Auch dieses unschuldige kleine Kind, eines von Tausenden, wird – von Israel beabsichtigt! – Hungers sterben, wenn keine Hilfe kommt!

Israel mordet und mordet und mordet – die Welt weiß es …

(Red.) Der US-Journalist Chris Hedges, ein Kenner Palästinas, hat ein Buch darüber geschrieben. Es müsste hier in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz als Schulbuch obligatorisch erklärt werden! (cm)

Seit bald drei Jahren findet in Palästina ein Völkermord statt. „Die Botschaft, die der Völkermord an den Rest der Welt sendet“, sei „unmißverständlich“, schreibt Chris Hedges im Februar 2026: „Wir besitzen alles, und wenn Ihr versucht, es uns wegzunehmen, werden wir Euch töten.“ 

Die „neue Weltordnung wird aussehen wie Gaza“, so das düstere und sehr realistische Fazit eines Journalisten, der viele Jahre als Auslandskorrespondent u.a. für die New York Times aus dem Nahen und Mittleren Osten berichtet hat. Der Aufbruch der Schanghai Organisation für Zusammenarbeit (SCO) und im globalen Süden (BRICS), mit dem sich eine andere, multipolare Weltordnung abzeichnet, scheint für die Menschen in Palästina, im Libanon, im Jemen, Irak und Iran ein ferner Traum. 

Die „gewaltsame Neuordnung“ im Nahen und Mittleren Osten – und darüber hinaus – läßt sich nicht ausblenden. Die Toten, die Verwüstung, das Unrecht, das den Palästinensern angetan wird, sind heute bereits Realität im Libanon, Syrien, Jemen, Iran. Diese Entwicklung ist von Israel und seinen Partnern in der US-geführten westlichen Hemisphäre zu verantworten. Chris Hedges schreibt über die Freunde und Feinde von Palästina schonungslos. Er ist ein Freigeist mit Prinzipien. Zu denen gehört auch, den Mächtigen die Wahrheit zu sagen. Hedges tut das scharfsinnig, mit großem Wissen und mit Vehemenz. 

Reportagen von Chris Hedges aus der Zeit zwischen 1980 und 2000 und aktuelle Berichte von ihm aus dem Westjordanland und über Palästinenser, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, wurden von Seven Stories Press, New York, im Februar 2026 unter dem Titel „Genocide Foretold“, Der angekündigte Völkermord, veröffentlicht. Stefan Kraft vom Promedia Verlag übersetzte die eindringlichen Texte, in denen palästinensische Zeitzeugen – direkt und indirekt – zu Wort kommen. Die meisten von ihnen leben heute nicht mehr. Sie wurden bei israelischen Angriffen getötet. Der Wiener Promedia Verlag hat den Reportageband unter dem Titel „Die angekündigte Katastrophe“ veröffentlicht.

Die angekündigte Katastrophe

Überleben und Widerstand, Reportagen aus dem besetzten Palästina

Chris Hedges, Promedia Verlag Wien, 2026, 200 Seiten, 23,00 Euro. Aus dem Englischen übersetzt von Stefan Kraft. ISBN 978-3-85371-558-1.

Der Blick ins Buch

„Liebes Kind, es ist nach Mitternacht. Ich fliege mit einer Geschwindigkeit von Hunderten Meilen pro Stunde durch die Nacht. Tausende Meter über dem Atlantischen Ozean. Ich reise nach Ägypten. Ich will dort zur Grenze nach Gaza, bei Rafah. Wegen Dir.“ Vor fast drei Jahren, am 9. November 2023, veröffentlichte Globalbridge diesen „Brief an die Kinder in Gaza“. Geschrieben hatte ihn Christ Hedges, der, wie alle ausländischen Journalisten, seit dem 7. Oktober 2023 keine Erlaubnis von den israelischen Behörden erhielt, in den Gaza-Streifen einzureisen. Der Gaza-Streifen war komplett abgeriegelt und wurde 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche bombardiert. Journalisten waren aus vielen Teilen der Welt gekommen, um an dem Grenzübergang Rafah gegen ihren Ausschluß zu protestieren. Vergeblich, bis heute dürfen ausländische Journalisten nur „eingebettet mit der Israelischen Armee“ dorthin fahren. 

