Im nasskalten Süden der Ukraine sind Panzer nicht die kriegsentscheidenden Waffen ... (Symbolbild)

Schlamm, Schatten und Scheinfronten

Während die Weltpolitik sich quasi im Wartsaal befindet und auf die politischen Weichenstellungen der nächsten Wochen bis Monate wartet, könnten im Krieg in der Ukraine vor Ort Fakten geschaffen werden, welche das weitere Geschehen längerfristig bestimmen. Das entsprechende Zeitfenster ist offen, solange wetterbedingt noch günstige Voraussetzungen für den Einsatz von Abstandswaffen, namentlich Drohnen herrschen. Dementsprechend aktiv sind die Kriegsparteien, was wiederum seinen Niederschlag im Informationskrieg in den westlichen Medien findet. 

In diesen Wochen steckt die internationale Politik in einer Phase des Übergangs, in welcher alle Akteure auf ein einziges Epizentrum starren, nämlich die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA. Mehr als für US-Präsident Donald Trump steht für sein Umfeld viel auf dem Spiel. Trumps Regierungsmannschaft steht unter massivem innenpolitischem Druck, messbare außenpolitische Resultate zu liefern. Seine damals im Wahlkampf versprochene, schnelle Lösung des Konflikts hat sich in den Mühen der geopolitischen Realität festgefahren. Die Administration Trump könnte nun den Druck, unter welchem sie selbst steht, an die Kriegsparteien weitergeben, um ihnen die Einwilligung in einen Waffenstillstand abzuringen.

Doch auf der Gegenseite läuft die Dynamik quer zu diesen Hoffnungen. Die Führung in Kiew versucht unter Hochdruck, ihre eigene Verhandlungsposition vor etwaigen aufgezwungenen Gesprächen spürbar zu verbessern. Jede Offensive, jeder Geländegewinn soll als Faustpfand für den Tag dienen, an dem die Unterstützung aus dem Westen bröckeln könnte. 

In Moskau hingegen herrscht eine kühl kalkulierte Ruhe. Die jüngsten Duma-Wahlen in Russland – völlig unabhängig von der Frage, ob die Ergebnisse manipuliert waren oder nicht – werden vom Kreml als Demonstration staatlicher Stabilität genutzt (1). Wladimir Putin befindet sich in einer innenpolitisch komfortablen Lage und kann sich den Luxus erlauben, selbst militärische Teil-Misserfolge auszusitzen, ohne durch gesellschaftlichen oder politischen Druck zu drastischen Maßnahmen gezwungen zu sein. Er kann seine Strategie defensiv-abwartend gestalten. Putin wird jetzt darauf spekulieren, dass Trump nervös wird und Moskau im Gegenzug für einen schnellen Deal weitreichende Zugeständnisse macht. Sollte aber Trump nach den Zwischenwahlen zur sprichwörtlichen „Lame Duck“ werden, besitzt Russland die Geduld, auf die nächste Generation amerikanischer Politiker zu warten (2). Moskau wird dann schlicht mit denjenigen sprechen, die Trumps Erbe antreten wollen. Im Kreml kann man gelassen bleiben. 

Europa im Vakuum

Während die Supermächte taktieren, präsentiert sich Westeuropa politisch so handlungsunfähig wie selten zuvor. Deutschland befindet sich inmitten einer tiefen politischen Instabilität: Die Zukunft des Kabinetts unter Bundeskanzler Friedrich Merz steht auf Messers Schneide. Der jüngste Versuch der Bundesregierung, einen mysteriösen Zwischenfall auf dem Flughafen Leipzig-Halle politisch zu eskalieren, um innenpolitisch Stärke zu demonstrieren, ist verpufft (3). Zurück bleibt eine massive Glaubwürdigkeitslücke, welche die Handlungsfähigkeit Berlins auf internationalem Parkett lähmt.

