Vom 4. bis 11. Februar 1945 fand im Liwadija-Palast in Jalta auf der Krim die Konferenz statt, an der die Führer der USA (Franklin D. Roosevelt), Großbritanniens (Winston Churchill) und des Gastgebers Sowjetunion (Josef Stalin) über das Nachkriegseuropa verhandelten. – Heute kann der Liwadija-Palast von Interessierten besucht werden, wo auch die damalige Konferenz gleichsam als Museum nachgestellt ist. Vom Doppelspiel Churchills ist dort allerdings nichts zu sehen. (Foto Christian Müller)

Halbrichtige Narrative und Misstrauen: zwei Schritte in den Abgrund

Nach den beiden Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und am 9. August 1945 kapitulierte Japan bedingungslos, womit der Zweite Weltkrieg auch in Ostasien zu Ende ging. Das ist das gängige Narrativ im Westen. Und mancher Kommentator ergänzt dann gerne noch, dass Stalin mit seiner Offensive in der Mandschurei im August 1945 vom Schwächemoment Japans profitiert habe, um noch schnell ausgedehnte weitere Gebiete zu erobern und die Position der Sowjets in Ostasien massiv auszubauen. Ein Blick in die Quellen zeichnet ein anderes Bild. 

Aber stimmt das? Weniger bekannt ist einer breiteren Öffentlichkeit heute, dass die Regierung von Ministerpräsident Kantarō Suzuki auf den Atombombenabwurf auf Hiroshima am 6. August überhaupt nicht reagierte und dass selbst nach der Zerstörung von Nagasaki am 9. August lediglich ein Teil der japanischen Regierung zu Gesprächen über einen Waffenstillstand bereit war. Vor allem die Militärs wollten buchstäblich bis zum letzten Japaner weiterkämpfen. Um eine Kapitulation zu verhindern, versuchte eine Gruppe japanischer Offiziere am 14. und 15. August gar einen Putsch, der aber von loyalen Truppen niedergeschlagen wurde (1). Währenddessen beharrten die Alliierten auf einer vollständigen und bedingungslosen Kapitulation. Es bedurfte einer historischen Radioansprache von Kaiser Hirohito am 15. August, um den Japanern, namentlich den Militärs klarzumachen, dass der Krieg nun zu Ende gehen müsse (2). Offiziell endete der Zweite Weltkrieg in Asien am 2. September 1945 mit der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde auf dem Schlachtschiff USS „Missouri in der Bucht von Tokyo“ (3).

Ein lange vorbereiteter Kriegseintritt

Auch die Ansicht, dass der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begonnen habe, ist eine spezifisch westliche. Für die Sowjets begann der Krieg bereits im Frühsommer 1939, als sich Scharmützel an der Grenze zwischen der verbündeten Mongolei und dem japanischen Marionettenstaat Mandschukuo zu eigentlichen Schlachten entwickelten. Und für die Chinesen begann der Zweite Weltkrieg bereits 1937 mit der japanischen Aggression.

Nach der verheerenden Niederlage der japanischen Kwantung-Armee gegen die Rote Armee am Khalkin Gol im Sommer 1939 nahmen die Japaner für den Rest des Zweiten Weltkriegs Abstand von weiteren Eroberungsplänen in der Mongolei und dem sowjetischen Fernen Osten. Sie hatten ihre Lektion gelernt. Auf den Waffenstillstand vom 16. September 1939 folgte am 13. April 1941 ein Neutralitätspakt zwischen Japan und der Sowjetunion (4). Die neu gewonnene Handlungsfreiheit nutzten die Japaner im Dezember 1941 für den Überfall auf die US-Flottenbasis in Pearl Harbor. Dass die Japaner parallel dazu in die Länder Südostasiens einmarschierten, geht heute auch oftmals vergessen.  

Das Jahr 1943 brachte für Briten und Sowjets eine massive Entspannung ihrer Lage: Nach den katastrophalen Verlusten der deutschen U-Boot-Flotte im „schwarzen Mai“ 1943 sah sich deren Oberbefehlshaber Admiral Karl Dönitz dazu gezwungen, den Krieg gegen die für Großbritannien lebenswichtige Handelsschifffahrt im Nordatlantik abzubrechen. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz sicherten sich die Sowjets mit ihrer erfolgreichen Verteidigungsoperation im Kursker Frontbogen die Initiative im Krieg gegen Deutschland und dessen europäische Verbündete. Beide Mächte begannen nun, auch an den Krieg gegen Japan zu denken.

Auf der ersten Konferenz von Kairo vom 22. bis 26. November 1943, auch unter dem Decknamen Sextant bekannt, einigten sich US-Präsident Franklin D. Roosevelt, der britische Premierminister Winston Churchill, und der nationalchinesische Präsident Chiang Kai-shek auf ihre Forderungen an die Adresse Japans. Diese umfassten die bedingungslose Kapitulation, die Rückgabe der besetzten Gebiete, namentlich der Mandschurei und Taiwans, sowie die Unabhängigkeit Koreas. Die drei Staats- und Regierungschefs kamen weiter überein, dass Japan auch alle pazifischen Inseln abtreten müsse, die es nach 1914 besetzt hatte (5). 

Eine weitere Verbesserung der Kriegslage trat im September 1944 ein, nachdem kurz nacheinander Finnland, Rumänien und Bulgarien aus dem Krieg ausgeschieden waren und zum Teil sogar die Seiten gewechselt hatten. Das war der Hintergrund, vor welchem sich zu Beginn des Monats Oktober die Konsultationen zwischen den Verbündeten intensivierten. Stalin sicherte Churchill auf der vierten Moskauer Konferenz (Codename Tolstoi) vom 9. bis 19. Oktober 1944 zu, dass die Sowjetunion nach der Niederlage Deutschlands in den Krieg im Pazifik eintreten werde. US-Botschafter Averell Harriman und sein Militärberater Generalmajor John Deane nahmen aktiv an dieser Konferenz teil.

Die USA im Krieg

Nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour übernahmen die Amerikaner innerhalb der westlichen Koalition die Führung auf dem ostasiatisch-pazifischen Kriegsschauplatz. Vorerst weitgehend auf sich selbst gestellt, vertrieben sie die japanische Marine aus weiten Teilen des Pazifiks und aus den Gewässern Ostasiens. Im „Froschhüpfen“ nahmen sie Insel um Insel ein und arbeiteten sich immer näher an die japanischen Hauptinseln heran. Mit Iwo Jima und Okinawa eroberten sie im Frühjahr 1945 erstmals japanisch bewohnte Inseln – allerdings mit horrenden Verlusten. Die Kämpfe auf Okinawa zogen sich vom 1. April bis zum 30. Juni 1945 hin und forderten von den Amerikanern um die 12’500 Gefallene. Nach dem Ende der Kämpfe auf Okinawa stand die Frage an, wie man in Bezug auf das japanische Mutterland vorgehen wolle.

