser Operation ausgewertet hat (5). Er analysierte Planung und Durchführung des sowjetischen Feldzugs gegen Japan auf der strategischen Ebene und führte Fallstudien des Vorgehens der Roten Armee auf taktischer Ebene durch. Aufbauen konnte er auf einer Studie von Harmon L. Eaton, die ebenfalls in Fort Leavenworth entstanden war (6). Ein neueres Werk, das die Operation in den größeren Kontext des Kriegsendes einordnet, stammt aus dem Jahr 2021 aus der Feder von Charles Stephenson (7).
Im deutschen Sprachraum fand die Operation hingegen kaum Beachtung. Sie wird meist in Gesamtdarstellungen des Zweiten Weltkriegs oder der sowjetischen Militärgeschichte behandelt, wie beispielsweise bei der ins Deutsche übersetzten Darstellung des britischen Militärhistorikers Richard Overy über den Weltenbrand der damaligen Zeit (8).
Gemeinsam gegen Japan
Während im Westen in der Regel die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki als alleinige Auslöser für die japanische Kapitulation 1945 gesehen werden, geht zuweilen unter, dass die japanische Führung zunächst kaum darauf reagierte. Erst die Kombination von Atombomben und Kriegseintritt der Sowjetunion führte zum Einlenken der japanischen Regierung (9). Der sowjetische Kriegseintritt war seit 1943 von den USA, Großbritannien und der Sowjetunion gemeinsam geplant und logistisch vorbereitet worden. US-Generalstabschef George C. Marshall verfolgte eine Doppelstrategie, deren Bestandteile eine sowjetische Invasion in der Mandschurei im August und eine US-Landung auf den japanischen Hauptinseln im Herbst 1945 darstellen sollten. Die USA unterstützten die Sowjetunion massiv, unter anderem auch im Hinblick auf amphibische Aktionen gegen Sachalin und die Kurilen. Der definitive Beschluss zur Offensive in der Mandschurei fiel auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis zum 2. August 1945, auf welcher Stalin den Kriegseintritt der Sowjetunion gegen Japan auf den 9. August zusagte, exakt drei Monate nach der deutschen Kapitulation.
Gesamtrahmen vor Partikularinteressen
Kaum hatte Deutschland kapituliert, begannen erste Vorbereitungen für einen sowjetischen Kriegseintritt gegen Japan, erst einmal im Bereich der Führungsorganisation: Hatten auf dem europäischen Kriegsschauplatz speziell vom sowjetischen Oberkommando Stavka GVK (10) delegierte Marschälle – oftmals Georgi Schukow oder Alexander Wassiliewski – die Koordination von strategischen Operationen übernommen, an denen mehrere Fronten teilnahmen, so wurde dieses Mal Wassiliewski als Oberbefehlshaber im Fernen Osten der Sowjetunion ernannt. Er erhielt drei Fronten des Heeres unterstellt, die Transbaikal-, die Erste, und die Zweite Fernost-Front, jede unterstützt durch eine Luftarmee, sowie die sowjetische Pazifik-Flotte (11).
Wassiliewski stand vor einer riesigen und komplexen Aufgabe. Bei der Planung waren die Abmachungen der verschiedenen alliierten Konferenzen einzuhalten. Aus nationaler Sicht ging es erst einmal darum, die im russisch-japanischen Krieg von 1904/05 verlorenen Territorien zurückzuerobern, wie unter anderem in Jalta vereinbart. In Jalta und auch in Potsdam war von Sachalin und den Kurilen die Rede, nicht aber von der Mandschurei, deren Zugehörigkeit zu China unbestritten war. In territorialer Hinsicht musste es deshalb darum gehen, dem japanischen Kaiserreich die wohl am weitesten entwickelte Region Chinas zu entreißen, um sie anschließend wenn immer möglich dem kommunistischen Widerstand von Mao Zedong zu übergeben, aber nicht den Nationalchinesen von Chiang Kai-shek. Aus diesem Grund war die unzerstörte Inbesitznahme der mandschurischen Industrie erwünscht, was zerstörerische Ortskämpfe und Flächenbombardements ausschloss. Die Mittel für ausgiebige Bombenangriffe besaß die Rote Armee ohnehin nicht, sie waren ihr zwar von den Amerikanern angeboten worden, aber das Angebot kam nie zum Tragen (12).
In erster Linie aber war im Gesamtrahmen alliierter Kriegführung den Sowjets die Aufgabe zugedacht, den Einsatz von Truppen der in der Mandschurei stehenden Kwantung-Armee (13), der letzten noch intakten Armee des Kaiserreichs, zum Schutz des japanischen Mutterlandes zu verhindern, wo die Amerikaner für den Herbst 1945 Seelandungen planten. Dass die Zerschlagung der Kwantung-Armee und die Inbesitznahme der Mandschurei ganz wesentlich zur Niederlage der Japaner insgesamt beitragen würde, wird wohl auch den Planern in Washington klar gewesen sein. Das Schwergewicht der sowjetischen Operationen in Ostasien hatte deshalb in der Mandschurei zu liegen. Sachalin und die Kurilen waren weniger wichtig. In der Vorbereitung war zudem alles zu unterlassen, was die Japaner zu irgendwelchen präventiven Schlägen motivieren konnte.
Auch zeitlich war der Angriff in der Mandschurei jenen auf Sachalin und den Kurilen vorzuziehen. Deshalb überschritt die Rote Armee erst am 11. August 1945 – zwei Tage nach Angriffsbeginn in der Mandschurei – die Grenze zum südlichen Teil Sachalins. Die Seelandungen an der Küste Südsachalins begannen erst am 16. August, jene auf den Kurilen erst am 18. August. Besonders letztere gingen nach der japanischen Kapitulation nahtlos in eine Besetzungsaktion über.
Ein riesiges, entwickeltes und gut geschütztes Land
Die Mandschurei – im Chinesischen meist als Nordostchina oder Dōngběi bezeichnet – umfasst im Kern die heutigen Provinzen Heilongjiang mit der Hauptstadt Harbin, die zentrale Provinz Jilin mit der Hauptstadt Changchun, sowie die südliche Provinz Liaoning mit der Hauptstadt Shenyang (ehemals Mukden), welches historisch das Zentrum der Mandschurei bildete. Sie ist eine Region der Kontraste, geprägt durch eine fruchtbare Ebene im Zentrum, besonders den Stromtiefländern von Liauho und Sungari (chin. Songhua Jiang), die von bewaldeten Gebirgen wie dem Großen und Kleinen Hinggan sowie dem Changbai-Gebirge umrahmt wird (14). Es herrscht ein kontinentales Klima mit sehr kalten, trockenen Wintern und warmen, feuchten Sommern. Die Bodenbedeckung besteht aus einer Mischung von Waldsteppe und Nadelwäldern. Es bestehen reiche Wasservorkommen. Die Region ist bekannt für ihre fruchtbaren Böden, auf welchen unter anderem Sojabohnen, Weizen und Reis angebaut werden. Sie gilt zudem als rohstoffreich mit Vorkommen von Eisen, Braun- und Steinkohle, Wolfram, Gold, Kupfer und Silber.