Chris Hedges kennt den Gaza-Streifen vermutlich besser, als jeder israelische Soldat, der dorthin geht, um zu töten. Sieben Jahre lebte er in dem Küstenstreifen und im Westjordanland in den 1990iger Jahren. Er berichtete über die erste Intifadah (1987 – 1993).  2000 kehrte Hedges in den Gaza-Streifen zurück und berichtete über die Zweite Intifadah (2000-2005) aus dem Flüchtlingslager Khan Younis und dem angrenzenden Lager Mawasi. Christ Hedges ist ein großartiger Reporter. Er ist vor Ort, er spricht die Sprache der Menschen, denen er begegnet. Er begleitet sie, er lebt in ihrer Nachbarschaft, er lässt sie in seinen Reportagen zu Wort kommen. Hedges hat Prinzipien, die ihm im Laufe seiner Arbeit immer wieder Probleme bereiteten und von denen er nie abließ. Er ordnet sich nicht der Militärzensur unter, er lehnt „embedded journalism“ ab, dem in eine Armee „eingebetteten“ oder „integrierten“ Journalisten Pool. Dieses Instrument war von der US-Armee erst im Irak 1991 eingeführt.

In seinem rigorosen Vorwort fasst Hedges das Geschehen nach dem 7. Oktober 2023 in knappen Worten zusammen: „Zunächst ging es um Israels Recht, sich zu verteidigen. Dann folgte ein Krieg, in dem laut Israels eigener militärischer Geheimdienstdatenbank 83 Prozent der Opfer Zivilisten waren. Die 2,3 Millionen Palästinenser im Gaza-Streifen, die unter einer israelischen Luft-, Land- und Seeblockade leben, besitzen keine Armee, keine Luftwaffe, keine motorisierten Truppenverbände, keine Panzer, keine Marine, keine Raketen, keine schwere Artillerie, keine Flotten tödlicher Drohnen, keine hoch entwickelten Ortungs- und Überwachungssysteme, die sämtliche Bewegungen erfassen, und keinen Verbündeten wie die Vereinigten Staaten, die Israel seit dem 7. Oktober 2023 mindestens 21,7 Milliarden Dollar an Militärhilfe gewährt haben.“

Hedges macht das Kräfteverhältnis klar, mit dem Israel, die USA und deren Bündnispartner vor den Augen der Welt neue Maßstäbe gesetzt haben, an die die Welt sich gewöhnen soll. Die Botschaft an den Rest der Welt, in der „mehr als eine Milliarde Menschen von weniger als einem US-Dollar – der international markierten Armutsgrenze – leben, ist unmißverständlich“, schreibt Chris Hedges: „Wir besitzen alles, und wenn ihr versucht, es uns wegzunehmen, werden wir Euch töten.“ Die neue Weltordnung werde „aussehen wie Gaza“, schreibt der Autor. „Riesige Lager, Hunger, Zerstörung der Infrastruktur und der Zivilgesellschaft. Massenmord, umfassende Überwachung, Hinrichtungen, Folter einschließlich Schläge, Elektroschocks, Waterboarding, Vergewaltigung, öffentliche Demütigung (….)“. 

Imperien würden immer dann zum Instrument des Völkermordes greifen, wenn sie sich bedroht fühlten, so Hedges und er erinnert an einige der Massaker, die europäische Kolonialmächte weltweit verübten, um ihre Herrschaft und ihren Reichtum zu wahren. „Fragen Sie die amerikanischen Ureinwohner, fragen Sie die Herero und Nama, fragen Sie die Armenier, fragen Sie die Überlebenden von Hiroshima oder Nagasaki. Fragen Sie die Inder, die die Hungersnot in (British-Indisch) Bengalen überlebt haben, oder die Kikuyu, die sich in Kenia gegen ihre britischen Kolonialherren auflehnten.“ 

Seit mehr als 100 Jahren gönnen die ehemaligen imperialen Kolonialmächte aus Europa, das 1948 gegründete Israel und seine Partnerländer, darunter auch Deutschland, den Palästinensern nichts. Nicht ihr Land, nicht ihre Geschichte, nicht ihr Meer, nicht den Himmel, der sich vom östlichen Mittelmeer weit über das Land Palästina erstreckt. Sie gönnen den Palästinensern nicht ihren Staat, nicht einmal Flüchtlingslager, in die sie vertrieben wurden. Sie gönnen ihnen nicht ihre Familien, nicht ihre Kinder, nicht ihre Erinnerung, nicht ihr Leben und nicht einmal ihre Friedhöfe sollen Bestand haben. Davon handelt dieses Buch.

