Wer auch immer die Chance hat, nach China zu gehen – ich selber, Christian Müller, war schon in den 1980er Jahren das erste Mal dort – sollte sich unbedingt die Chinesische Mauer näher anschauen. Es ist das größte Bauwerk der Welt und der Weltgeschichte: mehr als 20.000 km lang, erbaut in den verschiedensten Zeiten, erste Fundstücke stammen noch aus der Zeit vor Christi Geburt, die meisten aber aus dem 14. bis 17. Jahrhundert. Mit der Mauer versuchte sich China gegen Angriffe von außen zu schützen, also für die Defensive, es war kein Bauwerk für Eroberungsfeldzüge. Einzelne Strecken, vor allem jene in der Nähe von Beijing, sind für den Tourismus offen und deshalb auch wieder schön herausgeputzt. Ich habe versucht, auch unrenovierte Stellen zu besuchen und zu fotografieren.

Salz in alte Wunden

Nun haut auch der Nachrichtendienst der Schweiz in seinem kürzlich erschienenen Jahresbericht „Sicherheit Schweiz 2026“ mit Russland einen Fünftel der Bevölkerung Europas und mit China einen Fünftel der Weltbevölkerung zum Feind der Schweiz erklärt (1). Der NDB unterstellt namentlich China expansive Absichten, die es vor allem mit wirtschaftlichen Druckmitteln verfolge. Im Zusammenhang mit Klagen über die maritime Aufrüstung des Reichs der Mitte bekommen solche Narrative auch eine militärische Komponente. 

China werden Gelüste auf globale Dominanz unterstellt, auf kriegerische Eroberungen im Ost- oder Südchinesischen Meer, in Afrika oder gar in Lateinamerika. An erster Stelle steht aber die angeblich drohende Invasion von Taiwan. Im Gegenzug weisen die Freunde Chinas gerne darauf hin, dass China nie Kolonien besessen und nie andere Länder angegriffen habe. Es wäre die Aufgabe eines Nachrichtendienstes, sich einen Überblick zu verschaffen, die Hintergründe auszuleuchten, und sich in die Schuhe anderer Parteien zu stellen. 

China ist in seiner Geschichte nie als Kolonialmacht aufgetreten. Nicht etwa, weil es dies grundsätzlich abgelehnt hätte – nein, das Gegenteil war der Fall. Die chinesischen Kaiser verstanden sich stets als Söhne des Himmels und China, das Reich der Mitte, als Zentrum der Welt. Sie forderten, dass fremde Herrscher an ihren Hof nach Nanjing oder an andere Residenzen pilgerten, um dort den Kotau (2) zu vollziehen und sich formell dem Sohn des Himmels zu unterwerfen. 

China betrieb in seiner Geschichte allerdings nur während einer relativ kurzen Zeitspanne eine intensive Seefahrt. Dies geschah zu Beginn des 15. Jahrhunderts unter Kaiser Yongle, der seinen Admiral Zheng He beauftragte, mit einer großen Flotte Südostasien und Südasien zu bereisen. In dieser Zeit stellten chinesische Handwerker technologisch hochentwickelte Schiffe her (3). Die größten Schiffe, die sogenannten Baochuan, waren laut historischen Aufzeichnungen bis zu 120 Meter lang und 50 Meter breit und besaßen bis zu neun Masten. Sie nutzten bereits ein System aus wasserdichten Querschotten, welche die Ausbreitung von Wassereinbrüchen verhinderten und dem Schiffsrumpf zusätzliche Stabilität verliehen. Verstellbare Achterruder ermöglichten das Steuern der riesigen Schiffe auch bei schwierigem Seegang. Die mattenverstärkten Segel konnten im Gegensatz zu europäischen Segeln so ausgerichtet werden, dass die Schiffe auch fast direkt gegen den Wind segeln konnten. Chinesische Seeleute verfügten über hochentwickelte Magnetkompasse, Sternennavigation (Astrolaben) und detaillierte Seekarten. In den Zwanzigerjahren des 15. Jahrhunderts erreichte die Flotte des Kaisers Indien und die Ostküste Afrikas – mehrere Jahrzehnte bevor portugiesische Seefahrer diese Küsten erreichten. 