Im Zentrum der US-amerikanischen Überlegungen stand ein intensivierter Luft- und Seekrieg gegen Japan, in welchem Luftangriffe und Beschuss von See her die Japaner zum Aufgeben zwingen sollten, indem alles, was die Nation zur Kriegführung brauchte, zerstört werden sollte. Allein, es fehlte den Amerikanern an Basen. Das frisch eroberte Okinawa lag an der Grenze der Reichweite ihrer Bomber. Trägergestützte Flugzeuge aber hatten zu wenig Tragfähigkeit, um wirklich großen Schaden anzurichten. 

Karte: Ostasien im August 1945 / Quelle: United States Army (6), Bearbeitung Verfasser

Die Amerikaner hätten Basen im sowjetischen Fernen Osten, auf der koreanischen Halbinsel, auf Sachalin oder den Kurilen benötigt, um mit voller Bombenlast nach Japan fliegen und dort relevante Ziele angreifen zu können.

Eine Handlungsoption des neuen US-Präsidenten Harry Truman, der am 12. April 1945 das Amt des verstorbenen Franklin D. Roosevelt übernommen hatte, bestand darin, den Krieg mit Atombomben aus weit entfernten Luftwaffen-Basen zu beenden. Über den in Gang befindlichen Bau der Atombombe wusste er vor seinem Amtsantritt nichts (7).

US-Planungen: Invasion in Japan … 

Ab Sommer 1944 prüften die Amerikaner mögliche Gebiete, die als Ausgangspunkt für eine Luftoffensive gegen das industrielle Herz Japans dienen könnten, in erster Linie Tokyo und die Kanto-Ebene. Eines der Gebiete, das kurzzeitig als „Sprungbrett“ und Zwischenstation auf dem Weg nach Tokyo in Betracht gezogen wurde, war die nördlichste japanische Hauptinsel Hokkaidō. Allerdings erkannten die Amerikaner bald, dass die abgelegene Lage und die harschen Klimabedingungen auf der gebirgigen Insel die Eroberung und den Betrieb von Fliegerbasen für einen Bombenkrieg äußerst schwierig gestalten würden. Eine Landungsoperation auf der südlichsten der vier japanischen Hauptinseln, Kyūshū, erschien im Vergleich dazu die bessere Option, da eine solche sowohl mit den Absichten von Admiral Nimitz im Zentralpazifik als auch mit jenen von General MacArthur in Bezug auf die Philippinen übereinstimmte.

Der US-Generalstabschef General George C. Marshall lehnte es in dieser Kriegsphase ab, im Pazifik eine Abnutzungsstrategie zu verfolgen und die Operationen bis zum Kriegseintritt der Sowjetunion zu verlangsamen. Er befürchtete, dies würde das Misstrauen der Sowjets erwecken, es gehe den Amerikanern darum, die Sowjetunion in den Krieg zu verwickeln, damit diese die Kastanien aus dem Feuer hole und dabei die größten Verluste einstecke. Ursprünglich war eine US-Invasion in Japan für 1947 oder 1948 geplant, doch dieser Termin wurde auf Herbst 1945 vorgezogen. Solange aber in der Mandschurei noch eine intakte Armee stand, die einzige Japans, die von Kämpfen verschont geblieben war, war an eine Invasion auf den japanischen Hauptinseln nicht zu denken (8). Marshall strebte deshalb einen Doppelschlag an: eine sowjetische Invasion in der Mandschurei im Sommer 1945, gefolgt von einer Landung auf den japanischen Hauptinseln im Herbst desselben Jahres (9).

… und Unterstützung für die Sowjets

Schon im Vorfeld der Tolstoi-Konferenz im Oktober 1944 begannen amerikanisch-sowjetische Gespräche über eine umfassende militärische und logistische Unterstützung der Sowjetunion durch die USA. Das Angebot der Amerikaner an die Sowjets umfasste unter anderem den Aufbau einer strategischen Bomberflotte (10): Die USA stellten unter anderem die Lieferung von 300 schweren Bombern – konkret war von Bombern des Typs B-24 „Liberator“ die Rede – und 450 Langstreckenjägern in Aussicht (11). In logistischer und infrastruktureller Hinsicht waren die USA bereit, die Sowjets beim Aufbau von Vorräten für eine Kriegsdauer von zwei bis drei Monaten zu unterstützen, insbesondere mit Treibstoff für die Luftwaffe und für Landtransporte (12). Das war notwendig, weil die Kapazitäten der Transsibirischen Eisenbahn beschränkt waren und primär Truppentransporten zur Verfügung stehen mussten. Die USA prüften auch die Öffnung von Seewegen zu Häfen am Ochotskischen Meer und am Amur, gaben jedoch zu bedenken, dass dies auf Kosten ihrer Operationen im Südpazifik gehen könnte (13). Die Amerikaner planten auch den Ausbau von Hafenanlagen und Verkehrsinfrastruktur im sowjetischen Fernen Osten, besonders in Petropawlowsk und Magadan, sowie die Lieferung von Schienen und Eisenbahnausrüstung.

Die Sowjetunion sollte nach dem Willen der US-Stabschefs an einem umfassenden strategischen Bomberkrieg und an einer Seeblockade Japans mitwirken. Auch die gemeinsame Nutzung von Luftwaffenstützpunkten in Ostsibirien und auf der Kamtschatka-Halbinsel stand auf dem Programm. Der Luftkrieg sollte aber auch vom chinesischen Festland im Raum Shanghai aus geführt werden (14). 

Da die Sowjetunion kaum über Kapazitäten für See-Anlandungen verfügte, unterstützten die USA im geheimen „Project Hula“ auch die sowjetische Seekriegsflotte: In Alaska wurden im Verlauf des Jahres 1945 circa 12’000 sowjetische Seeleute an fast 150 US-Schiffen ausgebildet, welche die USA an die Sowjets abzugeben bereit waren. Darunter befanden sich vor allem Fregatten, Minensucher und U-Jagd-Schiffe zum Schutz von Konvois, sowie Landungsboote (15).