In Nord-Süd-Richtung erstreckt sich die Mandschurei vom Amur bis an den Yalu-Fluss über 1’500 km, von Westen nach Osten, vom Großen Hinggan-Gebirge bis an den Ussuri über 1’000 km. Das entspricht in etwa einer Distanz zwischen der Ärmelkanal-Küste und dem Wiener Becken und von Kopenhagen bis Rom. Die Grenze zwischen dem japanischen Marionettenstaat Mandschukuo und der Sowjetunion verlief größtenteils entlang der Flüsse Argun, Amur und Ussuri und war insgesamt etwa 4’500 Kilometer lang. Im Gegensatz zur langen Flussgrenze zur Sowjetunion verlief die Grenze zur Volksrepublik Mongolei überwiegend durch Steppen- und Wüstengebiete. Sie war knapp 800 Kilometer lang.

Das Gelände im Süden, im Grenzgebiet zwischen der Mandschurei und Nordkorea ist überwiegend hochgebirgig, stark bewaldet und von tiefen Flusstälern geprägt (16). Es stellt eine natürliche Barriere dar, die hauptsächlich durch die Flüsse Yalu und Tumen sowie das Changbai-Gebirge gebildet wird. Der Yalu (Amnok) bildet den westlichen Teil der Grenze. Am oberen Flusslauf ist das Gelände schroff und steil. Am Tumen, der den Ostabschnitt der Grenze bildet, ist das Gelände durch steile V-förmige Schluchten gekennzeichnet.
Mit ihrem Konzept der „Großostasiatischen Wohlstandssphäre“ lockte die japanische Regierung in den Dreißigerjahren Chinesen, Japaner und Mongolen in den Marionettenstaat Mandschukuo. Die ökonomische Entwicklung verlief in diesen Jahren atemberaubend schnell. Das mandschurische Eisenbahnnetz wurde innerhalb kürzester Zeit massiv ausgebaut und mauserte sich zum dichtesten in China überhaupt. Die Mandschurei entwickelte sich zur industriell modernsten Region mit dem höchsten Lebensstandard in China. Es diente den Japanern als Rohstoffquelle und Fabrikationsstätte.
Eine große Armee von gestern
Im japanischen Marionettenstaat Mandschukuo stand die Kwantung-Armee, eine der angesehensten und traditionsreichsten Großverbände Japans. Ursprünglich 1919 zum Schutz der Kwantung-Pachtgebiete gegründet, entwickelte sie sich nach der Besetzung der Mandschurei 1931 zu einer Heeresgruppe mit etwa einer Million Soldaten. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die japanische Kontrolle über die Mandschurei zu sichern. Allein ihre Existenz stellte eine potenzielle militärische Bedrohung für die Sowjetunion dar (17).

Zwischen der Sowjetunion und Japan war es bereits vor dem Zweiten Weltkrieg zu Spannungen und Kämpfen gekommen, so etwa am Khassan-See 1938 und am Fluss Khalkin Gol 1939 (19). Diese Kämpfe prägten das gegenseitige Misstrauen nachhaltig. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 blieb die Kwantung-Armee ein wichtiger Faktor in der sowjetischen Lagebeurteilung, da ein japanischer Angriff im Fernen Osten jederzeit möglich war. Aus diesem Grund hielt die Sowjetunion während des gesamten Krieges erhebliche Kräfte im Umfang von rund 40 Divisionen im Fernen Osten und in Transbaikalien zurück. Im Verlauf des Krieges wurde die Kwantung-Armee quantitativ und qualitativ geschwächt, indem erfahrene Verbände und auch Ausrüstung an andere Kriegsschauplätze abgegeben wurden. Das führte dazu, dass ihre Divisionen 1945 Unterbestände aufwiesen, zwischen 15% und 80% des Nominalbestands (20). In Erwartung der Verlegung starker sowjetischer Kräfte nach Fernost boten die Japaner deshalb im Juli 1945 circa 250’000 Reservisten auf, was die Stärke der Kwantung-Armee bis im August auf 780’000 japanische und 300’000 mandschurische Soldaten brachte (21).
Blindheit und Fellbeurteilungen
Aber auch mit dieser Millionenarmee war die weit über 5’000 km lange Grenze von Mandschukuo zur Sowjetunion und zur Mongolei nicht lückenlos zu besetzen. Die Japaner betrachteten allerdings bedeutende Teile der Grenze als für große militärische Kräftegruppierungen unpassierbar und glaubten, sich auf die ihrer Meinung nach passierbaren Abschnitte entlang der wichtigsten Achsen konzentrieren zu können. Diese Annahme sollte sich als schwerwiegender Fehler herausstellen.

Darüber hinaus richteten die Japaner die wichtigsten Siedlungen und Knotenpunkte im Innern der Mandschurei zur Verteidigung ein. Auf diese befestigten Städte sollten die Truppen der Kwantung-Armee nach den ersten Grenzschlachten in einem Verzögerungskampf zurückgehen. Sollte es zum Äußersten kommen, wollten sich die Japaner in eine Art Reduit im gebirgigen Grenzraum zwischen Korea und der Mandschurei zurückziehen.

Die Japaner hatten die Jahre des Friedens – besser gesagt des Waffenstillstands – seit 1939 genutzt, um ihre Verteidigungsstellungen mit Betonbunkern, Schützengräben und Minenfeldern auszubauen. Sie waren den sowjetischen Angreifern im August zahlenmäßig zwar unterlegen, vertrauten jedoch auf die natürliche Stärke des Geländes und auf ihre Befestigungen.
Eine bedeutende Schwäche der Japaner lag im nachrichtendienstlichen Bereich. Zwar hatten sie nach der Niederlage bei Nomonhan am Khalkin Gol einen Untersuchungsausschuss gebildet, welcher die Gründe dafür ermitteln sollte, aber sie beherzigten die Konsequenzen nie zur Gänze (23).
„A significant aspect of the defeat of the Kwangtung Army is that they failed to remember the lessons learned at Nomonhan. For a second time, the Kwangtung Army underestimated the Soviet Army and was subjected to another devastating attack… The popular conception was that Kwangtung Army soldiers were the epitome of devotion to duty, courage, and fighting spirit“ (24).
Dank des formellen Friedenszustands seit September 1939 unterhielten Japan und die Sowjetunion diplomatische Beziehungen, was es den Japanern eigentlich erlaubt hätte, Nachrichten von ihren Diplomaten in der Sowjetunion zu beziehen – ein beinahe unschätzbarer Vorteil. Die japanische Funkaufklärung an der Grenze zur Sowjetunion war zudem sehr aktiv und bekam im Frühjahr 1945 rasch Wind vom Aufmarsch sowjetischer Kräfte im Fernen Osten. Es fehlte aber an Analytikern und an den Fähigkeiten, sowjetische Codes rasch zu knacken. Die begrenzte Menge und die relativ schlechte Qualität der verfügbaren Informationen führten dazu, dass die Japaner die sowjetischen Absichten nicht angemessen einschätzten (25). Sie glaubten, ihre Befestigungen, Guerillataktiken und ihr Samurai-Geist böten ihnen eine gewisse Chance auf Erfolg gegen die Panzer und mechanisierten Streitkräfte der Sowjets (26) und würden die massiven Mängel bei der Bewaffnung, welche teilweise immer noch dem Stand der Anfangsphase des Zweiten Weltkriegs entsprach, ausgleichen (27). Im japanischen Heer war man sich der Schwäche der Kwantung-Armee bewusst, nicht hingegen in der Regierung in Tokyo.