Karte: Entdeckungsfahrten von Zheng He (1405-1433), Bartolomeo Diaz (1488) und Vasco da Gama (1498) / Quelle: Verfasser

Zheng He befehligte Flotten von teilweise über 250 Schiffen und rund 28’000 Mann Besatzung aus Soldaten, Ärzten, Astronomen und Händlern. Es ging nicht um koloniale Eroberung oder Missionierung, sondern um die Demonstration kaiserlicher Macht, die Sicherung von Handelswegen und das Einsammeln von Tributen für den Kaiser. 

Die Bedrohung im Norden setzte diesen Reisen nach wenigen Jahrzehnten ein Ende. China musste seine Ressourcen umverteilen, um sich gegen die ständigen Angriffe der Mongolen im Norden zu verteidigen. Mit dem Tod von Kaiser Yongle – bezeichnenderweise während eines Feldzuges gegen mongolische Stämme im Norden und Nordwesten des Reiches – endete jedoch die chinesische Seemacht. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein unterließen die Chinesen im Wesentlichen die Hochseeschifffahrt. Der Bau hochseetüchtiger Schiffe wurde sogar unter Androhung der Todesstrafe verboten. Gleichzeitig gewannen am Kaiserhof isolationistische, konfuzianische Gelehrte die Oberhand. Sie sahen die Seefahrt und den Außenhandel als Verschwendung von Steuergeldern an, die keinen moralischen Wert besaßen.

Das vorrevolutionäre China vor 1911 China war nie eine moderne, kapitalistische Gesellschaft, wie sie sich in Europa in der frühen Neuzeit entwickelte, sondern eine traditionelle Agrargesellschaft mit einer feudal geprägten Wirtschaftsstruktur (4). Über 80 Prozent der Bevölkerung waren Bauern. In der traditionellen konfuzianischen Werteordnung der chinesischen Geisteswelt genossen Händler und Kaufleute nur geringes gesellschaftliches Ansehen. Wohlstand wurde weniger durch Handel erworben als durch den Erwerb von Land oder durch den Eintritt in den Staatsdienst. Es gab keinen freien Wettbewerb im modernen Sinne. Der kaiserliche Staat kontrollierte wichtige Schlüsselindustrien und besaß extrem streng gehandhabte Monopole auf Salz, Eisen, Tee und Seide. Es fehlten moderne Eigentumsrechte, ein verlässliches Bankenwesen und ein einheitliches Rechtssystem – alles Errungenschaften, die für das Entstehen eines funktionierenden Kapitalismus zwingend notwendig gewesen wären.

Erst die gewaltsame Öffnung des Landes durch die westlichen Kolonialmächte ab den 1840er-Jahren brachte Veränderungen nach China: In den letzten Jahrzehnten vor der Revolution von 1911 versuchte das Kaiserhaus im Zuge der sogenannten Selbststärkungsbewegung, eine eigene moderne Industrie, vor allem Schwerindustrie und Rüstung, aufzubauen (5). Diese Betriebe waren jedoch fast immer in staatlicher Hand oder wurden von korrupten Beamten kontrolliert. Ein starkes, unabhängiges Bürgertum konnte sich bis zum Sturz des Kaisers nicht bilden. In diesem Sinne bestanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert auch nicht jene Voraussetzungen wie in Europa für einen grundlegenden Umsturz oder auch nur für eine breite soziale Rebellion gegen den Kaiser. In China gab es nie ein Proletariat, das einen kommunistischen oder sozialistischen Umsturz hätte herbeiführen können. 

Im 19. Jahrhundert kündigten interne und externe Krisen den Kollaps des Reiches an. Militärische Schwäche führte zu verlorenen Kriegen gegen westliche Kolonialmächte und zwangen China äußerst unvorteilhafte Verträge auf. Dazu kamen massive soziale Spannungen, die sich im verheerenden Taiping-Aufstand 1851–1864 und dem Boxeraufstand 1899–1901 entluden (6). Wirtschaftliches Elend und extreme Korruption im Staatsapparat kosteten das Kaiserhaus seine Legitimität. Das „Mandat des Himmels“ war in den Augen der Bevölkerung verloren.