Die Kapitulation Japans im Visier

Vor der Konferenz der „Großen Drei“ in Jalta auf der Krim trafen sich Roosevelt und Churchill vom 30. Januar bis 2. Februar 1945 auf Malta, um sich im Hinblick auf die Gespräche mit Stalin untereinander abzustimmen. In Jalta verpflichtete sich dieser gegenüber seinen westlichen Verbündeten definitiv, drei Monate nach der deutschen Kapitulation in den Krieg gegen Japan einzutreten. Im Gegenzug dafür machten Amerikaner und Briten den Sowjets territoriale Zugeständnisse, indem sie in die Rückeroberung der Kurilen und von Süd-Sachalin einwilligten, welche die russischen Zaren 1905 hatten abtreten müssen.  Die Alliierten hielten an ihrer Forderung nach einer Kapitulation der Japaner innerhalb von 18 Monaten nach jener Deutschlands fest, dem Zeitpunkt, auf den sie sich schon auf der „Octagon“ Konferenz in Quebec im September 1944 geeinigt hatten (16). Nach diesem Zeitplan hatte die Sowjetunion 15 Monate des gemeinsamen Kriegs gegen Japan mitzumachen. Die logistischen Vorbereitungen der Westalliierten waren auf den Beginn alliierter Operationen im Herbst 1945 ausgelegt (17). Von einem raschen Raubzug Stalins an ostasiatischen Territorien kann somit keine Rede sein. 

Die Uhr beginnt auch für Japan zu ticken

Mit der bedingungslosen Kapitulation des nationalsozialistischen Deutschlands in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 begann die Uhr auch für Japan zu ticken. Auf der Potsdamer Konferenz, die vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof stattfand, zankten sich die Alliierten um die Neuordnung Deutschlands, das weitere Vorgehen im Iran, die Zukunft Polens und Südosteuropas, sowie die Entwaffnung der Japaner in Indochina. In den Verhandlungen gelang es den Beteiligten nur mühsam, ihre tiefen Gegensätze zu überwinden. In Bezug auf Japan war man sich aber einig: Die Potsdamer Erklärung vom 26. Juli 1945 forderte die bedingungslose Kapitulation Japans, andernfalls drohe sofortige und vollständige Vernichtung. Die Hauptbedingungen der Potsdamer Erklärung umfassten neben der bedingungslosen Kapitulation und der Entwaffnung des japanischen Militärs auch bedeutende territoriale Beschränkungen: 

„… Japanese sovereignty shall be limited to the islands of Honshū, Hokkaidō, Kyūshū, Shikoku and such minor islands as we determine.“ (18)

In innenpolitischer Hinsicht enthielt die Potsdamer Erklärung die definitive Beseitigung des Einflusses der militaristischen Führung in Japan, die Bestrafung von Kriegsverbrechern, die Demokratisierung und die Besetzung des Landes durch die Alliierten. Japan wurde die Beibehaltung der Industrie zugestanden mit Ausnahme jener Betriebe, welche eine Wiederaufrüstung ermöglichten.

Die Tatsache, dass die Sowjetunion als (noch) nicht im Krieg stehende Nation nicht zu den Unterzeichnern der Potsdamer Erklärung gehört hatte, weckte in Tokyo Hoffnung auf eine Vermittlung durch die Sowjetunion. Das sollte sich als trügerisch erweisen.

Invasion oder Atombombe?

Noch vor der Potsdamer Konferenz, am 25. Mai 1945 hatten die US-amerikanischen Joint Chiefs of Staff (JCS) den Zeitpunkt für die Operation „Downfall“, die Invasion in Japan festgelegt. Die zweistufige Invasion sollte am 1. November 1945 mit der Operation „Olympic“, der Landung auf Kyūshū beginnen. Operation „Coronet“, die anschließende Invasion auf der Hauptinsel Honshū in der Nähe von Tokyo war für den 1. März 1946 geplant (19).

In Potsdam erfuhr Truman vom erfolgreichen Test der ersten Atombombe auf dem Testgelände in New Mexico, den er Stalin und dem neuen britischen Premierminister Clement Attlee auch gleich bekanntgab. An den Absichten in Bezug auf Japan änderte sich aber trotzdem nichts, insbesondere nicht an der Planung der Invasion. Truman ließ sich eben alle Optionen offen und Stalin, der schon zuvor vom US-amerikanischen Atombombenprojekt gewusst hatte, hielt an der Invasion in der Mandschurei fest (20). 

Im Lichte der Beratungen in Potsdam wirkt das Narrativ, Stalin habe wider alle alliierten Beschlüsse die Eroberung von Hokkaidō geplant, wenig glaubwürdig, auch wenn das heute gerne wieder kolportiert wird (21).

Sowjetische Invasion auf Hokkaidō?

Eine Invasion auf Hokkaidō war im sowjetischen Generalstab bis in den Sommer 1945 nicht geplant. Möglicherweise dachte Stalin an eine Aufteilung Japans in Besatzungszonen, ähnlich wie in Deutschland, und hätte gerne die Frage einer sowjetischen Besatzungszone im Nordteil des Landes und einem sowjetischen Besatzungssektor in Tokyo aufgebracht. In den Konsultationen mit Trumans Sonderberater Harry Hopkins vom 26. Mai bis 8. Juni 1945 war von solchem noch nicht die Rede gewesen (22).

Am 26. und 27. Juni, drei Wochen vor der Potsdamer Konferenz, berief Stalin eine gemeinsame Sitzung der Mitglieder des Politbüros und des Staatlichen Verteidigungskomitees GKO mit hochrangigen Militärs ein, darunter die Marschälle Schukow, Wassilewski und Merezkow, um über die geplante Offensive in der Mandschurei, Südsachalin und den Kurilen zu entscheiden (23). Die Besetzung des Nordens von Korea wurde bei dieser Gelegenheit als unerlässlich bezeichnet, weil man den japanischen Streitkräften den Rückzug auf die koreanische Halbinsel abschneiden müsse. Die Meinungen über Sinn und Zweck einer Landung auf Hokkaidō gingen jedoch auseinander: Marschall Merezkow befürwortete eine solche, Schukow hingegen warnte und veranschlagte den Bedarf an Heereskräften für eine Eroberung von Hokkaidō als so hoch, dass die Durchführung der geplanten Offensive in der Mandschurei in Frage gestellt wäre. Der Stellvertretende Regierungschef und Außenminister Wjatscheslaw Molotow seinerseits machte deutlich, dass die USA und Großbritannien dies als eklatanten Verstoß gegen das Abkommen der Konferenz von Jalta ansehen würden. Stalin ließ sich überzeugen: Am 28. Juni 1945 genehmigte er die bestehenden Pläne für die Offensiv-Operationen in der Mandschurei, auf dem südlichen Teil von Sachalin und auf den Kurilen (24). Eine Invasion auf Hokkaidō war vom Tisch.