Frankreich wiederum erlebt die Agonie der ausgehenden Ära Macron. Der französische Präsident, innenpolitisch isoliert, sucht im Spätherbst seiner Amtszeit noch schnell die große Bühne. Mit demonstrativer Härte und symbolträchtigen Auftritten versucht er sich als starken Führer der Grande Nation und als Vordenker Europas in Szene zu setzen – ein bühnenreifes Aufbäumen, dem es jedoch an realpolitischem Rückhalt mangelt. Derzeit verspricht er seinen Partnern in Osteuropa einen französischen Ersatz für den löchrig gewordenen US-amerikanischen Raketenschirm. Dabei lenkt Macron aber davon ab, dass er und nach ihm jeder weitere französische Präsident die Entscheidungsgewalt über den Einsatz französischer Kernwaffen ebenso wenig an seine Verbündeten abgeben kann, wie die US-Präsidenten jene über die amerikanischen. Und dann wären noch ein paar technische Probleme zu lösen: Die F-35 Tarnkappen-Bomber, welche mehrere europäische Staaten als Träger für die US-Atombomben aus dem Programm der nuklearen Teilhabe beschafften, sind nicht in der Lage, französische Kernwaffen abzuwerfen (4). Die hierfür notwendigen Umbauten müsste ausgerechnet der Präsident der USA bewilligen. 

Großmundige Ankündigungen und die Realität der Kessel

Schaut man auf die militärische Lagekarte, so klafft zwischen der medialen Darstellung und der Realität in den Schützengräben eine gewaltige Schere. Die ausgiebig gefeierte ukrainische Operation „Vivaldi“ hat sich bei näherer Betrachtung als begrenzter Vorstoß entpuppt. Im Raum Lyman griff ein divisionsstarker ukrainischer Verband auf einer Breite von etwa 20 Kilometern an und drang dabei gerade einmal rund 3 Kilometer tief in die gegnerischen Linien vor. Was in der westlichen Presse als großer Durchbruch gefeiert wird, entspricht operativ lediglich dem, was auf russischer Seite in den vergangenen Monaten beinahe täglich zu beobachten war. Das primäre Ziel der Ukrainer dürfte hierbei wohl der Fluss Zherebets darstellen, welchen sie als topografisch günstige Verteidigungslinie für den Winter nutzen wollen. Damit soll der Versuch Russlands verhindert oder zumindest verzögert werden, die strategisch wichtige Stadt Sloviansk (Slawiansk) von Norden her zu umgehen.

Operation Vivaldi, Angriff der UAF bei Lyman / Quelle: Live UA Map, Ergänzungen Verfasser (5)

Der Informationskrieg um diesen Abschnitt läuft auf Hochtouren. Beide Seiten publizierten in den letzten Tagen vermeintliche Beweisvideos, welche die Präsenz eigener Truppen in den Dörfern rund um Lyman belegen sollen. Hüben wie drüben wird wohl wie schon in der Vergangenheit altes Archivmaterial recycelt. Fakt ist: Lyman war in der jüngsten Vergangenheit nie in russischer Hand; Berichte über eine angebliche Vertreibung russischer Truppen aus der Stadt gehören wohl ins Reich der Propaganda.

Weitaus bedrohlicher stellt sich die Lage für die Ukraine an anderen Frontabschnitten dar. Südwestlich der Stadt Zaporozhie vollziehen die russischen Kräfte eine groß angelegte Zangenbewegung mit dem Ziel der Einkesselung der Stadt Orikhiv/Orikhov. Aus dem Süden und dem Westen ist dafür jeweils ein divisionsstarker Verband angesetzt. Derzeit liegen die beiden Angriffsspitzen noch etwa 15 Kilometer voneinander entfernt. Es bleibt im Wettlauf gegen die Zeit fraglich, ob die vollständige Einschließung gelingt, bevor der einsetzende Herbstregen und der spätere winterliche Schneeregen die Bewegung von Panzern und schwerem Gerät abseits von befestigten Straßen verunmöglichen. Der regional typische Wechsel von leichtem Frost und Tauwetter wird im Frühwinter jegliche Operationen massiv behindern. Gelingt den Russen hier jedoch der Erfolg, schaffen sie sich einen idealen Ausgangsraum für einen späteren Angriff direkt an den Stadtrand von Zaporozhie.