Eine angekündigte Katastrophe

2024 konnte Hedges über Jordanien in das Westjordanland reisen, nach Ramallah. In der Reportage „Das alte Übel“ (Kapitel 1) beschreibt der Autor die Machtverhältnisse in einem Land, das militärisch kontrolliert, von Siedlerbanden verdrängt und von einer hohen Mauer durchtrennt wird. Ein junger Mann fährt ihn mit seinem alten Mercedes durch dieses Land, der Mann hat seine Arbeit nach dem 7. Oktober 2023 verloren. Er weiß nicht, wie er Frau und die vier Kinder, geschweige denn weitere Angehörige versorgen soll. Hedges notiert in knappen Sätzen, was dieser Mann zu sagen hat: „Die Menschen sind verzweifelt. Immer mehr hungern.“ Hedges besucht in Ramallah den Schriftsteller Atef Abu Saif, einen alten Freund. Der saß mit seinem Sohn nach dem 7. Oktober 2023 im Gaza-Streifen fest, wo sie Angehörige besucht hatten. Es dauerte Monate, bis Abu Saif über Ägypten nach Jordanien und von dort zurück nach Ramallah reisen konnte. Er schrieb über die Zeit das Buch „Schau nicht nach links: Tagebuch eines Völkermords“.

Dass Auszüge aus dem Buch in renommierten US-Zeitungen, wie der New York Times und Washington Post erschienen, könnte darauf zurückzuführen sein, dass Abu Saif einmal Kulturminister in der palästinensischen Autonomiebehörde war. Doch das änderte nichts. Die Welt schaute weg und der Schriftsteller sagt zu Chris Hedges: „Ich lebe immer noch in Gaza“. Sein Sohn sehe immer noch Leichen, sagt er. Er selber schlafe auf einer Matratze auf dem Boden, wie in dem Zelt in Gaza, wo er und sein Sohn lebten. Nachts liege er wach und denke „an diejenigen, die wir zurückgelassen haben und die auf den plötzlichen Tod warten.“ 

Schreiben und Fotografieren in Kriegszeiten seien „Akte des Widerstandes“, so Hedges über seinen Freund Abu Saif. Sie dokumentierten nicht nur Fakten, sondern auch „die Struktur und Heiligkeit der verlorenen Leben und Gemeinschaften, und die Trauer um sie. Sie zeigen der Welt, „wie sich Krieg anfühlt“, und deshalb würden Schriftsteller, Fotografen und Journalisten von den Aggressoren im Krieg – auch von den Israelis – gezielt ausgelöscht. „Sie sind Zeugen des Bösen“, so Hedges. Er gibt in dem Buch zahlreichen dieser Zeugen eine Stimme.

Der Dichter Rifaat Alareer, Professor an der Islamischen Universität Gaza, hatte einen Monat vor seinem gewaltsamen Tod ein Gedicht für seinen Sohn geschrieben hatte. Unter dem Titel „If I must die“ (Wenn ich sterben muß) wurde das Gedicht weltweit bekannt und wie zu seinem Vermächtnis. Alareer wurde am 8. Dezember 2023 bei einem israelischen Luftangriff getötet. Das Gedicht wurde in 80 Sprachen übersetzt und weltweit bekannt – und doch scheint es niemand in Israel oder in den Regierungspalästen derjenigen, die Israel weiter bewaffnen, gelesen oder gar verstanden zu haben. Auch nicht in Deutschland, einst „Land der Denker und Dichter“. 