Erst am 15. August, dem Tag der japanischen Kapitulation, forderte Stalin gegenüber Truman die Errichtung einer sowjetischen Besatzungszone auf Hokkaidō nördlich der Demarkationslinie zwischen Kushiro und Rumoi und instruierte am 17. August den sowjetischen Militärvertreter im Hauptquartier der Alliierten, Generalmajor Kusma Derewjanko, entsprechend. Erst jetzt ließ er Pläne zu einer Besetzung von Hokkaidō ausarbeiten (25).

Stalin ohne militärische Handhabe

Die entscheidende Frage bei einer Besetzung von Hokkaidō war jene nach dem zu erwartenden Widerstand der Japaner. Natürlich musste auch den japanischen Militärs klar gewesen sein, dass nach der Kapitulationserklärung des Kaisers irgendwann alliierte Truppen überall in Japan auftauchen würden, um die Entwaffnung der Armee zu überwachen. Trotzdem war aber nicht auszuschließen, dass eine sowjetische Landung auf Hokkaidō selbst nach einer offiziellen Kapitulation Tokyos auf japanischen Widerstand stoßen könnte, so wie in der Mandschurei, wo der Krieg noch bis zum 18. August andauerte.

Die hastig erstellten Pläne der Sowjets für eine Landung auf Hokkaidō litten aber unter massiven Mängeln: Für die Landungsoperation standen von den 30 Landungsschiffen, welche die sowjetische Marine im Rahmen des „Hula-Projekts“ erhalten hatten, gerade mal sechs zur Verfügung, die in einer ersten Welle ein verstärktes Marine-Infanterie-Bataillon hätte anlanden können, allerdings ohne Panzer und schwere Artillerie. Danach hätten diese sechs Schiffe wohl im günstigsten Fall zwei Tage gebraucht, um Verstärkungen aus dem 350 km entfernten Hafen von Kholmsk auf Sachalin heranzuführen (26). Bei rauem Seegang hätten sie ihre Geschwindigkeit reduzieren müssen, was die Fahrzeiten weiter erhöht hätte. Bei der Landung im Hafen Rumoi wären das sowjetische Bataillon auf etwa gleich starke japanische Verteidiger gestoßen, was alleine schon am Erfolg des Vorhabens zweifeln ließ. In der Folge hätte die auf Hokkaidō stehende japanische Fünfte Feldarmee innerhalb eines Tages mit Teilen von zwei Infanterie-Divisionen im Raum Rumoi eingreifen können, ohne dass die sowjetische Luftflotte sie davon hätte abhalten können (27). Ohne die absolute Gewissheit, dass die Japaner auf Widerstand verzichten würden, war eine Landungsoperation auf Hokkaidō somit kaum als erfolgversprechend zu betrachten.

Karte: Kurilen und Hokkaidō / Quelle: Karniol (28), Bearbeitung Verfasser

Vor dem Hintergrund der durchschlagenden und unerwartet schnellen Erfolge in der Mandschurei, auf den Kurilen und auf Sachalin mag in Moskau zeitweise der Eindruck entstanden sein, man könne nach der Kapitulation der Japaner eine Besatzungszone auf Hokkaidō und in Japan installieren, aber die mangelnde militärische Umsetzbarkeit bewog die Sowjets richtigerweise, davon Abstand zu nehmen. 

Churchills doppeltes Spiel

Während die Rote Armee eine von den Westalliierten gewünschte Invasion in der Mandschurei vorbereitete und hierfür massenhaft Truppen aus Europa abzog, plante Winston Churchill einen Angriff auf eben jene Rote Armee in Deutschland (29). In seinem Auftrag beurteilte sein persönlicher Stab unter dem Decknamen „Unthinkable“ die Erfolgsaussichten eines Kriegs gegen die Sowjetunion. Dabei gingen die Briten von der Planungsannahme aus, dass neben den britischen auch die US-amerikanischen und polnischen Streitkräfte sowie zehn wiederbewaffnete deutsche Divisionen an einer Großoffensive gegen die Rote Armee teilnehmen würden, welche am 1. Juli 1945 beginnen sollte. Am 22. Mai bekam Churchill von seinem Stabschef, Generalleutnant Sir Hastings Ismay, eine Antwort: Dieser war zum Schluss gekommen, dass die Eröffnung von Kampfhandlungen durch die Westalliierten gegen die Sowjetunion in einen totalen Krieg münden werde, der räumlich kaum zu begrenzen sei und dessen Erfolgsaussichten kaum zu beurteilen seien:

„Even if all goes according to plan, we shall not have achieved, from the military point of view, a lasting result. The military power of Russia will not be broken and it will be open to her to recommence the conflict at any time she sees fit.“ (30)

Daraufhin ließ Churchill den Bericht „Unthinkable“ an das Komitee der Stabschefs weiterleiten. General Sir Alan Brooke, Chef des Imperial General Staff, Admiral Sir David Cunningham, der Erste Seelord, und Air Chief Marshal Sir Charles Portal, der Chef des Luftwaffenstabs wiesen am 8. Juni 1945 die Idee eines Kriegs gegen die Sowjetunion zurück: 

„Our view is, therefore, that once hostilities began, it would be beyond our power to win a quick but limited success and we should be committed to a protracted war against heavy odds.“ (31)

„Unthinkable“ war nicht die erste vermeintlich gute Idee, die General Brooke seinem Chef Winston Churchill im Verlauf des Kriegs ausreden musste: Seine Memoiren sind voll davon. Großbritannien solle eher an seine Verteidigung denken, war dann auch die Antwort der höchsten Militärs des Empire. Möglicherweise waren sie aber ganz froh, dass die Rote Armee, damals die stärkste Landstreitmacht der Erde, ihre besten Divisionen und ihre erfahrensten Befehlshaber in den Fernen Osten entsandte. Die Niederlage Churchills bei den Unterhauswahlen am 26. Juli 1945 besiegelte dann wohl die Idee eines Angriffs auf die Rote Armee in Deutschland definitiv.