In den Jahren 1911 und 1912 zerfiel das chinesische Kaiserreich endgültig. Der entscheidende Wendepunkt war die Xinhai-Revolution im Herbst 1911 (7): Die Xinhai-Revolution von 1911 war ein historischer Wendepunkt, der das über 2000 Jahre alte chinesische Kaiserreich beendete, jedoch die tiefgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes vorerst nicht lösen konnte. Sie bedeutete das Ende der Monarchie und ließ die erste Republik Asiens entstehen, hinterließ aber ein Machtvakuum und läutete den Beginn der Warlord-Ära ein. Für die breite Masse der Bevölkerung, insbesondere die verarmte ländliche Bauernschaft, änderte sich die Lebensrealität kaum. Die soziale Hierarchie und die wirtschaftliche Not blieben bestehen. Sie vermochte die Fremdbestimmung aber nicht zu beenden. Die Revolution konnte den imperialistischen Einfluss der westlichen Mächte und Japans nicht brechen; China blieb weiterhin durch ungleiche Verträge wirtschaftlich und territorial fragmentiert.

Am 1. Januar 1912 wurde die Republik China ausgerufen. Der formelle Schlusspunkt folgte am 12. Februar 1912 durch den Thronverzicht des erst sechsjährigen Kaisers Puyi. Damit endete nach über 2000 Jahren die Epoche der kaiserlichen Herrschaft in China (8). 

Die Jahrzehnte darauf brachten China Chaos, Bürgerkrieg und Fremdherrschaft. Die erhoffte demokratische Stabilität blieb aus. Nach der Abdankung des Kaisers übernahm der ambitionierte General Yuan Shikai die Präsidentschaft (9). Er versuchte schnell, sich selbst zum neuen Kaiser zu krönen, scheiterte jedoch kläglich und starb 1916. Nach seinem Tod brach die Zentralgewalt völlig zusammen. Regionale Militärmachthaber (Warlords) teilten das Land unter sich auf und bekämpften sich gegenseitig in ständigen Bürgerkriegen. 

In den Zwanzigerjahren formierten sich zwei gegensätzliche Kräfte, die Chinas Zukunft bestimmen sollten: die nationalistische Kuomintang unter Chiang Kai-shek und die Kommunistische Partei Chinas unter Mao Zedong. Das geschwächte China wurde zum Opfer des japanischen Imperialismus.  Im Jahr 1931 besetzte Japan die Mandschurei im Nordosten Chinas. Auf den Ausbruch des chinesisch-japanischen Krieges 1937 folgten grausame Kriegsverbrechen wie das Massaker von Nanjing (10). Mit der japanischen Aggression von 1937 begann für China de facto der Zweite Weltkrieg, der dem Land ungeheure Opfer abverlangte: Gemäß offiziellen chinesischen Angaben forderte die japanische Aggression nach 1937 und der Zweite Weltkrieg ca. 20 Millionen Tote, wovon 3,2 bis 3,5 Millionen gefallene Soldaten der Nationalarmee und der Kommunisten,sowie ca. 10 bis 16 Millionen Zivilisten durch direkte Gewalt, Hungersnöte und Seuchen (11).

Nach der Kapitulation Japans 1945 flammte der Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Kommunisten sofort wieder in der alten Härte auf. Die Kommunisten gewannen durch die Unterstützung der ländlichen Bevölkerung rasch die Oberhand. Die unterlegene Kuomintang-Regierung unter Chiang Kai-shek floh mit rund zwei Millionen Anhängern auf die Insel Taiwan, wo die Republik China bis heute besteht. Nach dem Tod Maos vollzog China den Übergang von der permanenten kommunistischen Revolution zu einer starke Marktelemente nutzenden sozialistischen Wirtschaft (12).

Die kommunistische Revolution hat für das heutige China deshalb eine weit über die soziale Frage hinausgehende Bedeutung: Sie steht für die Abkehr vom alten, schwachen China unter der Fuchtel der Kolonialmächte hin zu einem eigenständigen und zunehmend selbstbewussten modernen Land. Genau dieses Ergebnis der chinesischen Revolution wird bis heute gefeiert. Dieses stellt den Grund für die Solidarität Chinas mit Russland und zahlreichen Ländern des Globalen Südens dar und zugleich eine wichtige Quelle für die Attraktivität Chinas als Alternative zum postkolonialen Westen. 