Lage im Raum Orikhiv/Orikhov / Quelle: Live UA Map, Ergänzungen Verfasser (6)

Alarmierend ist die Lage auch im Raum Chasiv Yar – Kostyantynivka: In diesem Sektor sind starke ukrainische Kräfte seit Wochen vollständig von der Versorgung abgeschnitten. Eine organisierte Gegenwehr ist kaum mehr erkennbar. Die russischen Verbände stoßen bereits beidseitig an der Stadt Oleksiievo-Druzhkivka vorbei und dürften versuchen, sich in Malotaranivka am Südrand von Kramatorsk zu vereinigen. Die Angriffsspitzen sind nur noch 7 bzw. 10 Kilometer von diesem Vereinigungspunkt entfernt. 

Lage im Raum Kostiantynivka – Kramatorsk / Quelle: Live UA Map, Ergänzungen Verfasser (7)

Zwar kann der Kampf im dicht überbauten Gelände noch Wochen dauern, doch hat das Wetter in den städtischen Ruinen weit weniger Einfluss auf das Vorankommen als auf dem offenen Feld.

Der Krieg in der Luft und am Boden: Pufferzonen für Russland?

Schwierig ist auch die Situation im Norden und im Donbass, wo sich weitere Rückschläge für die ukrainischen Streitkräfte abzeichnen: Im Raum Velykyj Burluk östlich von Kharkiv/Kharkov zeichnet sich ein operativer Kessel ab. Hier droht mindestens ein ukrainischer Großverband eingeschlossen und aufgerieben zu werden.

Im Luft- und Drohnenkrieg zeigen sich neue, politisch wie militärisch brisante Entwicklungen. Die ukrainischen Streitkräfte greifen verstärkt die Eisenbahnlinie zwischen dem belarussischen Mozyr und Brjansk in Russland an – auf der russischen Seite der Grenze notabene. Die Absicht dahinter ist klar: Der Fluss von Erdölprodukten aus der belarussischen Raffinerie Mazyr/Mozyr nach Russland soll unterbunden werden (8). Offenbar schreckt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj explizit davor zurück, belarussisches Territorium direkt zu attackieren, um Minsk nicht vollends als aktive Kriegspartei in den Konflikt hineinzuziehen. Das wochenlange ukrainische Gezeter über die Nutzung belarussischer Mobilfunknetze zur Steuerung russischer Raketen und Drohnen im Westen der Ukraine hat nichts gefruchtet und den Druck nicht gemindert (9).

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein massiver Aufmarsch russischer und möglicherweise nordkoreanischer Truppen südlich von Bryansk. Es verdichten sich die Anzeichen, dass diese Verbände eine Pufferzone besetzen sollen, welche helfen soll, die Lebensader der Bahnlinie Mozyr–Bryansk abzusichern. Dadurch setzen die Russen ein klares Signal: Sie betrachten die derzeitig entlang der Front innerhalb der Ukraine eingesetzten Verbände als quantitativ ausreichend und können es sich leisten, frische Kräfte für neue Operationen abzustellen.

Lage im im Nordosten der Ukraine; Pufferzone an der Grenze? / Quelle: Live UA Map, Ergänzungen Verfasser (10)

Möglicherweise geht Russland in den nächsten Wochen daran, entlang der gesamten Grenze zur Ukraine eine Pufferzone zu besetzen. Zu diesem Zweck können die Russen an die Stadtränder von Sumy und Kharkiv stoßen und aus dem Raum Bryansk in den Nordteil der Oblast Chernihiv/Chernigov einfallen. Die massiven Angriffe auf die Brücken über den Dnjepr/Dnipro in Kiew deuten darauf hin, dass sie diesen Raum vorbereitend vom Westen der Ukraine isolieren möchten (11).

