Nach Afghanistan, Irak, Syrien, Gaza, Westjordanland, Jemen, Libyen, Somalia, Sudan … Der Angriff auf den Iran – die große Zerstörung!
(Red.) Karin Leukefeld, die als freischaffende Journalistin viele Jahre in Syrien gelebt hat und auch gerade jetzt wieder in Beirut war, erklärt, wie die USA mit ihrer Finanzpolitik in ungeliebten Ländern Wirtschaftskrisen und Unruhen erzeugen, um einen sogenannten Regime-Change vorzubereiten, und wie jetzt die USA und Israel entgegen allen völkerrechtlichen Regeln ein Land angegriffen haben und mit ihrer militärischen Übermacht zu zerstören versuchen. (cm)
Ende Dezember 2025 verlor die iranische Währung über Nacht dramatisch an Wert, was zu Protesten der Händler und der Bevölkerung führte. Hintergrund war eine Verknappung des US-Dollars im Iran, die das US-Finanzministerium mit einer Manipulation auslöste. Darauf wies US-Finanzminister Scott Bessent Mitte Februar 2026 in einer Anhörung im US-Kongress hin. Als er gefragt wurde, was die US-Administration mehr tun könne, um den Iranern gegen die islamische Regierung in Teheran zu helfen, sagte er, die Verknappung des US-Dollar im Iran habe sich „im Dezember zugespitzt, als eine der größten Banken im Iran pleite ging“. Die iranische Währung habe sich „im freien Fall“ befunden“. Die Inflation sei explodiert und man habe gesehen, wie die Iraner auf die Straße gingen. Geld sei „wie verrückt“ ins Ausland überwiesen worden, so der Finanzminister: „Die Ratten verlassen das (sinkende) Schiff und das ist ein gutes Zeichen dafür, dass sie wissen, dass das Ende nah sein könnte.“
Der katarische Nachrichtensender Al Jazeera English berichtete, Bessent habe bereits zuvor am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos gegenüber dem US-Fernsehsender Fox erklärt, wie die US-Sanktionen die Demonstrationen im Iran mit ausgelöst hätten. (Präsident) Trump habe „das Finanzministerium angewiesen (…) maximalen Druck auf Iran auszuüben, es hat funktioniert“, so der US-Finanzminister. „Im Dezember ist ihre Wirtschaft zusammengebrochen, sie konnten keine Importe mehr finanzieren, darum sind die Leute auf die Straße gegangen.“
Ausländische Geheimdienste in Aktion
Einflussnahme von verschiedenen ausländischen Geheimdiensten sorgten dafür, dass die ursprünglich friedlichen Proteste, die von der iranischen Regierung als „gerechtfertigt“ bezeichnet worden waren, in Gewalt umschlugen. Die Brände in Moscheen, Polizeistationen und Einrichtungen des Zivilschutzes sowie die gezielte Ermordung von Polizeibeamten und Zivilschutzkräften zwangen die staatlichen Sicherheitsbehörden, mit massiver Gewalt gegen die Proteste vorzugehen. US-Präsident Trump versprach den Demonstranten, „mit geladener Waffe“ hinter ihnen zu stehen und sie zu unterstützen. Schließlich gelang es den iranischen Behörden, das Internet als auch die von den Auslandsgeheimdiensten geförderten Satellitenverbindungen zu Starlink zu blockieren. Die gewaltsamen Proteste wurden niedergeschlagen, die friedlichen Proteste ebbten ab.
Ende Januar teilten die Iranischen Revolutionsgarden, IRGC, mit, dass 10 ausländische Geheimdienste die Aktionen mit gefördert haben. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete über die IRGC-Erklärung, wonach es sich um einen „US-Israelischen Plan“ gehandelt haben solle, der nach dem 12-Tage-Krieg im Juni 2025 über eine ausländische „Kommandozentrale“ umgesetzt werden sollte. Belege dafür seien nicht vorgelegt worden, so Xinhua.
Ebenfalls Ende Januar begannen die USA ihre Marine Richtung Iran zu verlegen. Frachtflugzeuge trafen auf den verschiedenen US-Militärbasen in den arabischen Golfstaaten, Jordanien, Israel und Türkei ein. Die zwei größten US-Flugzeugträger – USS Abraham Lincoln und USS Gerald R. Ford – wurden vor die Küste des Iran und in den östlichen Mittelmeerraum beordert.