Erfahrene Truppen und ortskundige
Wie in Jalta vereinbart, begannen die Sowjets im Frühjahr 1945, Truppen in den Fernen Osten zu verlegen, teilweise noch vor der deutschen Kapitulation in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945. Die Rote Armee hatte in den Kriegsjahren 1941 bis 1945 ausgiebig Erfahrungen mit groß angelegten Operationen gesammelt, ab Sommer 1943 auch mit Offensivoperationen nach der Doktrin der „Tiefen Operation“. Im Fernen Osten wurde nun eine Mischung aus Verbänden bereitgestellt, welche seit 1939 an der Grenze standen, mit solchen, die sich in den Kämpfen gegen die Deutschen und ihre Verbündeten bewährt hatten.
Die neu gebildete Transbaikal-Front marschierte in der Inneren Mongolei und an der Westgrenze von Mandschukuo auf. Das Kommando wurde Marschall Rodion J. Malinowski anvertraut, der im August 1944 die überaus erfolgreiche Jassy-Kischinew-Operation geführt und dabei die Doktrin der „Tiefen Operation“ angewandt hatte. Erfahrung in diesem Operationstyp hatte die neu zur Transbaikal-Front stoßende 39. Armee aus der Operation „Bagration“ in Belarus 1944. Sie war seit Kriegsbeginn im bewaldeten und sumpfigen Gelände Kareliens und Nordwestrusslands eingesetzt gewesen und sammelte nach „Bagration“ im Ortskampf um Königsberg jene Erfahrungen, die ihr bei den Kämpfen um die Städte der Mandschurei zugutekommen sollten. Weiter kam die 53. Armee neu zur Transbaikal-Front. Sie hatte bis im Frühjahr 1945 in den Karpaten gekämpft. Ein weiterer erfahrener Großverband war die 6. Garde-Panzerarmee, welche in der Verteidigungsoperation am Balaton im März 1945 den entscheidenden Gegenangriff geführt hatte (28). Die 17. und die 36. Armee waren den ganzen Krieg über in Fernost stationiert gewesen, ebenso wie die 12. Luftarmee. Die sogenannte Kavallerie-Mechanisierte Gruppe Plijew war im Herbst 1944 in der Schlacht um Budapest und im Mai 1945 in der Prager Operation eingesetzt gewesen.
Die am Amur aufmarschierende 1. Fernost-Front wurde von Marschall Kirill A. Merezkow geführt, der zwar als Oberbefehlshaber des Leningrader Militärbezirkes die Verantwortung für das Scheitern der Roten Armee in der ersten Phase des Winterkriegs gegen Finnland trug, sich im späteren Kriegsverlauf aber rehabilitieren konnte. Merezkow hatte entscheidenden Anteil an der Aufhebung der Blockade Leningrads im Januar 1944 und an den nachfolgenden Kämpfen im Baltikum. Neu zur Fernost-Front kam auch die 5. Armee, welche an den Kämpfen um das stark befestigte Ostpreußen, namentlich Königsberg teilgenommen hatte. Die 1. Rotbanner, die 25., die 35. Armee und die 9. Luftarmee hatten die Jahre 1941 bis 1945 in Fernost verbracht. Das 10. Mechanisierte Korps war Ende Dezember 1944 neu aufgestellt worden.
An der Spitze der 2. Fernostfront, die sich im August 1945 in der Region Primorie rund um Wladiwostok zum Stoß in den Süden von Mandschukuo und den Norden der koreanischen Halbinsel bereitstellte, stand der vergleichsweise weniger bekannte Armeegeneral Maxim Purkajew. Die ihm unterstellten Kräfte in Form der 2. Rotbanner-, der 15. und der 1943 neu aufgestellten 16. Armee, sowie der 10. Luftarmee waren allesamt schon vor der Mandschurei-Offensive in Fernost stationiert gewesen. Die Front wurde insbesondere von der Amur-Flottille unterstützt.

Die Haupt-Stöße der riesigen Zangenbewegung auf Harbin, welche Wassiliewski plante, wurden somit von Großverbänden ausgeführt, die aus Europa Erfahrung in Angriffsoperationen in genau jenen Geländetypen mitbrachten, in denen sie auch in Fernost operieren sollten: aus den Sümpfen und Wäldern Kareliens und des Baltikums, aus den Karpaten und aus mehreren Großstädten Osteuropas. Die Angriffsabschnitte der Armeen wurden nun teilweise um ein Mehrfaches breiter festgelegt, als eigentlich notwendig gewesen wäre, was den unterstellten Kommandanten aller Stufen Gelegenheit gab, selbst ihre Durchbruchsabschnitte zu wählen. Eine Ausnahme bildete die 36. Armee, die auf schmaler Front entlang der Achse Chita – Quiquihar anzugreifen hatte. Allen Großverbänden gemeinsam war, dass ihre Angriffsziele in einer Tiefe lagen, welche diejenigen in den Operationen auf dem europäischen Kriegsschauplatz weit übertraf: Die zwei erfolgreichsten Offensiven der Roten Armee auf dem europäischen Kriegsschauplatz, die Dnepr-Karpaten-Operation im Frühjahr 1944 und die Operation „Bagration“ in Belarus im Sommer desselben Jahres waren auf Frontbreiten von 1’400 bzw. 1’000 km geführt worden und hatten eine Tiefe von 450 bzw. 600 km erreicht. Was in der Mandschurei geplant war, stellte aber alles, was auf dem westlichen Kriegsschauplatz geschehen war, weit in den Schatten: Auf insgesamt 1’760 km Frontbreite stießen 119 Divisionen in bis zu 800 km entfernte Operationsziele.
Kapitulation im November
In Moskau wusste man im Frühsommer 1945, dass die Amerikaner die für den Spätherbst geplante Invasion auf den Hauptinseln Japans in einer ersten Phase mit massiven Schlägen aus der Luft und von See vorzubereiten gedachten. Stalin wusste auch vom US-amerikanischen Atombombenprojekt. Im Kreml konnte man sich daher durchaus ausrechnen, dass die Amerikaner im Rahmen ihrer Luftangriffskampagne früher oder später eine Atombombe einsetzen würden. Schwierig abzuschätzen war, wie die Japaner auf einen Atombombenangriff reagieren würden. Damit war auch nicht abschließend zu beurteilen, wie lange sich ein Krieg in der Mandschurei hinziehen würde. Die Sowjets hatten aber Erfahrung mit strategischen Operationen, bei welchen mehrere Fronten zusammenarbeiteten. Diese dauerten durchschnittlich 50 Tage (30). Lediglich die Budapester und die Ostpreußische Operation in der Endphase des Krieges lagen mit 103 bzw. 108 Tagen über dem Durchschnitt, was mit den zeitraubenden Ortskämpfen zu erklären ist, die geführt werden mussten. Lang andauernde Kämpfe in Städten der Mandschurei zu vermeiden entsprach aber genau dem Bemühen Wassiliewskis. Mit den Amerikanern war im Herbst 1944 vereinbart worden, dass im Hinblick auf den Krieg im sowjetischen Fernen Osten Vorräte aller Art für zwei bis drei Monate bereitgestellt werden sollten. Bei einem vorgesehenen Operationsbeginn im August 1945 hätte das einer Kriegsdauer bis Anfang November entsprochen, jenem Zeitpunkt, an welchem die Amerikaner ihre erste Landung auf den japanischen Hauptinseln planten. Offenbar ging man in Washington und in Moskau davon aus, dass die Japaner spätestens dann kapitulieren würden.