Der Leser begleitet Hedges bei seiner Fahrt und seinen Beobachtungen durch das besetzte, von Armee und Siedlern drangsalierte Weltjordanland. Und vielleicht verwundert, wie auch der Autor, mag der Leser schließlich feststellen, dass die Palästinenser trotz allem Rassismus, aller Zerstörungswut, aller Gewalt, die ihnen täglich entgegenschlägt, standhalten: „Sie weigern sich, sich zu unterwerfen“, schreibt Hedges. „Sie leisten Widerstand trotz der Übermacht und schöpfen aus einem bodenlosen Brunnen der Verzweiflung noch die kleinsten Funken Hoffnung. Es gibt ein Wort dafür: heldenhaft.“ 

In dem Text über den „angekündigten Völkermord“ geht Hedges weit in die Geschichte zurück und erklärt, alles, was Israel in dem Völkermord in Gaza getan habe, sei angekündigt worden. Die Enteignung des palästinensischen Landes, die ethnische Säuberung, die sich zwischen 1948 und 1967 vollzog. Er schreibt über Dr. Abdel Aziz Al-Rantisi und Scheich Ahmed Ismail Hassan Yassin, die die Hamas gründeten. Al-Rantisi war ein angesehener, in Alexandria ausgebildeter Kinderarzt, Hedges war mit der Familie. Und so beschreibt er seinen Werdegang, der wenig mit dem „dämonisierten Bild der Hamas“ zu tun hat, das in den Medien heute verbreitet wird. Hedges beschreibt  die politischen Versuche der Palästinenser, sich zu einen und zu stärken und wie diese Mühen immer wieder von Angriffen der Israelis, Festnahmen, Verwüstungen zerstört werden. Die Hamas habe, anders als meist dargestellt, die Unterstützung einer Mehrheit der Palästinenser, nicht nur im Gaza-Streifen, so Hedges. Nicht nur im Gaza-Streifen gelte die Palästinensische Autonomiebehörde als Kollaborateur mit der israelischen Besatzungsmacht, weil sie es nicht geschafft habe, die Menschen vor Verhaftungen, der Zerstörung ihrer Häuser, dem Tod ihrer Angehörigen gegen Israel zu schützen. Dafür wird sie von der EU und anderen bezahlt, die die Autonomiebehörde so zu „Reformen“ drängt. Was so viel heißt: Kooperation mit Israel gegen die Hamas.

So werden viele zornige junge Palästinenser herangezogen, die nichts als Gewalt, Gefangennahme, Tod und Zerstörung von Israel kennengelernt haben. Die Jugendlichen hassten Israel, weil Israel sie hasse, so Hedges. „Jedes Schulkind, dem Böses angetan werde, tue wieder Böses.“ Zum besseren Verstehen erinnert Hedges an Chaim Engel, der am Aufstand im Nazi-Vernichtungslager Sobibor in Polen teilnahm. Er beschrieb, wie er im Lager einen deutschen Wachmann mit einem Messer angriff und tötete. Bei jedem Stich sagte er: „Das ist für meinen Vater, das ist für meine Mutter, das ist für alle diese Menschen, diese Juden, die Ihr getötet habt.“ Was Engel dem Wachmann angetan habe, sei nicht weniger grausam gewesen, „als das, was die Hamas und andere Widerstandskämpfer im Oktober 2023 den Israelis antaten“, so Hedges. „Nachdem sie aus ihrem eigenen Gefängnis geflohen waren.“ Ohne Zusammenhang herzustellen, ohne den Kontext zu kennen oder zu nennen, sei so ein Vorgehen „nicht zu verstehen“. Vor dem Hintergrund von 17 Jahren Gefängnis in Gaza ergäben sie Sinn. Man müsse den Kontext verstehen, um den Kreislauf von Gewalt zu durchbrechen, so Hedges. Niemand sei „gegen den Durst nach Rache immun“. 

Nach dem 7. Oktober 2023 reagierte Israel mit Rache. Die Tausenden von Toten auf palästinensischer Seite, mindestens 20.000 Kinder, die massive Zerstörung wird bei der nächsten palästinensischen Generation ebenfalls Rache hervorbringen. Dieses Mal allerdings betrifft der Krieg nicht nur Palästina, sondern Libanon, Syrien, Iran, Jemen – eine ganze Region wird sich eines Tages gegen Israel und seine Partner wenden. Schon heute wird Israel von den arabischen Staaten als das Land beschrieben, das die gesamte Region destabilisiere.