Ein rasches Ende nach drei Schlägen

Im August 1945 setzten die Alliierten ihre in mehreren Konferenzen gefassten Entschlüsse um: Dem Atombombeneinsatz gegen Hiroshima am 6. August ließen die Amerikaner am 9. August einen weiteren gegen Nagasaki folgen. In den ersten Stunden desselben Tags fiel die Rote Armee in der Mandschurei ein und überrannte ein Gebiet von der Größe Westeuropas innerhalb von 10 Tagen. Die eine Million Soldaten umfassende Kwantung-Armee Japans kam in diesen 10 Tagen nie in die Lage, eine zusammenhängende und koordinierte Verteidigung aufzubauen, immer wieder wurde sie von den Sowjets überrascht. Mit der sowjetischen Invasion in der Mandschurei verflogen alle noch verbleibenden Hoffnungen der Japaner, die Sowjets zu einer Vermittlerrolle im Krieg gegen die Westalliierten bewegen zu können. Der sowjetische Angriff traf eine der wirtschaftlich am weitesten entwickelten und reichsten Provinzen, die Japan noch nutzen konnte und die vom Krieg noch nicht beeinträchtigt war. Am 14. August kam die Führung Japans zur Erkenntnis, dass man kapitulieren müsse. 

In der Mandschurei kämpften die japanischen Truppen der Kwantung-Armee dennoch bis zum 19. August weiter. Erst am 18. August wurde denen per Funk der Befehl des Oberbefehlshabers, General Yamada übermittelt, den Widerstand zu beenden. Am Morgen des 19. August landete ein sowjetisches Flugzeug mit einer Sondermission auf dem Militärflugplatz Changchun. Nach kurzen Verhandlungen unterzeichnete General Yamada die Kapitulation, welche durch ihn und den Premierminister von Mandschukuo, Zhang Jinghui, im Radio bekanntgegeben wurde. Gleichentags wurde in Mukden (heute Shenyang) Puyi, der abgedankte Kaiser von Mandschukuo auf der Flucht von sowjetischen Luftlandetruppen gefangen genommen (32).

Trotz offizieller Kapitulation am 2. September dauerte es bis zum 9. September, bis auch die japanischen Streitkräfte in China die Waffen niederlegten. Die offizielle Kapitulation gegenüber den nationalchinesischen Streitkräften der Kuomintang erfolgte in der damaligen Hauptstadt des besetzten Chinas, Nanjing (Nanking), in eben derjenigen Stadt, in welchem eine entfesselte japanische Soldateska im Jahr 1937 das wohl furchtbarste Massaker des Krieges begangen hatte (33). 

Alte Narrative ausräumen!

Ob die Sowjets in Bezug auf Westeuropa ähnliche Projekte hatten, wie die Briten mit ihrer „Operation Unthinkable“, wird erst zu klären sein, wenn entsprechende Archivbestände zugänglich gemacht werden. Die Hinweise auf eine Invasion der Roten Armee bis an den Rhein und womöglich darüber hinaus sind derzeit eher dürftig. Dasselbe gilt für die Frage, ob die sowjetischen Nachrichtendienste von „Unthinkable“ wussten. Derzeit scheint es viel eher, dass das Misstrauen Churchills übertrieben war. Umgekehrt erwies sich Stalins Misstrauen, die Amerikaner könnten in einer ersten Phase die Rote Armee bluten lassen, um dann zu profitieren, wenn diese den Japanern hohe Verluste zugefügt haben würde, als unbegründet.  

Wer heute von einer Allianz gegen China und Russland schwadroniert und einen Atomkrieg in Kauf zu nehmen bereit ist, sollte sich nicht auf halbrichtige Narrative verlassen, auch wenn diese heute wieder fröhliche Urständ feiern. Im heutigen Kontext mag die Versuchung groß sein, das Verdienst für das Kriegsende in Japan allein auf die Atombombenabwürfe zu reduzieren und den Beitrag des ungeliebten Verbündeten Sowjetunion zu vernachlässigen. Der sowjetische Kriegseintritt und die Zerschlagung der Kwantung-Armee in der Mandschurei war ein entscheidender Faktor für den japanischen Entschluss zur Kapitulation. Das Narrativ, Stalin habe lediglich ein Schwächemoment Japans für einen „Raubzug“ an japanischen Gebieten genutzt, wird durch die Belege für eine langjährige alliierte Planung und für die massive logistische Unterstützung der USA für die Sowjetunion entkräftet. 

Die heutige politische Landkarte, wie die Teilung Koreas und die Zugehörigkeit der Kurilen-Inseln, die heute wieder Quelle von Disputen sind, findet ihre Wurzeln in den militärischen Notwendigkeiten des Jahres 1945. Es könnte gefährlich werden, heutige Bündnisstrategien gegen China oder Russland auf verzerrten historischen Darstellungen aufzubauen. Ein Rückfall in Denkmuster des Kalten Krieges oder das Ignorieren der damaligen – wenn auch zuweilen misstrauischen – Kooperation zwischen Amerikanern, Sowjets und Chinesen könne die Gefahr eines Atomkriegs erhöhen. 

Anmerkungen: 