Ausgeführt wie geplant
Unter dem Schutz von Dunkelheit und starkem Regen begann am 9. August 1945 der sowjetische Angriff. Die Überraschung gelang in vollem Umfang, sodass die Vorauseinheiten der Roten Armee bereits in den ersten Stunden der Operation praktisch überall tief in die japanischen Verteidigungsstellungen eindringen und die stark ausgebauten Verteidigungsstellungen der Japaner umgehen konnten. Innerhalb eines Tages hatte die Rote Armee die erste japanische Verteidigungslinie an der Staatsgrenze durchbrochen und war tief in das japanische Hinterland vorgedrungen.
Der Hauptstoß der Transbaikal-Front aus Westen musste unter teilweise extrem schwierigen Bedingungen durch die Wüste Gobi und über das Große Hinggan-Gebirge erfolgen. Es gelang der hier im Schwerpunkt angesetzten 6. Garde-Panzerarmee, die Japaner völlig zu überraschen, die niemals mit dem Einsatz einer Panzer-Armee in diesem Gelände gerechnet hatten. Zu einem kritischen Problem für die Rote Armee wurde hier die Logistik: Aufgrund der hohen Geschwindigkeit des Vorstoßes musste die Versorgung der Truppen mit Treibstoff zeitweise per Flugzeug erfolgen.
Das Ziel der benachbarten 39. Armee bestand darin, das Gebirge der Großen Hinggan zu überqueren und tief in das japanische Hinterland vorzudringen, um die Kontrolle über wichtige Städte wie Solun und Wangyemiao zu erlangen. Der Oberbefehlshaber der 39. Armee, General Lyudnikov, setzte deshalb auf eine überraschende und schnelle Umgehung der japanischen Verteidigungsstellungen und organisierte seine Armee in einer einzigen Staffel, wobei Panzerverbände an der Spitze mit dabei waren. Unterstützt durch Artillerie und Pioniere überquerten die sowjetischen Truppen die Berge auf unpassierbar scheinenden Routen und umgingen die japanischen Hauptverteidigungsstellungen. Art und Geschwindigkeit des sowjetischen Angriffs überraschten die Japaner völlig und führten zu einem schnellen Zusammenbruch ihrer Verteidigung. Trotz Herausforderungen in den Bereichen Treibstoffversorgung und Kommunikation gelang es der 39. Armee, täglich etwa 40 Kilometer vorzurücken. Am 15. August hatte die 39. Armee die japanischen Verteidigungsstellungen vollständig umgangen, die Städte Solun und Wangyemiao eingenommen und die japanischen Verteidiger abgeschnitten (31).
Die sogenannte Mechanisierte/Kavalleriegruppe Plijew operierte separat durch die Wüsten und Grassteppen der Inneren Mongolei gegen mit Japan verbündete mongolische Truppen, die sich erst am 21. August ergaben, und ging anschließend weiter in Richtung der Großen Mauer vor, um sich vor Peking mit den Truppen der chinesischen Kommunisten zusammenzuschließen (32).
Der aus der Region Primorie angreifenden 1. Fernost-Front gelang es rasch, die bewaldeten Hügel entlang der Grenze zu überschreiten. In den folgenden Tagen kam es zu erbitterten Kämpfen um befestigte Zonen wie Hailar und die strategisch wichtige Stadt Mudanjiang. Letztere war von den Japanern stark befestigt worden und wurde nun als „Wellenbrecher“ verteidigt, fiel aber nach schweren Kämpfen innerhalb einer Woche durch einen koordinierten Angriff der 1. Rotbanner- und der 5. Armee. Die 1. Rotbanner-Armee hatte zuvor ihre Aufgabe, die stark bewaldeten Berge im Osten der Mandschurei zu überschreiten, die von den Japanern als unpassierbar für große militärische Einheiten angesehen wurden, innerhalb eines Tages erfüllt (33). Die Armee ging in einer einzigen Staffel mit vier Divisionen in der ersten Linie vor. Unmittelbar hinter den Panzern, welche die Bäume niederwalzten und der Infanterie, welche den Nahschutz der Panzer sicherstellten, folgten überall Pioniere, die Straßen bauten, um das Nachführen von Folgekräften und von Nachschub zu ermöglichen.
Die benachbarte 5. Armee ging auf breiter Front in schwierigem Gelände vor (34). Auch sie verzichtete auf Artillerie-Vorbereitung, um die Überraschung zu wahren. Stattdessen gingen spezialisierte Vorauseinheiten vor, die aus Infanterie, Pionieren und gepanzerten Fahrzeugen bestanden. Diese infiltrierten die japanischen Verteidigungsstellungen, umgingen und isolierten sie und überließen deren Zerstörung den unmittelbar folgenden Hauptkräften der Armee. Auf diese Art durchbrach die 5. Armee innerhalb von zwei Tagen die japanischen Verteidigungslinien und drang etwa 80 Kilometer tief in das feindliche Gebiet ein.
Der Angriffsabschnitt der 35. Armee nördlich des Khanka-Sees war geprägt durch ausgedehnte Sümpfe und Flussläufe, die eine große Herausforderung für Bewegungen darstellten. Der Angriff begann hier mit einer nächtlichen Überquerung des Sungacha-Flusses durch Vorausabteilungen und Pioniere, die Brücken und Wege durch die Sümpfe bauten. Die Hauptkräfte der Armee folgten, wobei weitere Pionier-Verbände kontinuierlich Straßen und weitere Übergänge für Truppen und Fahrzeuge bauten. Schon am 10. August gelang es der Armee, die Hutou-Festung zu isolieren. Während andere Einheiten weiter nach Westen vorrückten, um die Kontrolle über Mishan zu erringen, begannen die Hauptkräfte der Armee mit einem systematischen Angriff auf Hutou (35). Entscheidend war in diesem Abschnitt die Unterstützung durch die Amur-Flottille, welche den Transport von Truppen und schwerem Gerät sicherstellte, Feuerunterstützung leistete und Landeoperationen im Rücken der japanischen Verteidiger durchführte.
Die im Norden unterstützend operierende 2. Fernost-Front verhinderte nach der Überquerung des Amur durch die darauffolgenden Angriffe den Rückzug der japanischen Truppen nach Süden und sicherte wichtige Städte wie Harbin und Qiqihar.
Die Rote Armee nutzte ihre völlige Luftherrschaft und setzte mehrere Male Luftlandeeinheiten ein, um Flugplätze und Stadtzentren frühzeitig zu sichern. Japanische Garnisonen in stark befestigten Räumen wurden oft umgangen, eingeschlossen und erst später durch besonders ausgebildete Verbände vernichtet. Die rasche Überwindung von Geländehindernissen wie Gebirge, Wälder, Wüsten und Flüsse führte überall zum schnellen Zusammenbruch der japanischen Verteidigungslinien. Durch das Abschneiden der Rückzugswege nach Korea wurde die Niederlage der Kwantung-Armee schließlich unausweichlich. Die Rote Armee erreichte zum Schluss sogar den 38. Breitengrad auf der koreanischen Halbinsel.
Bewertung des taktischen Vorgehens
In allen drei Fronten nutzten die Kommandanten der unterstellten Verbände die ihnen zugestandenen Freiheiten, um die geeignetsten Achsen für den Vorstoß auszuwählen, die Durchbruchsabschnitte selbst zu bestimmen und das taktische Vorgehen an das Gelände anzupassen – teilweise auch mit unorthodoxen Methoden. Der Schematismus der frühen Kriegsjahre war verflogen. Anders, als die Japaner erwartet hatten, griffen die sowjetischen Truppen nicht entlang der wenigen ausgebauten Achsen an, sondern in der Regel auf breiter Front, und nutzten lokale Erfolge sofort aus.