Gleichzeitig wirft der zeitweise Rückgang der ukrainischen Drohnen-Aktivitäten Fragen auf: Handelt es sich hierbei um das bewusste Aufsparen von Ressourcen für einen konzentrierten, koordinierten Großschlag, oder ist es der Offenbarungseid eines akuten Mangels an Drohnen und Marschflugkörpern? Unabhängig von der Ursache vergeben sich die Ukrainer dadurch die militärische Chance, durch systematische Angriffe die Wiederherstellung beschädigter Infrastrukturobjekte im Hinterland Russlands langfristig zu behindern.

Auf der Gegenseite intensiviert Russland seine Luftschläge mit veränderter Prioritätensetzung. Die russischen Angriffe richten sich gezielt gegen Einrichtungen der ukrainischen Telekommunikation, technische Institute der Rüstungsindustrie sowie Depots für westliche Abstandswaffen. Diese präzisen Treffer legen die tiefen Lücken und die Erschöpfung der ukrainischen Luftverteidigung schonungslos offen. Zudem ist der Hafen von Odessa offensichtlich komplett geschlossen. Für die ukrainische Kriegswirtschaft stellt sich dadurch die existenzielle Frage, wie die jüngst geernteten landwirtschaftlichen Produkte exportiert werden sollen, wenn der Seeweg blockiert ist, denn die Landwege sind zu wenig leistungsfähig und liegen auch unter Beschuss. 

Nicht nur in Kiew muss derzeit Sorge bereiten, dass die russische Armee offenbar die Reichweite ihrer Kurzstreckenraketen und Marschflugkörper des Typs „Iskander“ zu steigern sucht (12). Da zeitgleich der Luftraum über dem russischen Raketentestgelände Kapustin Yar weiträumig geschlossen wurde, wachsen die Befürchtungen, dass Moskau im Hintergrund einen massiven, strategischen Vergeltungsschlag mit ballistischen Raketen vorbereitet.

Wadephuls Schaulaufen in New York

Während auf dem Schlachtfeld das Sterben weitergeht, bewegen sich die diplomatischen Kanäle im Zustand des permanenten Leerlaufs oder der verdeckten Taktiererei. Die halboffiziellen „Track-Two„-Treffen in Baku, an denen prominente deutsche Figuren wie der SPD-Politiker Matthias Platzeck und sein CDU-Kollege Ronald Pofalla sowie die erfahrenen Schweizer Diplomaten Tim Guldimann und Thomas Greminger teilnahmen, sind seit Monaten bekannt. Die Informationen über die Reise waren offenbar so konkret, dass deutsche Journalisten eigens nach Baku reisten, um die Mitglieder der Delegation zu suchen – und sie in einem Restaurant fanden (13). Diese Gespräche hätte man diskreter arrangieren können, wenn man gewollt hätte. 

Derweil herrscht auf höchster Ebene Stillstand. In New York vermittelten angeblich Drittstaaten am Rande der UN-Vollversammlung ein Treffen zwischen dem deutschen Bundesaußenminister Johann Wadephul und seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Zwar betonen beide Seiten stets pro forma ihre grundsätzliche Gesprächsbereitschaft, doch verlief der Dialog ergebnislos (14).

Mit den Baku-Missionen beschäftigte sich bereits eine Anfrage der Bundestagsfraktion der AfD. Mit ihrer offiziellen Antwort darauf, in welcher sie jegliche Beteiligung an den Missionen verneinte, setzte sich die Bundesregierung der Kritik aus, an einer friedlichen Lösung des Ukraine-Kriegs nicht interessiert zu sein, und brachte sich damit selbst unter Druck. Dass angeblich Drittländer wie die Türkei und gewisse Golfstatten Wadephul in New York zu einem Gespräch mit Lawrow drängten, war für Wadephul der gute Grund, sich auf ein Gespräch einzulassen. Imagepflege war der wahre Grund. Es ging Wadephul wohl primär darum, Vorwürfen aus Teilen der deutschen Bevölkerung und der Opposition entgegenzuwirken, wonach das Kabinett Merz kein Interesse an einer diplomatischen Lösung des Konflikts zeige. Lawrow hat das begriffen – und entsprechend sauer reagiert. 