  1. Der Putschversuch vom 14./15. August 1945 ist auch bekannt als Kyūjō-Vorfall. Er wurde bis zum Morgen des 15. August von loyalen Truppen niedergeschlagen. Siehe Ian Toll: An Attempted Coup Tried to Stop Japan’s Surrender in World War II. Here’s How It Failed, bei Time, 11.08.2020, online unter https://time.com/5877433/wwii-japanese-surrender-coup/. Ein Video dazu: „The Kyujo Incident; The Coup that Almost Kept Japan in WWII„, von WarFronts, Video auf YouTube, online unter https://www.youtube.com/watch?v=aUM2ccfQJMc
  2. Die Radioansprache ist auch bekannt als Gyokuon-hōsō („Juwelenstimmen-Ansprache“). Siehe Axel Weidemann: Wie ein Gott im Radio Mensch wurde, bei Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2024, online unter https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/100-jahre-radio-kapitulationsrede-von-japans-kaiser-hirohito-19662084.html. Eine englische Übersetzung der Rede: The Jewel Voice Broadcast, bei Atomic Heritage Foundation, online unter https://ahf.nuclearmuseum.org/ahf/key-documents/jewel-voice-broadcast/
  3. Beachte das Video der Kapitulationszeremonie: The Japanese Surrender aboard the USS Missouri in 1945 in color! [HD restored & AI colorized], bei Rick88888888, Video auf YouTube, 05.04.2020, online unter https://www.youtube.com/watch?v=mxUk0STBRIU
  4. Siehe Gerd Brenner:  Zweifrontenkrieg um Russlands Ressourcen, bei World Economy, 04.05.2020, online unter https://www.world-economy.eu/nachrichten/detail/zweifrontenkrieg-um-russlands-ressourcen/.  
  5. Die Ergebnisse der Konferenz wurden in der Kairoer Erklärung am 1. Dezember 1943 der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Der Wortlaut findet sich online bei der National DietLibrary online Ausstellung „Birth of the Constitution of Japan„, unter https://www.ndl.go.jp/constitution/e/shiryo/01/002_46/002_46tx.html. Vgl. Tilman Aretz: Moment der Wahrheit, bei T@iwan heute, 01.01.2014, online unter https://taiwanheute.nat.gov.tw/123/101474
  6. Atlas of the World Battle Fronts in Semimonthly Phases to August 15th 1945: Supplement to The Biennial report of the Chief of Staff of the United States Army July 1, 1943 to June 30 1945 To the Secretary of War“, S. 100, online unter https://cgsc.contentdm.oclc.org/digital/collection/p4013coll8/id/3173/
  7. Im Frühjahr 1945 wussten nur ganz wenige Leute aus dem innersten Kreis um Roosevelt Bescheid über das streng geheime Atombombenprojekt. Truman wurde erst am 25. April 1945 von Kriegsminister Henry Stimson eingeweiht. Siehe Andrew Glass: Truman briefed on supersecret atomic project, April 24, 1945, bei Politico, 24.04.2018, online unter https://www.politico.com/story/2018/04/24/truman-briefed-on-super-secret-atomic-project-april-24-1945-545340. Siehe auch „President Truman is briefed on Manhattan Project“, bei History, This Day in History, 28.05.2025, online unter https://www.history.com/this-day-in-history/april-25/truman-is-briefed-on-manhattan-project und „Harry Truman“ bei Atomic Heritage Foundation, online unter https://ahf.nuclearmuseum.org/ahf/profile/harry-truman/#:~:text=The%20Manhattan%20Project%20was%20kept,not%20to%20use%20the%20technology.. 
  8. Dessen war man sich auch in Washington wohl bewusst: Siehe „Report by the Joint Staff Planners, top secret, Washington, 18 January 1945, (special distribution), J. C. S. 1176/6„:  … the mission of Russian Far Eastern Forces should be to conduct an all-out offensive against Manchuria to force the commitment of Japanese forces and resources in North China and Manchuria that might otherwise be employed in the defense of Japan, to conduct intensive air operations against Japan proper and to interdict lines of communication between Japan and the mainland of Asia …“ (Hervorhebung durch Verfasser) bei United States Department of State, Office of the Historian, Shared Knowledge Services, Bureau of Administration, history@state.gov, Foreign Relations of the United States, Diplomatic Papers, Conferences at Malta and Yalta 1945, Pre-Conference Documents, Entry of the Soviet Union into the war against Japan, online unter https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1945Malta/d264
  9. Siehe Harry A Gailey: The War in the Pacific: From Pearl Harbor to Tokyo Bay, Novato CA 1997, eingeschränkte Vorschau unter https://archive.org/details/warinpacificfrom0000gail/page/n563/mode/2up. Vgl. Thomas McKelvey Cleaver: Tidal Wave: From Leyte Gulf to Tokyo Bay, Bloomsbury 2018, online verfügbar unter file:///C:/Users/USER/Downloads/tidal-wave-from-leyte-gulf-to-tokyo-bay-9781472825490-9781472825483-9781472825476-9781472825469-9781472825506_compress.pdf, S. 221, 228. 
  10. Das hatte der Kommandierende General der US-Militärmission, Generalmajor Deane, den Sowjets in der ersten Hälfte Oktober 1944 angeboten: Siehe „The Commanding General, United States Military Mission in the Soviet Union (Deane), to the Joint Chiefs of Staff, top secret, Moscow, 15 October 1944, NCR 4463. (To AGWAR for the Joint Chiefs of Staff for their eyes only Top Secret. From Deane.)“ bei United States Department of State, Office of the Historian, a.a.O., online unter https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1945Malta/d254
  11. Siehe „The Commanding General, United States Military Mission in the Soviet Union (Deane), to the Joint Chiefs of Staff, top secret, priority eyes only, Moscow, 17 October 1944, [Received 18 October—6:50 a. m.], bei United States Department of State, Office of the Historian, a.a.O., online unter https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1945Malta/d257
  12. Siehe „The Ambassador in the Soviet Union (Harriman) to the President, top secret, Moscow, 15 October 1944 [Received 16 October.], Personal and Top Secret for the eyes of the President only from Harriman.“ bei United States Department of State, Office of the Historian, a.a.O., online unter https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1945Malta/d255
  13. Siehe „The Joint Chiefs of Staff to the Commanding General, United States Military Mission in the Soviet Union (Deane), top secret, Washington, January 18, 1945„: „… any operations by U. S. to open sea routes to Sea of Okhotsk-Amur river ports will be costly and at the expense of our own efforts toward Japan from the south; that because of limitation of means amphibious operations in the North Pacific in 1945 are remote … “ (Hervorhebung durch Verfasser) bei United States Department of State, Office of the Historian, a.a.O., online unter https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1945Malta/d265