Im gleichen Zeitraum wurden die von den USA illegal errichteten Militärbasen in Syrien innerhalb von Wochen geräumt, zahlreiches Personal wurde verlegt oder zurück in die USA geschickt. Die bisher unter kurdisch-US-amerikanischer Kontrolle stehenden Lager für Familien von IS-Kämpfern im Nordosten Syriens und von Gefängnissen, in denen IS-Kämpfer inhaftiert waren, wurden aufgelöst. Rund 6000 IS-Kämpfer wurden in den Irak überführt, der diesen Kämpfern nun den Prozess machen soll. Die chaotischen Zustände bei der Auflösung des Lagers Al Hol führten dazu, das Hunderte IS-Angehörige einfach davonliefen. Die Al-Sharaa-Verwaltung in Damaskus gab an, nicht zu wissen, wohin die Menschen sich abgesetzt hätten.
USA – Maximaler Druck auf die ganze Region
Mit ihrem Sonderbeauftragten für Syrien und Libanon, dem US-Botschafter in der Türkei Tom Barrack, erhöhten die USA ständig den politischen Druck auf Libanon und Syrien, um mit Israel ein Normalisierungsabkommen zu unterzeichnen. Die irakische Regierung wurde von den USA über Tom Barrack ebenfalls unter Druck gesetzt, ein Abkommen über die irakischen Ölquellen von West Qurna 2 mit dem US-Konzern Chevron zu unterzeichnen. Bisher hatte in West Qurna 2 das russische Ölunternehmen Lukoil gearbeitet. Die USA verhängten Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil, so dass das Unternehmen sich aus West Qurna 2 zurückziehen muss.
Gleichzeitig drohten die USA auch mit Sanktionen gegen Irak, sollte der von der schiitischen Mehrheitsfraktion im irakischen Parlament ernannte Präsidentschaftskandidat Nouri al-Maliki zum Präsidenten gewählt werden. Washington will den scheidenden Präsidenten Mohammed Shia al-Sudani in einer zweiten Amtszeit sehen. Die Drohung von Sanktionen wurden durch die aufziehende US-Flotte vor dem Persischen Golf verschärft. Der so in die Enge getriebene Al-Sudani kam den USA so weit entgegen, dass das US-Öl-Unternehmen Chevron die bisherigen Anteile von Lukoil des West Qurna 2 Ölfelds übernimmt. Die Frage der Präsidentschaftswahl ist weiter unklar.
Run-up to the war – Dem Krieg entgegen
Parallel zum militärischen Aufmarsch gegen Iran nehmen die USA unter Vermittlung von Oman neue Gespräche über das iranische Atomprogramm mit dem Iran auf. Ein erstes Treffen findet Anfang Februar in Muskat, der omanischen Hauptstadt statt. Es folgt ein Treffen in Genf am 26. Februar. An diesem Tag rückt der US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford vom NATO-Hafen bei Kreta weiter Richtung östliche Mittelmeerküste vor. Die Führung im Iran protestiert wie in den vergangenen Wochen gegen die militärische Bedrohung. Washington erklärt, man wolle die Gespräche, die Diplomatie, durch militärische Stärke zu einem erwünschten Ende bringen.
Unmittelbar nach den Gesprächen in Genf reist der omanische Außenminister nach Washington, um mit dem stellvertretenden US-Präsidenten JD Vance das weitere Vorgehen – wie auch mit Iran – zu besprechen. Geplant ist ein Treffen bei der IAEO in Wien, um technische Gespräche über das iranische Atomprogramm zu führen. Die über Erklärungen verbreitete Stimmung wirkt positiv. Es ist der 27. Februar.
Hochkonjunktur für „Experten“
In der Nacht zum 28. Februar liest die Autorin im Internet-Magazin Politico eine Zusammenfassung von Aussagen verschiedener US-amerikanischer „Experten“ zum „Ausgang eines Krieges gegen den Iran“. Dieser stehe „kurz bevor“, weil Trump mit der massiven militärischen Drohkulisse von Iran fordere, sein Atomprogramm aufzugeben. Die „Experten“ sollen sich „zu potentiellen Vorteilen und Risiken einer möglichen Militäraktion gegen Iran“ äußern. Politico zufolge zeichnen sich die befragten „Experten“ durch „diplomatische Erfahrung“, „akademische Qualifikationen“ sowie einen (beruflichen) „Hintergrund in den Bereichen Sicherheit und Nachrichtendienst“ aus.