Es gibt keinen Grund, China zu überhöhen: China hatte auch in jüngerer Zeit mit nahezu allen seinen Nachbarn mehr oder weniger ernsthafte Grenzkonflikte und trug einige davon militärisch aus. Dies mag das verbreitete Narrativ eines grundsätzlich friedlichen China zumindest teilweise relativieren. 

Der Anteil Taiwans an der Gesamtbevölkerung, der Fläche und der Wirtschaftsleistung des gesamten Chinas bewegt sich im einstelligen Prozentbereich: Die Volksrepublik wird ihre Entwicklung auch ohne Taiwan sicherstellen können. Gerade in der Taiwan-Frage manifestiert sich die unterschiedliche Wahrnehmung im Westen und in Ostasien. Für viele Westeuropäer sind die Volksrepublik China und Taiwan zwei souveräne Staaten, die beide ein Existenzrecht haben. Für die Regierung in Peking ist Taiwan der nicht vollendete Teil der chinesischen Revolution. Ob es sich lohnt, deswegen einen Krieg gegen eine westliche Koalition mit überlegenen militärischen Ressourcen zu riskieren, ist allerdings eine ganz andere Frage. Bislang sind die Machthaber in Peking nicht als Hitzköpfe aufgefallen. 

Heute, 600 Jahre nach dem abrupten Ende chinesischer Entdeckungsreisen, betreibt China wieder Seefahrt, weil es sich daran erinnert, wie die Kolonialmächte sich seinerzeit Zugang zum chinesischen Territorium verschafften: Nicht durch die Wälder des Nordens, durch die Steppen und Wüsten im Nordwesten und Westen, nicht durch das Hochgebirge im Südwesten oder den Dschungel des Südens, nein, von See her. Und China hat Ambitionen, will stärkste Wirtschaftsmacht der Welt werden und beobachtete, wie der Westen seit dem Ende des Kalten Kriegs seine Interessen hemmungslos auch mit militärischem Zwang durchsetzte. Wirtschaft und Handel zu entwickeln, ohne für eine militärische Absicherung zu sorgen, wäre blauäugig. Aber China verfolgt keineswegs eine rein militärische Strategie: Parallel zur Modernisierung der Streitkräfte treibt Peking den Ausbau der Infrastruktur voran und den Aufbau eines Regelwerks zur Konfliktregelung in Eurasien (14).

Peking begreift aber, dass die sogenannte erste Inselkette, die angeblich der Eindämmung chinesischer Expansionsgelüste dient, eine geeignete Basis für eine Seeblockade abgeben kann. Das 200 bis 250 km vom Festland entfernte Taiwan kann darüber hinaus sogar als Sprungbrett dienen, von dem der Westen auch ohne Flugzeugträger- und Amphibische Kampfgruppen die Tür zum chinesischen Festland eintreten kann. 

Karte: Erste Inselkette und Distanzen zum chinesischen Festland / Quelle: Verfasser (13)

Die chinesische Area Denial und die Fähigkeit zum Blockadebruch können durchaus auch anderen Motiven entspringen als Expansionsdrang (15). Dafür, dass das einst geknechtete Reich der Mitte sich nun anschicken könnte, es seinen einstigen Peinigern gleichzutun und andere Völker zu unterwerfen, gibt es keine Hinweise. Es hätte zumindest keine Tradition. Ob es aber klug ist, den Chinesen permanent Salz in alte Wunden zu reiben, muss man sich vor allem in Washington fragen. 