  14. Das ist in einer Mitteilung des US-Präsidenten Roosevelt an den britischen Premierminister Churchill vom 4. Oktober 1944 festgehalten. Siehe „President Roosevelt to Prime Minister Churchill: top secret, priority, Washington, 4 October 1944. Number 626, 4 October 1944, Top Secret and Personal from the President for the Prime Minister“, bei United States Department of State, Office of the Historian, a.a.O, online unter https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1945Malta/d249. Vgl. „Memorandum by the United States Chiefs of Staff, top secret, Washington, 22 January 1945, C. C. S. 417/11, Operations for the Defeat of Japan“ mit den genehmigten Kriegszielen im Krieg gegen Japan: „Until a firm date can be established when redeployment from Europe can begin, planning will be continued for an operation to seize a position in the Chusan-Ningpo area and for invasion of Kyūshū-Honshu in the winter of 1945–1946.“, (Hervorhebung durch Verfasser) bei United States Department of State, Office of the Historian, a.a.O., onlineunter https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1945Malta/d266. Gemeint sind die Zhoushan-Inseln östlich der Hangzhou-Bucht im Nordosten Zhejiangs und in der Nähe von Shanghai, sowie die Küstenstadt Ningbo der ostchinesischen Provinz Zhejiang. Von dort bis ins Innere der Insel Kyūshū beträgt die Entfernung ca. 900 km. 
  15. Siehe Richard Russell: A Mission of Higher Classification, auf der Homepage des U.S. Naval Institute, August 2005, Vol. 131/8/1,230, online unter https://www.usni.org/magazines/proceedings/2005/august/mission-higher-classification. Vgl. Sebastien Roblin: Project Hula: In 1945, the Navy Secretly Handed Over 150 Warships to Russia (To Invade Japan), bei The National Interest, 29.03.2019, online unter https://nationalinterest.org/blog/buzz/project-hula-1945-navy-secretly-handed-over-150-warships-russia-invade-japan-49642 und Boris Egorov: How the U.S. Secretly armed the Soviet Union for the war against Japan, bei Gateway to Russia, 14.04.2025, online unter https://www.gw2ru.com/history/233118-how-the-us-secretly-armed-the-soviet-union-for-the-war-against-japan
  16. Siehe „OCTAGON CONFERENCE September 1944, Papers and Minutes of Meetings Octagon Conference and Minutes of Combined Chiefs of Staff Meetings in London, June 1944″; C.C.S. 67811 19 September 1944 Combined Chiefs of Staff Planning Date for the end of the war against Japan, Note by the Secretaries: „… the date for the end of the war against Japan, for planning production and for allocation of manpower, should be set at 18 months after the defeat of Germany“, online unter https://www.jcs.mil/Portals/36/Documents/History/WWII/Octagon3.pdf S. 125. 
  17. Das weisen die Notizen einer Besprechung der Stabschefs über Schiffstransporte aus, welche auf Malta geführt wurde. Siehe ARGONAUT CONFERENCE January-February 1945 Papers and Minutes of Meetings ARGONAUT CONFERENCE edited and published by the Office, U.S. Secretary of the  Combined Chiefs of Staff 1945, online unter https://www.jcs.mil/Portals/36/Documents/History/WWII/Argonaut3.pdf, S. 95, Tab “D” to Annex “B” to Appendix “B” U. S. Troop Shipping Position (After V-E Day)„: … presently projected large-scale operations against Japan during the period September through December 1945 …“
  18. Siehe den Text der Deklaration: „Potsdam Declaration, Proclamation Defining Terms for Japanese Surrender, Issued, at Potsdam, July 26, 1945″, bei atomicharchive.com, online unter https://www.atomicarchive.com/resources/documents/hiroshima-nagasaki/potsdam.html
  19. Siehe Mark P. Arens:  [Marine] Amphibious Corps Planning for Operation Olympic and the Role of Intelligence in Support of Planning, bei FAS Intelligence Source Program, Chapter 1 Unconditional Surrender, online unter https://irp.fas.org/eprint/arens/chap1.htm#:~:text=%28%208%29%20On%2025%20May%201945%2C%20the,Honshu%2C%20scheduled%20for%20the%20spring%20of%201946. Vgl. „Victory in the Pacific: Japan’s Surrender and Aftermath , August–October 1945“ bei Naval History and Heritage Command, 12.03.2025, online unter https://www.history.navy.mil/browse-by-topic/wars-conflicts-and-operations/world-war-ii/1945/victory-in-pacific.html. Siehe auch David Dean Barrett: The Secret Plans to Invade Japan, bei American Heritage, Volume 68 Issue 5, August 2023, online unter https://www.americanheritage.com/secret-plans-invade-japan
  20. Siehe Nadja Podbregar: Manhattan-Projekt: Vierter Atomspion enttarnt, bei damals.de, 03.12.2019, online unter https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/manhattan-projekt-vierter-atomspion-enttarnt/. Siehe auch ein Video: „Klaus Fuchs, The ‚Atomic Spy‘ on Oppenheimer’s Manhattan Project“, bei The National Archives UK, Video auf YouTube, 26.07.2023, online unter https://www.youtube.com/watch?v=kCJeMRlnUE0
  21. In neuster Zeit vertrat Robert Karniol dieses Narrativ: Little-known August 1945 incident could have changed course of history; Soviets were within 48 hours of invading Japan and dividing it in two à la Vietnam and Korea, bei BestStory.ca, Mai 2024, online unter https://beststory.ca/stories-free/soviets.html,. Sein Aufsatz ist stark von aktuell modischer anti-sowjetischer bzw. anti-russischer Rhetorik geprägt.
  22. Nach Differenzen zwischen den USA und der Sowjetunion hinsichtlich der Zusammensetzung der polnischen Regierung und des Abstimmungsverfahrens der Vereinten Nationen – insbesondere das Vetorecht – entsandte US-Präsident Truman Ende Mai 1945 seinen Sonderberater Harry Hopkins nach Moskau, um die festgefahrene Situation im Vorfeld der Potsdamer Konferenz zu bereinigen. Siehe Tsuyoshi Hasegawa: Soviet policy toward Japan during World War II (La politique soviétique envers le Japon pendant la Seconde Guerre mondiale), bei Cahiers du monde russe, 52/2-3, 2011, S. 245-271, online unter https://journals.openedition.org/monderusse/9333. Die Telegramme der Delegation von Hopkins ab dem 26.05. bis zum 08.06.1945 finden sich bei Foreign Relations of the United States, Diplomatic Papers, The Conference of Berlin (The Potsdam Conference), 1945, Volume I, The Hopkins mission to Moscow, auf der Homepage des US State Department, Office of the Historian, Shared Knowledge Services, Bureau of Administrationhistory@state.gov, online unter https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1945Berlinv01/ch2#:~:text=%E2%80%94In%20addition%20to%20the%20general,Council%20of%20the%20United%20Nations. Vgl. David M. Glantz: Ending the War in the Pacific: Stalin’s Strategic Intentions, in Journal of Strategy and Politics, Issue 2 Autumn 2015 Institute for the Study of Strategy and Politics, online unter https://strategyandpolitics.org/wp-content/uploads/2016/07/journal-issue-2.pdf, S. 70-147. Speziell zu Hokkaidō: Appendix 2—A Detailed Timeline Regarding Soviet Planning for Operations against Hokkaidō. Siehe auch D. M. Giangreco: The Hokkaidō Myth, in Journal of Strategy and Politics, Issue 2 Autumn 2015 Institute for the Study of Strategy and Politics, online unter https://strategyandpolitics.org/wp-content/uploads/2016/07/journal-issue-2.pdf, S. 148-164. 