Es drängt sich der Eindruck auf, dass manchem Akteur der laute öffentliche Wirbel um die Treffen in Baku und New York nicht ganz ungelegen kam, damit eigene, weit diskretere Sondierungen im Schatten des medialen Lärms untergehen. Möglicherweise bereiten gewisse Kreise im Berliner Establishment hinter den Kulissen bereits eine völlig neue Außenpolitik für die Ära nach Merz und Wadephul vor. In den kommenden Wochen bieten sich in Wien und Minsk weitere Gelegenheiten für solche informellen, diskreten Kontakte.

Die heftigen Vorwürfe, die Außenminister Wadephul regelmäßig in Richtung Moskau schleudert – namentlich die angebliche totale Verweigerungshaltung der russischen Seite –, wirken ohnehin müßig. Solange Berlin selbst die offizielle Strategie verfolgt, die Verhandlungsposition Kiews primär durch immer neue Waffenlieferungen zu verbessern, bleibt die diplomatische Rhetorik auf beiden Seiten reine Schaufensterpolitik ohne Willen zum Kompromiss. 

Ausblick: Ein harter Winter für die Ukraine

Der Ausblick auf die kommenden Monate verheißt nichts Gutes. Die regnerische Übergangszeit wird schon in wenigen Wochen beginnen und geht danach in den typisch nasskalten Winter des ukrainischen Südens über. Mit Schlamm und tiefen Temperaturen wird die Front im Spätherbst weitgehend erstarren. Erst im Januar oder Februar ist mit echten Kaltwetterperioden und andauerndem, tiefem Frost zu rechnen, der den Boden so weit durchfrieren lässt, dass größere militärische Bewegungen abseits der befestigten Straßen wieder möglich werden. Die feucht-kalten Winter im Süden der Ukraine werden auch Drohnen-Einsätze erschweren. 

Die entscheidende Schlacht dieses Winters wird jedoch nicht nur in den Schützengräben des Donbass geschlagen, sondern im ukrainischen Hinterland. Der Zustand der kritischen Infrastruktur des Landes ist nach den unaufhörlichen russischen Angriffen hochgradig fragil. Insbesondere jene Betriebe, welche essenzielle Dienstleistungen – Strom, Fernwärme, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung – erbringen, stehen vor dem Kollaps. Wenn die Temperaturen dauerhaft unter den Gefrierpunkt sinken, droht der Ukraine eine humanitäre und infrastrukturelle Zerreißprobe, deren Ausgang die politische Dynamik des gesamten Konflikts im Frühjahr 2027 massiver beeinflussen könnte als jede militärische Operation.

Anmerkungen: 