Ein entscheidender Faktor für den raschen und umfassenden Erfolg der Roten Armee war der Einsatz von speziell zusammengestellten Vorausabteilungen, die weit vor den Hauptkräften operierten, teilweise unabhängig und mit hoher Beweglichkeit. Diese Kräfte stießen in die operative Tiefe vor, sicherten Schlüsselgelände und -Objekte und desorganisierten die japanische Verteidigung, bevor diese sich konsolidieren konnte. Sie hielten das operative Tempo hoch und verhinderten, dass die Japaner eine zusammenhängende Verteidigungslinie aufbauen konnten. Mechanisierte und mobile Verbände spielten dabei eine Schlüsselrolle. Durch das schnelle Auftauchen sowjetischer Panzer tief im Hinterland wurde das japanische Kommunikations- und Befehlssystem unterbrochen, die Führung und die Logistik paralysiert. Diese Vorausabteilungen waren das innovativste Element des gesamten Feldzugs
Die Versorgung über große Entfernungen und schwieriges Gelände stellte ein erhebliches Risiko dar, welches jedoch bewusst in Kauf genommen wurde, um operative Überraschung zu erzielen. Geschwindigkeit galt als entscheidender Faktor, um den Gegner zu überrumpeln und seine Verteidigungsplanung zu unterlaufen.
Überraschung und schnelle Niederlage
Der Kriegseintritt der Sowjetunion machte alle Hoffnungen der japanischen Regierung zunichte, durch Vermittlung der Sowjets zu einem Verhandlungsfrieden mit den Westalliierten zu kommen, der es dem Land der aufgehenden Sonne erlauben würde, das Gesicht zu wahren (36). In Tokio hatte man offenbar den Umstand, dass die Sowjetunion nicht an der Potsdamer Erklärung beteiligt gewesen war, fehlinterpretiert (37). Die Truppen der Kwantung-Armee waren unzureichend ausgebildet und ausgerüstet und in keiner Weise auf die Art der Kriegführung vorbereitet, welche die Rote Armee praktizieren sollte.
Obwohl die japanische Aufklärung Nachrichten beschafft hatte, die auf einen bevorstehenden Krieg hindeuteten, war die japanische Führung ungenügend vorbereitet und ließ zu, dass die Sowjets den Vorteil der strategischen Überraschung erlangten (38). Die Japaner unterschätzten ferner die logistischen Fähigkeiten der Sowjets und glaubten insbesondere nie, dass es diesen gelingen würde, starke Kräfte weit entfernt von der Transsibirischen Eisenbahn einzusetzen (39).
Das Oberkommando der Kwantung-Armee wurde nicht vorzeitig gewarnt und hatte keine Ahnung, wo der Hauptstoß erfolgen würde. Die Japaner wurden oftmals insbesondere von den Methoden überrascht, welche die Rote Armee anwendete. Ganz besonders die Verwendung einer Panzerarmee als Speerspitze im Großen Hinggan-Gebirge war für sie völlig unerwartet, aber auch der Einsatz von Panzern als Vorausabteilungen überall, in allen Geländetypen (40). Auf der taktischen Stufe überraschte der Einsatz von Artillerie im Direktschuss gegen Befestigungen, nachdem teilweise auf Artillerievorbereitung verzichtet worden war.
Mit den Methoden der Maskirovka, das heißt der Maßnahmen von Tarnung und Täuschung, die sich bereits auf dem europäischen Kriegsschauplatz bewährt hatten, erarbeiteten sich die Sowjets das Überraschungsmoment.
„To the Soviets, surprise is not just something to be wished for, it is something to be worked for“ (41)
Deren Wirksamkeit war so hoch, dass die Japaner trotz dem Wissen um einen möglichen Angriff vom Zeitpunkt, der Wucht und den Methoden des Angriffs völlig überrascht wurden.
„Tiefe Operation“ statt „Sichelschnitt“
Die Anlage der Offensivoperation in der Mandschurei spiegelt die Ideen der sogenannten „Tiefen Operation“ der Dreißigerjahre, die sich mit dem Durchbruch durch das Verteidigungsdispositiv des Gegners nicht zufriedengab, sondern danach strebte, dessen rückwärtige Organisation zu zerschlagen, um ihm die Möglichkeit zu rauben, sich gegen die Invasion zu wehren. Sie ging weiter als die deutsche Denkweise des „Blitzkriegs“, die sich am deutlichsten in der „Sichelschnitt“-Planung von 1940 manifestierte, als Erich von Manstein in typisch Clausewitzscher Manier plante, die französische Armee und ihre Verbündeten in Belgien einzukesseln und zur Kapitulation zu zwingen, um den französischen Gegner wehrlos zu machen, so wie es Clausewitz immer gefordert hatte (42). Der Plan des Generalstabschefs Alfred von Schlieffen für einen deutschen Feldzug gegen Frankreich, der durch seinen Nachfolger Helmuth von Moltke dem Jüngeren 1914 in abgewandelter Form umgesetzt wurde, zielte im Grunde genommen auf nichts anderes ab als eine Wiederholung des Sieges von Sedan im Jahr 1870, als die preußisch-deutschen Truppen die Franzosen einkesselten und zur Kapitulation zwangen. Nach der Niederlage von Sedan riefen die Franzosen zwar die Republik aus, vermochten aber den Kriegsverlauf nicht mehr zu ändern. Eine ähnliche Entscheidungsschlacht strebte auch Manstein an, einfach nur in Belgien anstatt in Ostfrankreich. Wassiliewski war hingegen nicht von preußischen Generälen, sondern von seinen Vorgängern in den Dreißigerjahren geprägt, von Wladimir Triandafillow, Georgii Isserson und wahrscheinlich auch vom Michail Tuchatschewski, welcher 1937 der Repression zum Opfer gefallen war. Insbesondere der Stoß aus dem Raum Wladiwostok an den Yalu-Fluss und damit ins Reduit, in welches sich die Japaner zurückziehen wollten, zeugt vom Bestreben Wassiliewskis, den Japanern keine Chance zu lassen. Die japanischen Streitkräfte waren zu keinem Zeitpunkt in der Lage, die Initiative zu ergreifen (43).
Die mandschurische strategische Angriffsoperation darf als das Meisterstück der Roten Armee bezeichnet werden, welche ihr ganzes, in fünf Jahren des Kriegs in Europa erworbenes taktisches und operatives Können anwandte und die letzte noch intakte Armee des japanischen Kaiserreichs in atemberaubender Geschwindigkeit überrannte. Die Sowjets demonstrierten höchstes operatives Können, indem sie riesige Truppenverbände über enorme Distanzen verlegten, den Aufmarsch erfolgreich maskierten, den Gegner insbesondere mit ihren taktischen Methoden überraschten und eine Angriffsoperation in mehrere hundert Kilometer Tiefe führten. Auf der taktischen Ebene gelang die nahtlose Koordination von Panzern, Kavallerie, motorisierter Infanterie, Fluss-Schiffen, Luftwaffe und Logistik in schwierigem Gelände wie Wüsten, Gebirgen, Wäldern und Sümpfen im Gefecht der verbundenen Waffen. Die Rote Armee bewies ihre Fähigkeit zu einer schnellen, entscheidenden Offensive, die gegnerische Linien innerhalb weniger Tage komplett kollabieren ließ.