Und hier noch ein Bild, auf dem man sieht, wie die Mauer auch vor Bergen keinen Halt machte …

Und hier noch ein Bild, auf dem man sieht, wie die Chinesische Mauer auch vor Bergen keinen Halt machte … (Photos Christian Müller)
  1. Siehe „Sicherheit Schweiz“, Lagebericht des Nachrichtendiensts des Bundes, Zusammenfassung und Download auf der Homepage der Eidg. Bundesverwaltung, online unter https://www.vbs.admin.ch/de/newnsb/jyRmuld1hBVy, S. 8: China stelle zunehmend eine hybride Bedrohung dar und locke mit einer neuen Weltordnung. 
  2. Als Kotau (chinesisch kētóu / kòutóu) bezeichnet man eine sehr tiefe, ehrerbietige Verbeugung aus dem alten kaiserlichen China, bei welcher man sich hinkniet und den Boden mit der Stirn berührt. Im übertragenen Sinne bedeutet der Ausdruck heute eine extrem demütige Unterwerfung oder ein kriecherisches Nachgeben gegenüber einer mächtigen Person oder Institution.
  3. Zu Admiral Zheng He, chinesischem Schiffbau und Seefahrt siehe Ulrich Baron: Die Schiffe des Drachen, bei Die Zeit, Nr.8, 17.02.2005, online unter https://www.zeit.de/2005/08/A-Zheng_He. Christian Staas: Mitte der Welt, bei Die Zeit, 03.02.2012, online unter https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2011/01/Interview-Historikerin-Dabringhaus. „Zheng He – ein chinesischer Seefahrer“, bei islam-aktuell.de, 27.11.2014, online unter https://islam-aktuell.de/zheng-he-ein-chinesischer-seefahrer/. Josef Schnelle: Chinas Weltentdecker, bei Süddeutsche Zeitung, 17.12.2018, online unter https://www.sueddeutsche.de/wissen/china-seefahrt-zheng-he-entdecker-amerika-reisen-1.4249019. Ein anschauliches Video dazu: „Die Chinesische Armada“, auf der Homepage von zdf studios, 2026, online unter https://www.zdf-studios.com/de/programmkatalog/international/unscripted/history-biographies/chinese-armada. Und ein anderes: „Die sieben Reisen des Zheng He – Zusammenfassung auf einer Karte“, Video bei Geo-Geschichte auf YouTube, online unter https://www.youtube.com/watch?v=522Xf4Q3LwI.
  4. Vor allem in der jungen Volksrepublik bereitete das Fehlen einer kapitalistischen Phase in der chinesischen Sozialgeschichte den politischen Ideologen der Partei Kopfschmerzen, weil dadurch ein Grundschema des Marxismus ins Wanken geriet. Grundlegende Werke zur chinesischen Wirtschafts- & Sozialgeschichte stammen von Karl August Wittfogel: Das erwachende China (1926), Wirtschaft und Gesellschaft Chinas (1931), Mao Tse-tung. Liberator or destroyer of the Chinese peasants?(1955). Die Erforschung der Wirtschaftsgeschichte Chinas in der Qing-Dynastie (1644–1911) beschäftigte sich im Rahmen der sogenannten „Great Divergence„-Debatte mit der Frage, warum Europa und nicht China sich im 18. und 19. Jahrhundert industriell rasant entwickelte. Kenneth Pomeranz: The Great Divergence: China, Europe, and the Making of the Modern World EconomyPrinecton/Oxford 2000, online unter http://piketty.pse.ens.fr/files/Pomeranz2000.pdf, argumentiert, dass die Region des Jangtse-Deltas bis etwa 1750 wirtschaftlich und punkto Lebensstandard auf Augenhöhe mit Westeuropa, insbesondere England war. Vgl. Robert C. Allen, Jean-Pascal Bassino, Ma Debin, Christine Moll-Murata, Jan Luiten Van Zanden: Wages, prices, and living standards in China, 1738–1925: in comparison with Europe, Japan, and India (The Economic History Review), Department of Economic History, London School of Economics, London 2009, online unter https://www.lse.ac.uk/asset-library/information/wp123.pdf: ein zentraler empirischer Artikel, der Reallöhne in Qing-China mit europäischen Daten vergleicht.