  1. Laut den offiziellen Angaben der Zentralen Wahlkommission errang die Partei „Geeintes Russland (ER)“, welche den Kurs der Regierung Putin uneingeschränkt unterstützt, ca. 59% der abgegebenen Stimmen. Weiter werden die Kommunistische Partei (KPRF, ca. 13,8% der Stimmen), die LDPR (Liberaldemokratische Partei, 9%) und die Partei „Nowyje Ljudi“ (Neue Leute, 8%) in der Duma vertreten sein. Eine unabhängige Wahlbeobachtung fand nicht statt. Eine Wahlbeobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) war gar nicht erst eingeladen worden. Siehe „Russian Federation continues to violate international commitments in a worrying pattern failing to invite OSCE observers to parliamentary elections“ auf der Homepage des OSCE Office for Democratic Institutions and Human Rights, 06.08.2026, online unter https://odihr.osce.org/odihr/667020. Exilrussen und europäische Denkfabriken schlussfolgerten auch ohne Fakten, dass das Fehlen unabhängiger Augen gezielt genutzt geworden sei, um die Wahlen zu manipulieren. Siehe „Duma-Wahl in Russland: Kreml-Partei erhält Rekordzahl an Parlamentssitzen“, bei tagesschau.de, 21.09.2026, online unter https://www.tagesschau.de/ausland/asien/wahlergebnis-duma-russland-100.html. Die Deutsche Welle titelte gar „Keine Überraschung: Putins Partei gewinnt Wahl in Russland“, bei Deutsche Welle, 21.09.2026, online unter https://www.dw.com/de/russland-parlamentswahl-duma-wladimir-putin-geeintes-russland/a-79350176, obwohl Wladimir Putin offiziell parteilos ist. Er ist kein Mitglied einer politischen Partei. 
  2. In der US-Politik wird ein Politiker oder eine Politikerin als „Lame Duck“ (lahme Ente) bezeichnet, wenn die Amtszeit bald endet, aber der Nachfolger oder die Nachfolgerin bereits gewählt oder bestimmt ist. Im weiteren Sinn beschreibt der Begriff Amtsträger, die sich in einer Phase politischer Schwäche befinden, weil ihre Macht und ihr Einfluss stark schwinden.
  3. Siehe „Drohnenanschlag am Flughafen. Spur führt direkt zu russischem Geheimdienst GRU“, bei Mitteldeutscher Rundfunk, 13.09.2026, online unter https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/ermittlungen-anschlag-russischer-geheimdienst,drohne-leipzig-122.html. Vgl. „Versuchter Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle. Entschlossenes Vorgehen gegen hybriden Angriff“, auf der Homepage der deutschen Bundesregierung, 04.09.2026, online unter https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/reaktion-angriff-leipzig-2451522. Lennart Pfahler, Ibrahim Naber, Alexander Dinger, Richard Holmes: Putins Helfer. Die Spur des Leipzig-Drohnenanschlags führt zu diesem Mann, bei Die Welt, 02.10.2026, online unter https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6abe10aa056c45024e212722/russland-die-geheime-gru-operation-die-deutschland-und-europa-ins-visier-nimmt.html. Vgl. eine abweichende Darstellung, welche Bezug auf die deutsche Innenpolitik nimmt, von Kate Connolly: Leipzig airport attack fallout exposes Germany’s deepening divide over Russia, bei The Guardian, 02.09.2026, online unter https://www.theguardian.com/world/2026/sep/02/leipzig-airport-attack-fallout-lays-bare-germanys-polarisation-on-russia. 
  4. Zur Geschichte der nuklearen Teilhabe siehe „Nukleare Teilhabe“ bei Atomwaffen A bis Z, online unter https://www.atomwaffena-z.info/glossar/n/n-texte/artikel/5cf90cc292a8c970f6cb5efc1b365c74/nukleare-teilhabe.html. Völkerrechtliche Beurteilung: Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Nukleare Teilhabe und Völkerrecht, Sachstand WD 2 – 3000 – 089/08, 28.08.2008, online unter https://www.bundestag.de/resource/blob/702548/6fb86fa9f93b5ba418250061ea7d1b2e/WD-2-089-08-pdf-data.pdf. Eine aktuelle Beurteilung der deutschen Beteiligung: „Die nukleare