Ryan Crocker, ehemaliger US-Botschafter in Afghanistan, Irak, Pakistan, Syrien, Kuwait und Libanon, geht davon aus, dass der Iran nicht auf die Trump’schen Forderungen eingehen wird. Der Karrierediplomat, der für verschiedene US-Think-Tanks schreibt und spricht, geht davon aus, dass Trump die militärischen Operationen „ausweiten“ werde. Ziel sei, die Raketenfähigkeiten des Iran anzugreifen, um die Führung zu schwächen. Sollte „das Regime stürzen“, so Crocker, könnten „unbekannte Militärs die Macht übernehmen“. Innenpolitisch sieht Crocker „weit verbreitete Gewalt“ kommen.
Jonathan Panikoff vom Atlantic Council und ehemaliger stellvertretender nationaler Geheimdienstbeauftragter für den Nahen Osten, sagt, dass Präsident Trump weder klare Ziele noch eine konkrete Strategie habe. Militärisches Vorgehen berge „ernsthafte Risiken“ (für die USA) und werde nicht zur Verhaftung des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei führen. Sollte die iranische Führung sich bedroht fühlen, seien auch „Terror- und Cyberangriffe auf der ganzen Welt“ möglich.
Dennis Ross, ehemaliger US-Sonderbeauftragter für den Nahen Osten, bezeichnet die Eskalation in der Region als „paradox“, da keine der beiden Seiten einen größeren Krieg wolle. Trump wolle keinen Krieg, der schwer zu beenden wäre und die Ölpreise in die Höhe triebe. Die iranische Führung sei schwach und habe keine ausreichende Luftabwehr. Zudem sei „seine Kontrolle der Bevölkerung im Falle einer Eskalation des Krieges“ gefährdet. Jede Seite habe „rote Linien“ gezogen und treibe ein „Spiel mit dem Feuer“.
Weitere der befragten „Experten“ warnen vor einer „Spirale der Vergeltung“, da es der US-Armee an schlüssigen strategischen Zielen fehle. Trump müsse niemandem gegenüber Rechenschaft ablegen, der Kongress sei ausgeschaltet. Eine andere Einschätzung ist, dass die „übermäßige Arroganz“ von Donald Trump bezüglich der militärischen Überlegenheit gefährlich sein könne. Der Konflikt werde mit militärischen Reaktionen der Iraner – die angekündigt sind – eskaliert, die Region destabilisiert. Robin Wright, Analystin für Außenpolitik und Autorin des New Yorker verweist auf die große Ablehnung des Krieges in den USA, die Trump vermutlich nicht verstanden habe. Zudem gebe es keine Anzeichen dafür, dass die Trump-Administration die „schwerwiegenden historischen Fehler“ von vier vorherigen US-Regierungen in Afghanistan und im Irak, aufgearbeitet und analysiert habe.
Ian Bremmer von der Eurasia Group Security Affairs sieht Trump „entschlossen, in den Krieg zu ziehen“. Er fühle sich ermutigt nach der Ermordung des iranischen Generals Qassem Soleiman (am Flughafen von Bagdad am 3.1.2020) mit einer US-Drohne und nach dem 12-Tage-Krieg gegen Iran, den die USA mit Israel im Juni 2025 gestartet hatten. Auch die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seiner Frau aus dem Präsidentenanwesen in Caracas fünf Jahre später, am 2.1.2025, beflügele Trump. Vermutlich wolle er „begrenzte Angriffe“ der US-Armee durchführen, um für die eigenen Truppen kein großes Risiko einzugehen. Trump gehe davon aus, dass Israel alle Verbündeten des Iran in der Region militärisch kontrolliere. Allerdings könnten auch die eindeutigen Drohungen der USA gegen die politische Führung des Iran dazu führen, dass der Iran US-Militärbasen und Energieinteressen in der Region angreifen werde. Eine Sperrung der Straße von Hormus sei möglich.
Keiner der „Experten“ spricht über den „Elefanten im Raum“, der Israel heißt. Dessen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu drängt die USA seit Jahrzehnten zu einem Krieg gegen Iran, weil dieser in kurzer Zeit über Atomwaffen verfügen werde. Netanyahu bezeichnet Iran als „Fluch“ und das „Reich des Bösen“ und wirbt für sich und sein Ziel, „Groß-Israel“ auf die gesamte Region auszudehnen. „Im Interesse der USA und des Westens“ kämpfe Israel gegen dieses „Böse“ und sei in seinem „Krieg an sieben Fronten“ in den letzten zwei Jahren sehr erfolgreich gewesen. Die israelische Dämonisierung Irans und seines religiösen Führers Ali Khamenei fällt vor allem in Deutschland auf fruchtbaren Boden. Der deutsche Bundeskanzler Merz beglückwünschte Netanyahu während des 12-Tage-Krieges im Juni 2025 dafür, dass Israel „die Drecksarbeit für uns alle“ mache.