Motor hinter einem Jahrhundert palästinensischer und arabischer Wut sei der Zionismus, so Hedges. Palästinensische Waffen allerdings könnten – entgegen israelischer Propaganda vor allem nach dem 7. Oktober – nur wenig ausrichten. Die vielen Toten an diesem Tag gehen nicht nur auf das Konto der Palästinenser, wie Augenzeugen u.a. der israelischen Tageszeitung Haaretz berichteten. Hedges zitiert ein Mitglied des Sicherheitsteams des Kibbuz Be’eri, der zur Koordination eine Hotline zwischen den Bewohnern des Ortes und der Armee eingerichtet habe. Seitens der Armee seien „schwierige Entscheidungen“ getroffen worden, so der Sicherheitsmann namens Tuval Escapa. „Häuser mit ihren Bewohnern“ seien „beschossen“ worden, „um die Terroristen mit ihren Geiseln zu eliminieren“.

Die Lobby

Hedges beschreibt detailreich, wie die israelische Regierung über das Ministerium für strategische Angelegenheiten Einfluss auf die Öffentlichkeit in den USA nimmt. Er berichtet über eine verdeckte Recherche des katarischen Nachrichtensenders Al Jazeera mit dem Titel „Die Lobby – USA“, bei der ein Student, der sich als pro-israelisch ausgibt, mit versteckter Kamera Eindrücke sammelt, wie die israelische Regierung und der Geheimdienst Organisationen der Israel-Lobby in den USA benutzt, um Akademiker, Studierende, Journalisten oder Abgeordnete auszuspähen, die Aktivitäten in Solidarität mit den Palästinensern – beispielsweise die Boykott, Desinvestition, Sanktionen, die BDS–Kampagne – unterstützen. Besonders aktive Organisationen in den USA sind demnach AIPAC, StandWithUs und The Israel Project. Sie versuchen ausgespähte Personen öffentlich zu diffamieren, ihre Ehen, Beziehungen oder auch berufliche Karrieren zu zerstören. Abgeordnete im Kongress erhalten Einladungen in israelische Badeorte und Geldgeschenke, um pro-israelische Anträge im Kongress – beispielsweise für neue Waffenlieferungen – zu befördern. Auf Druck Israels wurde damals die Ausstrahlung der vierteiligen Serie von Al Jazeera gestoppt. Allerdings wurden vorab erhaltene Kopien von Electronic Intifadah, Orient XX1 (Frankreich) und von der libanesischen Zeitung Al Akhbar im Internet veröffentlicht. Es folgte eine ähnliche Al Jazeera-Recherche über die Lobby in Großbritannien. Ziel war auch hier, die BDS-Kampagne zu diffamieren und der Sturz des Labour Politikers Jeremy Corbyn. Die einzelnen Episoden und Serien können über die angegebenen Links in diesem Text angesehen werden.

Der Reportageband „Eine angekündigte Katastrophe“ ist keine leichte Kost. Nahezu jedes persönliche Schicksal, fast jedes der beschriebenen Ereignisse, die Aktivitäten der israelischen Regierung und insbesondere des Ministeriums für strategische Angelegenheiten können nachgeprüft und nachvollzogen werden. Für die Auslandspionage, die Einflußnahme auf Medien und Politik und Cyber-Aktivitäten zugunsten Israels ist das israelische Ministerium für strategische Angelegenheiten zuständig, das mit israelischen Geheimdiensten und israelischen Botschaften in den betroffenen Ländern kooperiert.  Aktivisten, die in diesem Sinne tätig werden, werden meist auch finanziert. Dieses Engagement lief nach dem 7. Oktober 2023 zur Höchstform auf, israelische Fahnen wurden selbst auf den Marktplätzen und vor Rathäusern deutscher Städte gehisst. Die israelische Armee vernichtete derweil die Menschen in Gaza und ihre Lebensgrundlagen.