  5. Siehe Klaus Mühlhahn: Das Jahrhundert der Demütigung; China und der Imperialismus im 19. und 20. Jahrhundert, bei Bundeszentrale für politische Bildung, 16.09.2024, online unter https://www.bpb.de/themen/asien/china/552198/das-jahrhundert-der-demuetigung/.
  6. Maßgebliche Fachaufsätze und Forschungsbeiträge zum Taiping-Aufstand und zum Boxeraufstand sind unter anderem: Gerhard Seyfried: Gelber Wind oder der Aufstand der Boxer, Frankfurt a.M. 2008. Paul A. Cohen: The Boxers, China, and the World, in: History in Three Keys: The Boxers as Event, Experience, and Myth, New York, NY 1997. „The Boxers, China, and the world„, hrsg. von Robert Bickers and R. G. Tiedemann, Lanham, Maryland 2007, online verfügbar unter https://dokumen.pub/qdownload/the-boxers-china-and-the-world-0742571971-9780742571976.html. Philip A. Kuhn: The Taiping Rebellion, in: The Cambridge History of China, Vol. 10, 1978, online unter https://www.academia.edu/44170440/The_Cambridge_History_of_China_volume_10_late_chin. Baatr Kitinov, Elizaveta Kodunova: Hong Xiuquan and Religious Ideology of the Taiping Rebellion in 1850-1864, bei RUDN Journal of World History 16(2), July 2024, S. 152-164, online unter https://www.researchgate.net/publication/396879483_Hong_Xiuquan_and_Religious_Ideology_of_the_Taiping_Rebellion_in_1850-1864.
  7. Siehe Andreas Dittrich: Das 100-jährige Jubiläum der Revolution von 1911, bei Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Shanghai, Oktober 2011, online unter https://www.kas.de/c/document_library/get_file?uuid=9d2dca0d-375e-4041-612d-9e473a777a0c&groupId=252038. Hellmuth Vensky: Wuchang-Aufstand: Das Ende für Chinas letzten Kaiser, bei Die Zeit, 10.10.2011, online unter https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2011-10/kaiserreich-china. Joseph W. Esherick: Ten Theses on the 1911 Revolution, in Modern China, San Diego 1976. Eine Zusammenfassung dazu: Joseph W. Esherick: Reconsidering 1911: Reform and Revolution, online unter https://tsjyb.jsbc.edu.cn/_upload/article/files/75/69/7346c62b453cbd4126bdc45fd5a0/e917f7a6-3c1d-448e-9e15-3e6bfba345d0.pdf. Esherick räumte mit dem Mythos auf, die Revolution sei eine reine Bewegung der Massen oder Sun Yat-sens gewesen. Er bewies, dass lokale Eliten und städtische Reformer das Fundament bildeten. Eine Übersicht bietet Nicola Spakowski: China – vom Sturz der Qing-Dynastie bis zur Gegenwart, bei Bundeszentrale für politische Bildung, 23.05.2022, online unter https://www.bpb.de/themen/asien/china/508602/china-vom-sturz-der-qing-dynastie-bis-zur-gegenwart/. Wei Chuxiong: A Survey of the Studies on the Revolution of 1911 in China and Abroad, University of Macao, online unter https://www.riccimac.org/doc/ccc/8.4/eng/6A.pdf. Hsu Chung-mao: Sun Yat-sen and the Xinhai Revolution: A pictorial journey, bei ThinkChina, 30.10.2019, online unter https://www.thinkchina.sg/history/sun-yat-sen-and-xinhai-revolution-pictorial-journey.
  8. Die Erinnerungen von Puyi wurden von Bernardo Bertolucci 1987 verfilmt. Nach seiner „Umerziehung“ durch die Kommunisten wurde Puyi 1959 begnadigt und lebte danach zurückgezogen in einfachen Verhältnissen bis zu seinem Tod 1967 in Peking. Siehe Regina Kusch: Vor 50 Jahren: Letzter Kaiser von China gestorben, in: deutschlandfunk.de, 17.10.2017, online unter https://www.deutschlandfunk.de/vor-50-jahren-letzter-kaiser-von-china-gestorben-100.html.