Wirkung bis in den Kalten Krieg
Der rasche und durchschlagende Erfolg der Mandschurischen Strategischen Offensivoperation zeigt sich in den nüchternen Zahlen: Die sowjetischen Armeen im Fernen Osten hatten in zehn Operationstagen Angriffsziele in durchschnittlich 340 km Tiefe erreicht und waren dabei täglich um die 35 km vorgerückt, wobei die 6. Gardepanzerarmee mit einer Angriffsgeschwindigkeit von über 80 km pro Tag den Spitzenwert erzielte (44). Wenn ein sowjetischer Vorstoß in Westeuropa ohne Vorwarnzeit und in gleicher Manier erfolgen könnte – so muss man im Westen nach 1945 gedacht haben – war der Rhein von der deutsch-deutschen und der deutsch-tschechoslowakischen Grenze aus in einer Woche zu erreichen. Diese Befürchtung ließ die Militärs der NATO bis zur Auflösung der Warschauer Vertragsorganisation (Warschauer Pakt) nie mehr ganz los.
Damit ist die Operation zentral für das Verständnis des Kalten Krieges in Europa (45). Die in der Mandschurei gewonnenen Erfahrungen flossen direkt in die Entwicklung der Einsatzgrundsätze für die Operativen Manövergruppen (OMG) im Kalten Krieg. Es hatte sich gezeigt, dass gepanzerte Großverbände in der Lage sind, tiefe, schnelle Vorstöße von bis zu 800 km in wenigen Tagen zu führen, um die gegnerische Führungsorganisation und Logistik zu überrennen, bevor eine organisierte Verteidigung möglich ist. Vorausabteilungen waren ein Kernelement der OMG im Kalten Krieg. Ein wesentliches Merkmal war hierbei die Schwerpunktbildung entlang weniger, ausgewählter Achsen bei Belassung der Handlungsfreiheit auf der taktischen Ebene (46).
Wie kaum eine andere, ist die Mandschurische Strategische Angriffsoperation geeignet, das Narrativ von der Roten Armee als primitive Dampfwalze zu wiederlegen, das besonders im deutschen Sprachraum teilweise bis heute umhergegeben wird. Wer diese Operation kennt, weiß sowjetisches operatives Denken im Kalten Krieg besser einzuschätzen und vermag die Fehler westlicher Lagebeurteilung in jener Zeit zu erkennen – und ist vielleicht davor gefeit, die damaligen Fehlurteile heute zu wiederholen.
Anmerkungen:
- Siehe „Sachstand Erkenntnisse zu den während des Kalten Krieges von der Sowjetunion bzw. dem Warschauer Pakt für einen Angriff auf die Nordatlantische Allianz aufgestellten Operationsplänen, Fokus: Mitteleuropa“, WD 2 – 3000 – 038/24 2024, Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags, Berlin, 2024, online unter https://www.bundestag.de/resource/blob/1017274/WD-2-038-24-pdf.pdf..
- Siehe Gerd Brenner: Aggressive Sowjetunion? Wäre ein Angriff möglich gewesen? bei World Economy, 26.03.2021, online unter https://www.world-economy.eu/nachrichten/detail/aggressive-sowjetunion-waere-ein-angriff-moeglich-gewesen/.
- Die Vordenker der „Tiefen Operation“ waren Georgii Isserson und Wladimir Triandafillow. Siehe Теория глубокой операции, bei Rubiki, Stand 25.04.2025, online unter https://ru.ruwiki.ru/wiki/Теория_глубокой_операции. В. К. Триандафиллов: Характер операций современных армий, Москва, Государственное военное издательство Наркомата обороны Союза ССР, 1936, online unter https://militera.lib.ru/science/triandafillov1/index.html. Г. С. Иссерсон: Эволюция оперативного искусства, Москва, Государственное военное издательство Наркомата обороны Союза ССР, 1937, online unter Иссерсон-Г.-Эволюция-оперативного-искусства-Издание-2-е.-доп.pdf. В. Н. Шептура: Влияние теории глубокой операции и глубокого боя на разработку основ организации связи накануне Великой Отечественной войны 1941—1945 гг.. in: Военно-исторический журнал, № 7, 2006, online unter https://cyberleninka.ru/article/n/vliyanie-teorii-glubokoy-operatsii-i-glubokogo-boya-na-razrabotku-osnov-organizatsii-svyazi-nakanune-velikoy-otechestvennoy-voyny/viewer. П. К. Алтухов, С. Ф. Бегунов: Глубокая операция, in Большая советская энциклопедия, online unter https://bse.sci-lib.com/article011028.html, alle in russischer Sprache. Im englischen Sprachraum hat sich in den Fünfzigerjahren Raymond L. Garthoff mit sowjetischer militärischer Theorie befasst; z.B. How Russia Makes War, Soviet Military Doctrine, London 1954. Ders.: Soviet Military Doctrine, Claregalway (Irland) 1953.
- In der sowjetischen Militärdoktrin gilt eine Operation als eine Reihe von nach Ort und Zeit koordinierter Gefechte, Schlachten und Schläge, die auf ein einheitliches Ziel ausgerichtet sind. Sie wird von einer Armee oder Front geführt (Front- oder Armeeoperation). Eine strategische Operation hingegen zielt auf eine grundlegende Veränderung der gesamten militärpolitischen Lage ab und besteht aus mehreren Armee- oder Frontoperationen. Ihr Ziel ist die Zerschlagung einer gesamten strategischen Gruppierung des Gegners oder der Rückzug eines ganzen Staates aus dem Krieg. Sie erstreckt sich über ein riesiges Gebiet – mitunter das gesamte Staatsgebiet des Gegners. Siehe Н.И. Дорохов: Статья про зарождение советской военной доктрины. Становление системы военно-доктринальных взглядов в СССР (1920-е – начало 1930-х гг.), bei Livejournal, online unter https://paul-atrydes.livejournal.com/74560.html, in russischer Sprache. Ein Video dazu: „USSR vs Japan: The Soviet Union’s Invasion Of Manchuria“ Battlefield, War Stories, bei War Stories, Video auf YouTube, 04.09.2023, online unter https://www.youtube.com/watch?v=tcMTmR6nWZg&t=52s.
- David M. Glantz: ‚August Storm‘; The Soviet Strategic Offensive in Manchuria, 1945, bei US Army Command and General Staff College, Combat Studies Institute, Fort Leavenworth (Kansas), 1983, online unter https://www.armyupress.army.mil/Portals/7/combat-studies-institute/csi-books/Glantz-lp7.pdf. Ders.: Soviet Operational and Tactical Combat in Manchuria, 1945, US Army Command and General Staff College, Combat Studies Institute, Fort Leavenworth (Kansas), 1983, online unter https://www.armyupress.army.mil/Portals/7/combat-studies-institute/csi-books/Glantz-lp8.pdf.
- Harmon L. Eaton: The Soviet Invasion of Manchuria, 1945. An Analysis of the Element of Surprise Army Command and General Staff Coll Fort Leavenworth Kansas, 11.06.1976, online unter https://apps.dtic.mil/sti/tr/pdf/ADA030143.pdf#:~:text=At%20the%20operational%20and%20tactical%20levels%2C%20the,their%20theory%20of%20military%20art%20into%20practice.
- Charles Stephenson: Stalin’s War on Japan: The Red Army’s ‚Manchurian Strategic Offensive Operation‘, 1945, Philadelphia 2021, online verfügbar unter https://dokumen.pub/qdownload/stalins-war-on-japan-the-red-armys-manchurian-strategic-offensive-operation-1945-1526785943-9781526785947.html.
- Richard Overy: Weltenbrand: Der grosse imperiale Krieg, 1931–1945, online verfügbar unter https://www.yumpu.com/en/document/view/70087638/download-free-pdf-weltenbrand-by-richard-overy.