Teilhabe in der NATO“, auf der Homepage des Bundesministeriums für Verteidigung, 14.06.2021, online unter https://www.bmvg.de/de/aktuelles/die-nukleare-teilhabe-in-der-nato-5093218. Zur Kritik daran siehe u.a. Rolf Mützenich: Nukleare Teilhabe – ein überholtes Konzept, auf der Homepage der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, online unter https://www.rolfmuetzenich.de/publikation/nukleare-teilhabe-ueberholtes-konzept. Vgl. auch Otfried Nassauer: Nur eine Frage der Verfügungsgewalt? Die neue NATO-Strategie, der Nichtverbreitungsvertrag und die Nukleare Teilhabe, bei Berlin Information Center for Transatlantic Security, März 2000, online unter https://www.bits.de/public/researchreport/rr00-2.htm. Vgl. „Die Rezepte des Kalten Kriegs funktionieren heute nicht mehr“, bei Global Bridge, 07.03.2023, online unter https://globalbridge.ch/die-rezepte-des-kalten-kriegs-funktionieren-heute-nicht-mehr/. 
  5. Siehe Live UA Map, online unter https://liveuamap.com/en/time/30.09.2026. 
  6. Ebd.
  7. Ebd.
  8. Die Raffinerie Mozyr/Mazyr arbeitet derzeit unter Vollauslastung im Schichtbetrieb. Sie verarbeitet im Auftrag russisches Rohöl aus der Druschba-Pipeline direkt zu Benzin und Diesel für den russischen Markt. Die Kraftstoffexporte nach Russland haben sich vervielfacht, zeitweise um das 25-fache. Am 23. Juli 2026 hat der Rat der Europäischen Union die Raffinerie Mazyr offiziell auf seine Sanktionsliste gesetzt. Siehe Charles Kennedy: Belarus Refineries Post Decade-High Profits Amid Russia’s Fuel Crisis, bei Oilprice.com, 09.09.2026, online unter https://oilprice.com/Latest-Energy-News/World-News/Belarus-Refineries-Post-Decade-High-Profits-Amid-Russias-Fuel-Crisis.html. Vgl. „Lukaschenkos Doppelspiel: Belarus will nicht kämpfen – aber kräftig an Moskaus Krieg verdienen“, bei Tages Anzeiger, 02.06.2026, online unter https://www.tagesanzeiger.ch/belarus-ueber-500-betriebe-in-russische-kriegsmaschinerie-eingebunden-568595415010. Insofern gleicht Lukaschenkos Vorgehen jenem von Friedrich Merz und anderen. 
  9. Die entsprechenden Berichte in westlichen Medien beruhen im Wesentlichen auf Mitteilungen der ukrainischen Nachrichtendienste. Eine unabhängige Quelle aus Vietnam: Báo Tin Tức: Ukraine accuses Belarus of supporting Russian drone strikes deep into western Ukraine, bei Vietnam.vn, 19.09.2026, online unter https://www.vietnam.vn/en/ukraine-cao-buoc-belarus-ho-tro-uav-nga-tan-cong-sau-vao-mien-tay. Aus Polen: Maria Kamińska: Belarus reportedly reactivates signal relays used by Russian deep-strike drones, bei TVP World, online unter https://tvpworld.com/95464238/belarus-reactivates-signal-relays-used-by-russian-drones-to-strike-deep-inside-ukraine. Völkerrechtlich ist die Nutzung von Fernmeldeeinrichtungen durch Kriegführende auf dem Gebiet neutraler Staaten primär durch das Haager Abkommen von 1907 über die Rechte und Pflichten der neutralen Mächte und Personen im Falle eines Landkriegs geregelt. Die Regelung basiert auf einer strikten Unterscheidung zwischen der Errichtung neuer militärischer Infrastruktur, welche verboten ist, und der Nutzung bereits bestehender, öffentlich zugänglicher Kommunikationsnetze, wie sie heutzutage Mobiltelefon-Einrichtungen darstellen. Ob Russland seit Februar 2022 neue Anlagen in Belarus errichtete, ober bestehende nutzt, ist nicht abschließend geklärt. Neutrale Staaten sind gemäß Haager Abkommen grundsätzlich nicht verpflichtet, die Nutzung vorhandener Telegrafen-, Telefon- oder Funkanlagen durch Kriegführende zu untersagen, unabhängig davon, wem diese gehören. Die Ukraine könnte aber Gleichbehandlung und damit die Nutzung für Angriffe gegen russisches Territorium fordern. Siehe grundsätzlich dazu Evelyne Schmid: Neutralität im Völkerrecht: freiwillig, kooperativ, keine Waffenlieferungen, bei De Facto, 28.05.2025, online unter https://www.defacto.expert/2025/05/28/neutralitaet-im-voelkerrecht-freiwillig-kooperativ-keine-waffenlieferungen/. Das sogenannte Tallinn Manual 2.0 des NATO-Cyber-Abwehrzentrums versucht das bestehende Völkerrecht auf den Cyberraum anzuwenden und widerspiegelt die Rechtsauffassungen des Westens. 