Das Buch von Chris Hedges bezieht sich in vielem auch auf die Ereignisse in den USA: die Verfolgung von Studierenden und Lehrpersonal, die Kriminalisierung der Solidaritätsbewegung, die Verbote von Protestcamps auf dem Campus der Columbia Universität New York, wo Hedges sich mit Aktivisten traf und immer wieder mit ihnen sprach. Er durchleuchtet die Vorgänge im Kongress, in Medien, die sich mehrheitlich dem Druck aus Israel beugten. Die USA sind der größte Waffenlieferant an Israel, Protest und Widerstand gegen die Unterstützung des Völkermordes in Gaza waren dort besonders stark.

Deutschland allerdings steht nicht weit hinter den USA zurück und reagiert – wie die USA – mit massiver Kriminalisierung. Die Bundesregierung rückt immer enger an Israel und auch an die rechte Netanyahu-Regierung heran und hat während des Völkermordes in Gaza – bis auf eine kurze Frist – weiter Waffen und Aufklärung geliefert. Deutsche Minister reisen häufig nach Israel und vereinbaren kulturelle und bildungspolitische Zusammenarbeit. Sie kaufen israelische „Verteidigungstechnologie“, die in Gaza und im Westjordanland getestet und offenbar für gut befunden wurde. Sie vereinbaren gemeinsame Trainingsprogramme im militärischen und polizeilichen Bereich, israelische Drohnen-, Rüstungs- und Überwachungstechnologie bekommt ein festes Zuhause in Deutschland und soll in ausgemusterten Werken der deutschen Automobilindustrie (VW) angesiedelt werden.

Gerade darum auch ist das Buch von Chris Hedges so wichtig. Deutschland macht sich mitschuldig an dem, was in Palästina geschieht. Die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese, die von Hedges auch jenseits seines Buches zitiert und interviewt wird, hat aufgrund ihrer Recherchen wiederholt auf die Verantwortung der Bundesregierung, von Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstitutionen hingewiesen, die eng mit der israelischen Armee kooperieren. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

Acht Reportagen – Als Pflichtlektüre empfohlen

Als Hedges den „Brief an die Kinder in Gaza“ verfasste, stand der Gaza-Streifen in Flammen. Ganze Familien wurden ausgelöscht, ihre Familienhäuser wurden über den Köpfen der Menschen zerbombt. Die israelische Armee verteidigte sich nicht, sie nahm Rache. „Wir haben Euch im Stich gelassen“, heißt es am Ende des Briefes an die Kinder in Gaza, den Chris Hedges am 9. November 2023 schrieb. Dieser Brief ist der abschließende Text in dem Buch. Die internationalen Reporter trügen eine „schreckliche Schuld“, so Hedges. „Wir werden an der Grenze stehen und protestieren. Wir werden schreiben und filmen. Das ist es, was wir tun.“ Man werde die Geschichte der Palästinenser erneut erzählen, das sei nicht viel aber immerhin etwas, so Hedges. „Vielleicht reicht das, um Euch um Vergebung bitten zu dürfen.“

Auch in Deutschland lässt man die Menschen in Palästina im Stich. Diese „schreckliche Schuld“, von der Hedges schreibt, scheint vielen nicht einmal bewusst zu sein. Tatsache ist, dass auch in Deutschland und vielen europäischen Ländern die „eigenen“ Regierungen die israelischen Kriegsverbrechen mit Geld, mit Waffen, politisch und medial nicht nur unterstützen, sondern damit auch rechtfertigen. Hilfspakete zu schicken reicht nicht.

In der Präambel der UN-Charta – unterzeichnet am 24. Oktober 1945 – heißt es, „die Völker der Vereinten Nationen“ seien „fest entschlossen (…) unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen“. 

Wenn die Regierungen, die die Macht für sich beanspruchen, sich nicht an diese Präambel halten, muss die Bevölkerung ihnen „die Wahrheit sagen“. Chris Hedges liefert mit seinem Buch eine wichtige Grundlage dafür. Deses Buch muss gelesen werden. Allein, in Gruppen, an Universitäten, in Ministerien. Um etwas über Palästina und darüber zu lernen, wie und warum es besetzt und zerstört wird. Warum und von wem seine Menschen verachtet, vertrieben, getötet werden. Die acht Reportagen von Chris Hedges klären auf und seien hiermit als Pflichtlektüre empfohlen.

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