Der lange Krieg geht weiter
Die Autorin hat den Libanon am Tag der US-israelischen Aggression auf den Iran in den frühen Morgenstunden per Flugzeug verlassen. Um 7:23 Uhr (8:23 Ortszeit Beirut) trifft per E-Mail die Nachricht ein: „Israel hat das Hauptquartier von Khamenei gerade angegriffen“. In den folgenden Nachrichten eines Kollegen heißt es, Trump habe angekündigt, sein Land werde „das iranische Raketenprogramm zerstören, die iranische Raketenindustrie dem Erdboden gleichmachen und die iranische Flotte auslöschen“. Es folgen Auszüge aus einer Stellungnahme des US-Präsidenten Trump: Mitglieder der Revolutionsgarden, der Streitkräfte und der Polizei würden „volle Immunität“ erhalten, wenn sie ihre Waffen niederlegten, andernfalls drohe ihnen der Tod. Das iranische Volk solle „in Schutzräumen und zu Hause bleiben“, da „überall Bomben fallen werden”. Dies sei „die einzige Chance für das Volk, die Regierung zu übernehmen”. Die Führung der iranischen Revolutionsgarde erklärt: „Der Iran wird innerhalb der nächsten Stunden auf den Angriff auf sein Territorium reagieren.“
„Wird es wieder Krieg geben“, überlegten alle Gesprächspartner der Autorin im Libanon in den vergangenen Wochen. Man wolle und brauche Frieden, Krieg habe es genug gegeben. Dort, wo Politiker wie Trump und Netanyahu und viele ihrer Partner sich bewegen, gibt es Frieden nicht. Die Geschäfte laufen nur, wenn es Krieg gibt.
Und Krieg ist garantiert, wenn diejenigen, die ihr Land, ihr Volk, ihr Recht auf Selbstbestimmung, Souveränität und territoriale Integrität verteidigen – wie es die UN-Charta vor 80 Jahren zukünftigen Generationen zugesagt hatte – als „Terroristen“ diffamiert, bedroht und getötet werden können.
Straffrei wird deren Land besetzt, werden die Häuser, Dörfer, Felder und Städte von Millionen Menschen angegriffen und verwüstet.
Wie die Kriege gegen Palästina und andere zeigen, werden die Länder zu Schlachtfeldern und zum Labor für das Austesten neuer Waffensysteme und Kriegsstrategien. Meister darin ist Israel, das in Person des Ministerpräsidenten seine „Verteidigungsarmee“ ganz offen für die gewaltsame Neuordnung Westasiens anbietet. Im Gegenzug liefern die „Partner“ Geld und Waffen und halten politisch immer die schützende Hand über Israels Regierung.
Krieg gegen Iran – offener Bruch des internationalen Rechts
Die Residenz des obersten Führers im Iran, Ali Khamenei gehörte am 28. Februar zu den ersten Angriffszielen der israelischen Luftwaffe. In der Nacht zum 1. März teilte der Iran offiziell mit, dass Khamenei mit seiner Tochter und weiteren Angehörigen bei dem Angriff getötet worden war. Trotz der anhaltenden israelischen und US-amerikanischen Luftangriffe auf Iran strömten Millionen Menschen auf die Straßen, um Khamenei zu betrauern. Ein 40-tägige Trauerzeit wurde ausgerufen.
Unmittelbar nach dem US-israelischen Angriff reagierte der Iran, wie er bereits in den Wochen zuvor angekündigt hatte. Sollte das Land von den USA und Israel angegriffen werden, werde man sofort zurückschlagen. Ziel seien neben Israel die US-Kriegsschiffe sowie US-Militärbasen und US-Interessen in der Region.
„Der Krieg ist jetzt überall“, teilt ein Kollege per E-Mail mit. US-Militärbasen würden überall angegriffen: „Jordanien, Irak, Saudi Arabien, Bahrain, in den Emiraten.“ Auch Kuwait. Danach bleibt die E-Mail-Box lange leer.