- Vgl. „Halbrichtige Narrative und Misstrauen: zwei Schritte in den Abgrund“, bei Global Bridge, 12.04.2026, online unter https://globalbridge.ch/halbrichtige-narrative-und-misstrauen-zwei-schritte-in-den-abgrund/.
- Das Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers, kurz: Stawka (russisch: Ставка Верховного главнокомандующего, dt. Transkription: Stawka Werchownowo glawnokomandujuschtschewo) war das Oberkommando der sowjetischen Streitkräfte. Die Stawka bestimmte Struktur und Organisation der Streitkräfte, plante Feldzüge und strategische Operationen, erteilte Fronten und Flotten Aufträge und leitete deren Kampfhandlungen, koordinierte die Anstrengungen der sowjetischen Streitkräfte und der Armeen verbündeter Staaten, organisierte die Zusammenarbeit zwischen strategischen Gruppen und operativen Verbänden verschiedener Teilstreitkräfte sowie Partisanen, teilte den Fronten Verbände und Material zu, überwachte den Fortschritt der zugewiesenen Aufträge und leitete die Auswertung der gemachten Erfahrungen. Die Arbeitsorgane des Obersten Befehlsrats waren der Generalstab, die Direktionen der Volkskommissariate für Verteidigung und für Marine, d.h. das Verteidigungs- und das Marineministerium. Siehe И. Г. Павленко: Ставка Верховного Главнокомандования, in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie, online unter https://bse.sci-lib.com/article105667.html, in russischer Sprache.
- Zu den Operationen der sowjetischen Pazifik-Flotte siehe Raymond L. Garthoff: Soviet Operations in the War with Japan, August 1945, auf der Homepage des U.S. Naval Institute, Proceedings Vol. 92/5/759, May 1966, online unter https://www.usni.org/magazines/proceedings/1966/may/soviet-operations-war-japan-august-1945.
- Vgl. „Halbrichtige Narrative und Misstrauen: zwei Schritte in den Abgrund“, bei Global Bridge, 12.04.2026, online unter https://globalbridge.ch/halbrichtige-narrative-und-misstrauen-zwei-schritte-in-den-abgrund/.
- Es existiert auch die Schreibweise Kwangtung-Armee
- Hier und im Folgenden: WISSEN-digital: Mandschurei, online unter https://www.wissen-digital.de/Mandschurei#:~:text=nordostchinesische%20Landschaft%20zwischen%20Ostsibirien%2C%20Mongolei,%2C%20Gold%2C%20Kupfer%2C%20Silber. Siehe auch Meyers Großes Konversations-Lexikon, online unter http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Mandschurei. Vgl. Tiziano Terzani: »Die Mandschurei ist eine Schatzkammer«; SPIEGEL-Redakteur Tiziano Terzani über Mißwirtschaft in Chinas Ruhrgebiet, bei Der Spiegel 17/1981, 19.04.1981, online unter https://www.spiegel.de/politik/die-mandschurei-ist-eine-schatzkammer-a-17b725ed-0002-0001-0000-000014329051.
- Siehe r/imaginarymaps: Republic of Manchuria, online unter https://www.reddit.com/r/imaginarymaps/comments/1om8vt1/republic_of_manchuriacirca_2025/#lightbox, Nordkoreanisches Institut für Lokalgeschichte: Berg Baekdu Quelle des zweiten Nebenflusses des Songhua-Flusses, Nebenfluss des Amur, online unter https://m.blog.naver.com/donghlee1001/222224796265 (in korean. Sprache) und Hum Images: 1945 Karte Korea und Mandschurei, online unter https://www.alamy.de/1945-karte-korea-und-mandschurei-image454762121.html. Vgl. auch Eaton, a.a.O., S. 30.
- Siehe „The China-North Korea Border“ bei YoungPioneerTours.com, online unter https://www.youngpioneertours.com/china-north-korea-border/#:~:text=The%20border%20itself,mountain%20to%20the%20Koreans%2C%20Mt..
- Das war möglicherweise nicht ungewollt. Zur Koordination zwischen dem nationalsozialistischen Deutschen Reich und Japan siehe Gerd Brenner: Zweifrontenkrieg um Russlands Ressourcen, bei World Economy, 04.05.2020, online unter https://www.world-economy.eu/nachrichten/detail/zweifrontenkrieg-um-russlands-ressourcen/. Unklar ist, inwieweit gewisse, heute abenteuerlich erscheinende Unternehmen der Deutschen, namentlich der „Abwehr“ mit den Japanern abgesprochen waren. Dazu gehörten Unternehmen Tiger (Pläne zur Anstiftung eines pro-achsenmächten Aufstands der Paschtunen in Waziristan, um Nordindien durch Grenzkonflikte mit Afghanistan zu bedrohen), Unternehmen Amanullah (Pläne zur Anstiftung eines Aufstands der Paschtunen und der Turkvölker in Zentralasien durch die Abwehr in Afghanistan gegen die sowjetische und britische Einflusssphäre, gefolgt von einer deutschen Invasion Afghanistans, um einen afghanischen Marionettenstaat unter der Führung von Amanullah Khan zu errichten, dessen Hauptziel die spätere Invasion Britisch-Indiens war), Unternehmen Tibet (Pläne zur Anstiftung eines Aufstands in Tibet, um Britisch-Indien 1942 zu bedrohen) und Unternehmen Bajadere (deutsch-indische Sonderoperation für einen geplanten Angriff durch den Kaukasus auf Iran, Afghanistan und Indien im Januar 1942). Das OKW prüfte zeitweise eine Invasion Indiens von Iran und Afghanistan aus durch das besetzte sowjetische Zentralasien. Auch hier ist unklar, was mit Japan besprochen worden war. Siehe Jennifer Jenkins: Iran in the Nazi New Order, 1933–1941, Vortrag am Sharmin and Bijan Mossavar-Rahmani Center for Iran and Persian Gulf Studies, online unter https://cipgs.princeton.edu/events/iran-nazi-new-order-1933-1941. Cox, Michael: Germany, Hitler and World War II and Germany and the Second World War. Volume III: the Mediterranean, South-East Europe, and North Africa 1939–1941, beiInternational Affairs, 72 (2), April 1996, eingeschränkte Vorschau unter https://academic.oup.com/ia/article-abstract/72/2/392/2471100?redirectedFrom=fulltext&login=false.
- Zu beachten ist, dass die sog. Regionalarmeen de facto Armeen darstellen, die Armeen selbst eher Verbände in Korps-Stärke. Sie sind deshalb so dargestellt. Siehe Japanese Preparations for Operations in Manchuria (prior to 1943), prepared by Military History Section, Headquarters Army Forces Far East, distributed by Office of the Chief of Military History, Japanese Research Division, Japanese Monograph No. 77, online unter https://www.ibiblio.org/hyperwar/Japan/Monos/pdfs/JM-77_Preparations4Manchuria%3C1943/JM-77.htm.
- Siehe Gerd Brenner: Zweifrontenkrieg um Russlands Ressourcen, bei World Economy, 04.05.2020, online unter https://www.world-economy.eu/nachrichten/detail/zweifrontenkrieg-um-russlands-ressourcen/,
- Vgl. Statistik bei Glantz, August Storm, Strategic Offensive, S. 187 und Eaton, a.a.O., S. 109f.