  9. Yuan Shikai stand am Beginn der Herrschaft der Warlords und verstand es, die Schwächen der Qing-Kaiser und der jungen Republik China für sein Ziel autoritärer Machtausübung durch militärische Überlegenheit auszunutzen. Er verschaffte Japan einen stärkeren Einfluss auf China. Siehe Stephen R. Mackinnon: The Peiyang Army, Yuan Shih-K’ai, and the Origins of Modern Chinese Warlordism, in: The Journal of Asian Studies. 32 (3), S. 405–423. eingeschränkte Vorschau unter https://www.jstor.org/stable/2052681. Kwanha Yim: Yuan Shih-k’ai and the Japanese, in: The Journal of Asian Studies, Vol. 24, No. 1 (Nov., 1964), S. 63-73, eingeschränkte Vorschau unter https://www.jstor.org/stable/2050414.
  10. Beim Nanjing/Nanking Massaker wurden 1937 200’000 bis 300’000 Zivilisten und Kriegsgefangene ermordet, sowie rund 20’000 Mädchen und Frauen vergewaltigt, siehe „Chapter VIII, Conventional War Crimes (Atrocities)“, in den Akten des Internationalen Militärtribunals für den Fernen Osten: Urteil des Internationalen Militärtribunals für den Fernen Osten vom 04.11.1948, hrsg. von Patrick Clancey, HyperWar Foundation, bei ibiblio.org online unter https://www.ibiblio.org/hyperwar/PTO/IMTFE/IMTFE-8.html. Vgl. Callum MacDonald: ‚Kill All‘, ‚Burn All‘, ‚Loot All‘: The Nanking Massacre of December 1937 and Japanese Policy in China, in Mark Levene, Penny Roberts (Hrsg.): The Massacre in History, Oxford 1999, S. S. 223f. Siehe auch Berthold Seewald: Zweiter Weltkrieg – Nanking 1937: Warum japanische Soldaten Hunderttausende Chinesen massakrierten, bei Welt Geschichte, 13.12.2017, online unter https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article171539742/Nanking-1937-Sie-zwangen-Vaeter-ihre-Toechter-zu-vergewaltigen.html
  11. Siehe Steffen Wurzel: Keine Aussöhnung mit Japan, bei Deutschlandfunk Kultur, 05.08.2020, online unter https://www.deutschlandfunkkultur.de/china-und-der-zweite-weltkrieg-keine-aussoehnung-mit-japan-100.html
  12. Besonders interessant, weil in einer frühen Phase der Wirtschaftsreformen geschrieben, ist Willy Kraus: Wirtschaftsreformen in der Volksrepublik China, bei APuZ Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für politische Bildung 39/1985, 28.09.1985, online unter https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/533547/wirtschaftsreformen-in-der-volksrepublik-china/. Alain Bihr: Warum China den Kapitalismus nicht erfand, aus dem Französischen von Ursel Schäfer, bei Le Monde diplomatique, 07.11.2019, online unter https://monde-diplomatique.de/artikel/!5633584.
  13. Vgl. die Karten bei Bea Castañeda: The First Island Chain: A Guide to Asia-Pacific’s Most Contested Geographic Boundary, bei The Defense Post, 29.06.2026, online unter https://thedefensepost.com/2026/06/29/first-island-chain-guide/ und Andrew S. Erickson, Joel Wuthnow: Why Islands Still Matter in Asia: The Enduring Significance of the Pacific ‘Island Chains’, bei The National Interest, 05.02.2016, online unter https://www.andrewerickson.com/2016/02/why-islands-still-matter-in-asia-the-enduring-significance-of-the-pacific-island-chains/.
  14. Vgl. „Verpasst Europa den Zug in die Zukunft?“, bei Global Bridge, 26.06.2026, online unter https://globalbridge.ch/verpasst-europa-den-zug-in-die-zukunft/
  15. Bei Anti-Access/Area Denial (A2/AD) handelt es sich um ein militärisches Konzept, das gegnerischen Streitkräften den Zugang zu einem bestimmten Operationsraum zu verwehren (Anti Access) oder ihre Bewegungsfreiheit innerhalb eines Raums einzuschränken sucht (Area Denial). Es geht somit über die Bewegungs- und Hindernisführung bspw. der Schweizer Armee hinaus. Vordenker der maritimen Strategie Chinas war Admiral Liu Huaqing, der 1982 bis 1986 als deren Oberbefehlshaber amtete und in der Sowjetunion ausgebildet worden war. 
Globalbridge unterstützen