  10. Siehe Live UA Map, online unter https://liveuamap.com/en/time/30.09.2026
  11. Grundsätzlich sind Pfeiler, Brückenbögen und Widerlager diejenigen Bauteile einer Brücke, die ein Angreifer treffen muss, um deren definitive Zerstörung herbeizuführen. Die Lage dieser Bauteile und die Präzision von Abstandswaffen und Fliegerbomben machten ein solches Vorhaben bisher schwierig. Allerdings könnten lange anhaltende Napalm-Brände an tragenden Bauteilen nachhaltigen Schaden anrichten, weil Temperaturen von mehreren hundert °C die Festigkeit von Beton reduzieren. Möglicherweise versuchen die Russen genau dies in den nächsten Tagen. 
  12. Siehe Philine Ehmler: Iskander-1000-Rakete. Angriffe auf Kiew: Russland erhöht die Reichweite, bei Focus.de,  28.08.2026, online unter https://www.focus.de/politik/ausland/mit-einer-um-160-kilometer-erweiterten-reichweite-feuern-die-russen-erstmals-ihre-neue-ballistische-rakete-iskander-1000-auf-die-ukraine-ab_a625063e-c76e-4e86-825c-ff91d6af2162.html. Vgl. Chris Panella: Ukraine says Russia used its upgraded, longer-range ‚Iskander-1000‘ missile in a bombardment of Kyiv, beiBusiness Insider, 27.08.2026, online unter https://www.businessinsider.com/ukraine-says-russia-fired-longer-range-iskander-1000-missile-2026-8. Siehe auch „Российский «Искандер-1000» наносит удар по Киеву, обходя американские Patriot“ (Russisches „Iskander-1000“-System trifft Kiew und umgeht US-Patriot-Systeme) bei Firstpost, 27.08.2026, Video auf YouTube, online unter https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=alKBF0a_LoQ&t=29, in russischer Sprache. 
  13. Siehe Chris Humbs, Markus Pohl: Geheimtreffen in Baku. Was besprechen Platzeck und Pofalla mit Putin-Getreuen? bei Kontraste,16.07.2026, online unter https://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/diktaturen/geheimtreffen-in-baku-pofalla-und-platzeck.html. Vgl. Chris Humbs, Markus Pohl: Deutsche Schattendiplomatie. Hintertür nach Moskau? bei tagesschau.de, 16.07.2026, online unter https://www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/baku-russland-putin-deutschland-geheimtreffen-100.html. Siehe Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7687, 21. Wahlperiode, 21.08.2026, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Gerold Otten, Dr. Malte Kaufmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD – Drucksache 21/7439 – Deutsch-russische Geheimtreffen ehemaliger Spitzenpolitiker aus CDU und SPD in Baku, online unter https://dserver.bundestag.de/btd/21/076/2107687.pdf. 
  14. Siehe „Außenminister in New York. Wadephul trifft überraschend Lawrow“, bei tagesschau.de, 26.09.2026, online unter https://www.tagesschau.de/ausland/europa/wadephul-treffen-lawrow-100.html. „Außenminister gibt im ZDF mehr Einblicke. Wadephul: Gespräch mit Lawrow war „lebhaft und intensiv“, bei zdfheute, 27.09.2026, online unter https://www.zdfheute.de/politik/wadephul-treffen-lawrow-ukraine-krieg-russland-100.html. Paul-Anton Krüger, Timo Lehmann und Severin Weiland: Deutsch-russische Zusammenkunft in New York. Was Wadephul bezweckte, als er Lawrow traf, bei Spiegel, 29.09.2026, online unter https://www.spiegel.de/politik/deutschland/johann-wadephul-mit-sergej-lawrow-in-new-york-was-der-aussenminister-mit-seinem-sensationstreffen-bezweckte-a-ed7bb27b-707b-4fce-aeb1-931e38fc9f70. 
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