- Siehe Eaton, a.a.O., S. 58f. „… they believed the build-up could be completed as early as June or July. It was assumed that one or two months after that would be necessary for offensive preparations, so the earliest they figured the Soviets would be ready was in August or September 1945“
- Vgl. Eaton, a.a.O., s. 118. Port Arthur = heute Lüshunkou
- Siehe Eaton, a.a.O., S. 111-116.
- Siehe Paul S. Teague: The Soviet Invasion of Manchuria and the Kwangtung Army, bei MilitaryHistoryOnline.com, 2026, online unter https://www.militaryhistoryonline.com/WWII/SovietInvasionManchuria#:~:text=In%20May%201939%20when%20the,offset%20the%20Soviet%20material%20advantages.
- Ebd. Vgl. Александр Геннадьевич Зорихин (Zorikhin): Японские оценки Красной армии в 1923—1939 гг. (Japanische Einschätzungen der Roten Armee in den Jahren 1923–1939), bei Военно-исторический журнал (Militärgeschichtliches Journal), 07.02.2022, online unter https://history.milportal.ru/yaponskie-ocenki-krasnoj-armii-v-1923-1939-gg/. Zorikhin stützt sich auf bisher unveröffentlichte japanische Archivmaterialien und andere Quellen, des japanischen Nachrichtendiensts in den Jahren 1923–1939. In diesen Jahren wandelten sich die Einschätzungen des japanischen Kaiserreichs zur Roten Armee von einer Unterschätzung hin zur Anerkennung ihrer Überlegenheit gegenüber den japanischen Streitkräften. Besonders unter dem Eindruck der Niederlage am Khalkin Gol 1939 begannen die Japaner von einer umfassenden Aggression gegen die UdSSR Abstand zu nehmen. Darüber hinaus verwendeten die Sowjets Codes, welche die Japaner nicht knacken konnten.
- Siehe Eaton, a.a.O., S. 143, 147.
- Siehe Eaton, a.a.O. S. 4, 18
- Siehe „Das Ende der deutschen Panzerwaffe“, bei Global Bridge, 25.04.2024, online unter https://globalbridge.ch/das-ende-der-deutschen-panzerwaffe/.
- Vgl. Glantz, August Storm, Strategic Offensive Karten S. 85, 113, Eaton a.a.O., S. 4, 96, Андрей Смирнов: Маньчжурский орешек (Die Mandschurische Nuss), bei Родина (Heimat), 21.06.2023, online unter https://rodina-history.ru/2020/08/11/o-tom-chto-sssr-vstupit-v-vojnu-s-iaponiej-bylo-izvestno-eshche-v-ianvare-1945-go.html?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F.
- Das ergibt eine Auswertung des Verfassers von 49 Operationen der Roten Armee zwischen Juni 1941 und Mai 1945 auf der Basis der offiziellen Zahlen.
- Siehe hierzu Glantz, August Storm, Tactical and Operational Combat, S. 138-147.
- Siehe Glantz, August Storm, Tactical and Operational Combat, a.a.O., S. 102.
- Siehe Glantz, August Storm, Tactical and Operational Combat, a.a.O., S. 44-50.
- Siehe hierzu Glantz, August Storm, Tactical and Operational Combat, S. 21-31.
- Siehe Glantz, August Storm, Tactical and Operational Combat, a.a.O., S. 62-65. Vgl. Frank Schumann: Der Kampf um die Hutou-Festung: Wo der Zweite Weltkrieg sein Ende fand, bei Berliner Zeitung, 25.08.2025, online unter https://www.berliner-zeitung.de/article/der-kampf-um-die-hutou-festung-wo-der-zweite-weltkrieg-sein-ende-fand-2339666.
- Siehe John Toland: The Rising Sun: the Decline and Fall of the Japanese Empire, New York 2003, online verfügbar unter file:///C:/Users/USER/Downloads/the-rising-sun-the-decline-amp-fall-of-the-japanese-empire-1936-45-paperbacknbsped-0812968581-9780812968583_compress.pdf, S. 806.
- Siehe den Text der Deklaration: „Potsdam Declaration, Proclamation Defining Terms for Japanese Surrender, Issued, at Potsdam, July 26, 1945″, bei atomicharchive.com, online unter https://www.atomicarchive.com/resources/documents/hiroshima-nagasaki/potsdam.html. Vgl. „Halbrichtige Narrative und Misstrauen: zwei Schritte in den Abgrund“, a.a.O.
- Siehe Eaton, a.a.O. S. 15
- Siehe Paul S. Teague: The Soviet Invasion of Manchuria and the Kwangtung Army, bei MilitaryHistoryOnline.com, 2026, online unter https://www.militaryhistoryonline.com/WWII/SovietInvasionManchuria#:~:text=In%20May%201939%20when%20the,offset%20the%20Soviet%20material%20advantages.
- Siehe Eaton, a.a.O. S. 4, 18
- Siehe Eaton, a.a.O. S. 146f
- In jüngster Zeit revidierte der renommierte Militärhistoriker Roman Töppel die tw. einseitige Geschichtsschreibung um den „Sichelschnitt“ von 1940, der bis dato oft als alleiniger Geniestreich des Erich von Manstein dargestellt wurde. Das passte gut in die Nachkriegslegende, wonach die Generäle der Wehrmacht geniale Strategen waren und Hitler der unfähige Störenfried. Hitler war mit der Idee einer Wiederholung des Schlieffen-Plans von 1914 unzufrieden gewesen und hatte stattdessen den Vorstoß durch die Ardennen gefordert. Das traf sich mit ähnlichen Gedanken, die Manstein unabhängig davon entwickelt hatte. Siehe Roman Töppel: Manstein; Kriegstagebücher und Briefe 1939-1941, Paderborn 2025, online verfügbar unter https://www.academia.edu/117375409/Manstein_Kriegstageb%C3%BCcher_und_Briefe_1939_1941_Paderborn_2025_ISBN_978_3_506_79488_8_E_Book_978_3_657_79488_1_. Seine Publikation löste eifrige Debatten aus, z.B. „Hitlers unbequemer General“, bei Damals.de, 19.12.2025, online unter https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/hitlers-unbequemer-general/. Vgl. Konstantin Sakkas: Hitlers General: Erich von Mansteins Briefe verbinden Liebesbeteuerungen mit rassistischen Tiraden. Sie werfen ein neues Licht auf den Westfeldzug von 1940; Roman Töppel hat den ersten Band der Briefe und Kriegstagebücher des Wehrmacht-Generals Erich von Manstein herausgegeben, bei Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2025, online unter https://www.nzz.ch/feuilleton/hitlers-general-erich-von-mansteins-briefe-verbinden-liebesbeteuerungen-mit-rassistischen-tiraden-sie-werfen-ein-neues-licht-auf-den-westfeldzug-von-1940-ld.1895801. Oliver Kühn: Die Legende von Hitlers Generalen, bei Frankfurter Allgemeine, 10.02.2026, online unter https://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/der-sichelschnitt-plan-das-steckt-hinter-der-legende-von-hitlers-generalen-accg-110834321.html.
- Siehe Eaton, a.a.O. S. 14f.
- Siehe Glantz, August Storm, Strategic Offensive, a.a.O., Annex 3, S. 205
- Ihre Bedeutung als Blaupause für den Kalten Krieg wurde in militärischen Kreisen der USA durchaus erkannt. Siehe Eaton, a.a.O., S. 150.
- Siehe Johan Elg: Soviet Operational Art, Narratives on Manchuria, 1945, Analys & Perspectiv NR 4, October/December 2014, online unter https://kkrva.se/hot/2014%3A4/elg_soviet_operational_art.pdf.