  23. Siehe К.Е. Черевко: Советско – японская война. августа – 2 сентября 1945 г., bei Интелрос »Мир и политика» №9, 2012, online unter https://www.intelros.ru/readroom/mir-i-politika/m9-2012/16509-sovetsko-yaponskaya-voyna-9-avgusta-2-sentyabrya-1945-g.html, in russischer Sprache. Vgl. D. M. Giangreco a.a.O. und Tsuyoshi Hasegawa, a.a.O.
  24. Siehe D. M. Giangreco a.a.O.
  25. Siehe Tsuyoshi Hasegawa, a.a.O. Konkrete Befehle für eine Besetzung von Hokkaidō sind frühestens ab dem 18. August 1945 greifbar. Siehe Befehl des Oberkommandierenden der sowjetischen Truppen in Fernost, Marschall Alexander Wassilewskis an den Befehlshaber der 1. Fernostfront, 18.08.1945, engl. Übersetzung, auf der Homepage des Woodrow Wilson International Center for Scholars, History and Public Policy Program online unter https://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/order-aleksandr-vasilevsky-commander-1st-far-eastern-front. Befehl von Marschall Alexander Nowikow an den Befehlshaber der 9. Luftarmee, 19.08.1945, ebd. online unter https://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/order-aleksandr-novikov-commander-9th-air-army. Bericht des Oberkommandierenden der Pazifikflotte, Admiral Iwan Jumaschew an Alexander Wassilewski, 19.08.1945, ebd., online unter https://digitalarchive.wilsoncenter.org/document/report-ivan-yumashev-aleksandr-vasilevsky
  26. Die LCT- und LCI-Landungsboote im Zweiten Weltkrieg waren primär auf Transportkapazität statt Geschwindigkeit ausgelegt. LCTs (Landing Craft, Tank) erreichten meist Höchstgeschwindigkeiten von etwa 8 bis 10 Knoten (15 – 18 km/h), während schnellere Infanterie-Landungsboote wie das LCI(L) (Landing Craft, Infantry Large) Maxilamgeschwindigkeiten von 14–15 Knoten (27 km/h) erreichen konnten. Die diversen Typen der Landing Craft, Infantry (Large) wurden entworfen, um eine verstärkte Infanteriekompanie, bestehend aus ca. 200 Mann, inklusive Ausrüstung und eine Besatzung von gut zwei Dutzend Seeleuten zu befördern. Sie waren für die Überquerung von Gewässern wie dem Ärmelkanal mit einer Breite von 100 bis 130 km ausgelegt. Die Überfahrt von Sachalin nach Hokkaidō ist aber bedeutend weiter. Siehe „LCI Facts“, auf der Homepage der USS Landing Craft, Infantry National Association, online unter http://usslci.org/facts/. Zur Anzahl der abgegebenen Schiffe siehe „Soviet Invasion of Manchuria 1945″, bei Mike’s Research, online unter https://mikesresearch.com/2026/03/31/soviet-invasion-of-manchuria-1945/#:~:text=The%20US%20planned%20to%20transfer,and%20DS%2D35%2C%20respectively
  27. Den Sowjets standen auf Stützpunkten auf Sachalin 60 DB-3-Bomber und 56 Jak-9-Jäger) zur Verfügung, weitere Flugzeuge waren frühestens nach einer Woche nach Beginn der Kämpfe verfügbar. Siehe D. M. Giangreco a.a.O.
  28. Quelle: Karniol, a.a.O.
  29. Siehe Bob Fenton: The secret strategy to launch attack on Red Army, The Telegraph, Issue 1124, 1 October 1998 und Jonathan Walker: Operation Unthinkable – Churchill’s plans to invade the Soviet Union, online unter https://www.thehistorypress.co.uk/articles/operation-unthinkable-churchill-s-plans-to-invade-the-soviet-union/. Abbildungen der Originaldokumente online unter: https://www.nationalarchives.gov.uk/education/resources/cold-war-on-file/operation-unthinkable/. Vgl.  Gerd Brenner:  Zweifrontenkrieg, a.a.O.  
  30. Siehe Thomas Kielinger: „Operation Unthinkable“. Als Churchill den „russischen Bären“ angreifen lassen wollte, bei Welt, 24.03.2023, online unter https://www.welt.de/geschichte/article244456818/Operation-Unthinkable-Churchills-Idee-eines-Krieges-gegen-Stalin-1945.html. Vgl. Jonathan Walker, Operation Unthinkable, a.a.O. Siehe auch „Operation Unthinkable“ beiThe National Archives, online unter https://www.nationalarchives.gov.uk/education/resources/cold-war-on-file/operation-unthinkable/#:~:text=Details%20of%20the%20present%20strengths,below%20that%20of%20the%20Allies, mit Abbildungen der Original-Dokumente. 
  31. Ebd.
  32. Die Erinnerungen von Puyi wurden von Bernardo Bertolucci 1987 verfilmt. Nach seiner „Umerziehung“ durch die Kommunisten wurde Puyi 1959 begnadigt und lebte danach zurückgezogen in einfachen Verhältnissen bis zu seinem Tod 1967 in Peking. Siehe Regina Kusch: Vor 50 Jahren: Letzter Kaiser von China gestorben, in: deutschlandfunk.de, 17.10.2017, online unter https://www.deutschlandfunk.de/vor-50-jahren-letzter-kaiser-von-china-gestorben-100.html
  33. Für China nahm General He Yingqin die Kapitulation von General Okamura Yasuji, dem Befehlshaber der japanischen China-Expeditionsarmee, entgegen. Zu den Grausamkeiten des chinesisch-japanischen Kriegs nach 1937 siehe Berthold Seewald: Der unfassbare Exzess zwischen Japan und China, bei Welt Geschichte, 04.11.2013, online unter https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article121509231/Zweiter-Weltkrieg-Der-unfassbare-Exzess-zwischen-Japan-und-China.html. Spezifisch zum Nanjing/Nanking Massaker, bei welchem über 200’000, anderen Schätzungen zufolge über 300’000 Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet, sowie rund 20’000 Mädchen und Frauen vergewaltigt wurden, siehe Chapter VIII, Conventional War Crimes (Atrocities), in den Akten des Internationalen Militärtribunals für den Fernen Osten: Urteil des Internationalen Militärtribunals für den Fernen Osten vom 04.11.1948, hrsg. von Patrick Clancey, HyperWar Foundation, bei ibiblio.org online unter https://www.ibiblio.org/hyperwar/PTO/IMTFE/IMTFE-8.html. Vgl. Callum MacDonald: ‚Kill All‘, ‚Burn All‘, ‚Loot All‘: The Nanking Massacre of December 1937 and Japanese Policy in China, in Mark Levene, Penny Roberts (Hrsg.): The Massacre in History, Oxford 1999, S. S. 223f. Siehe auch Berthold Seewald: Zweiter Weltkrieg – Nanking 1937: Warum japanische Soldaten Hunderttausende Chinesen massakrierten, bei Welt Geschichte, 13.12.2017, online unter https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article171539742/Nanking-1937-Sie-zwangen-Vaeter-ihre-Toechter-zu-vergewaltigen.html
Globalbridge unterstützen