Wer in der Nacht zu Sonntag (1. März 2026) die Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates verfolgte, konnte sich in einer falschen Welt wiederfinden. Angefangen mit dem Vertreter Frankreichs warfen etliche Vertreter des Gremiums dem Iran de facto vor, sich gegen die US-israelischen Angriffe zu wehren. Der US-Vertreter lobte US-Präsident Donald Trump, mit dem Angriff auf Iran die richtige Entscheidung getroffen zu haben, der israelische Vertreter im Sicherheitsrat zeigte gegenüber dem iranischen Vertreter wie schon früher Verachtung. Das iranische Volk wurde gelobt und aufgerufen, die Macht zu übernehmen.
Der Vertreter Irans blieb ruhig und trug die Position seines Landes vor. Iran werde angegriffen und habe das Recht, sich zu verteidigen. Den US-Vertreter forderte er auf, „höflich zu bleiben“, weil das für diesen und für dessen Land besser wäre. Der US-Botschafter reagierte mit den Worten, er werde das nicht mit einer Antwort „würdigen“. Besonders darum nicht, weil der Vertreter (des Iran) in „diesem Gremium sitzt und ein Regime vertritt, das Zehntausende seines eigenen Regimes getötet hat und viele mehr inhaftiert hat, einfach nur dafür, dass sie „Freiheit von Ihrer Tyrannei gefordert haben“. Der Vertreter des Iran verurteilte die Angriffe der USA auf Iran, die „in Koordination mit dem israelischen Regime eine nicht provozierte und vorbereitete Aggression gegen die Islamische Republik Iran“ durchgeführt habe, „zum zweiten Mal in den letzten Monaten“.
Russland trug ausführlich seine Kritik an den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland – das aktuell nicht im Sicherheitsrat vertreten ist – vor und betonte, dass Iran alle Anforderungen der Internationalen Atomenergiebehörde und deren Abkommen einhalte. Die USA hätten in der ersten Amtszeit von Präsident Trump das Atomabkommen verlassen, das 2015 beschlossen worden war.
Iran hat seine „strategische Geduld“ aufgegeben und unmittelbar nach dem ersten Angriff Israels und der USA die US-Militärbasen in der Region, israelische und US-amerikanische Interessen mit Raketen und Drohnen angegriffen. Am Sonntag meldete Israel neun Tote und das US-Pentagon den Tod von mindestens drei US-Soldaten. Angaben, wonach iranische Raketen ein hochmodernes Radarsystem auf der US-Militärbasis Al Udaid (Katar) zerstört und den Flugzeugträger Abraham Lincoln getroffen hätten, wurden nicht bestätigt bzw. vom US-Zentralkommando CENTCOM zurückgewiesen. Öltanker durchfahren die Straße von Hormuz derzeit nicht. Aufgrund der Gefahrenlage haben die internationalen Versicherungen die Ölunternehmen davor gewarnt.
Israelische oder US-amerikanische Raketen zerstörten eine Mädchenschule in Minab, im Südiran. Dabei wurden nach iranischen Angaben mindestens 165 Kinder getötet und mehr als 105 wurden verletzt. Ebenfalls getroffen wurde das Gandhi-Krankenhaus im Norden von Teheran, das evakuiert wurde, wie iranische Medien zeigten. Israel gab an, keine Ahnung zu haben, wer die Einrichtungen bombardiert habe.
Die Medien sind voller Kriegspropaganda und psychologischer Kriegsführung. Analysen iranischer Wissenschaftler, Politiker und Journalisten kommen in westlichen Medien nicht vor. Mahnungen von UN-Offiziellen, sich an die UN-Charta zu halten, wonach militärische Drohungen gegen andere UN-Mitgliedsstaaten nicht zulässig sind, werden von den angreifenden Staaten Israel und USA ignoriert und auch von der Presse der jeweiligen Länder wird kaum darüber berichtet.
Dass die E3-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien in einer gemeinsamen Erklärung den Iran der Eskalation beschuldigen und weder die USA noch Israel darin kritisiert werden, macht vor allem eines deutlich: diese Regierungen unterstützen die Aggression der beiden Atommächte gegen den Iran, der weder über Atomwaffen verfügt noch diese anstrebt und der durch Angriffe beider Staaten und durch eine seit Jahrzehnten anhaltende wirtschaftliche Sanktionspolitik der USA in große Armut gestürzt wurde. Das geschah absichtlich, wie die anfangs zitierte Darstellung des US-Finanzministers deutlich macht: man will die iranische Führung stürzen und zwar dadurch, dass man die Bevölkerung in Armut treibt, damit diese dann den Sturz der Regierung erzwingen soll. Einseitige wirtschaftliche Strafmaßnahmen sind völkerrechtlich unzulässig, wie zahlreiche Resolutionen der UN-Vollversammlung zeigen, die von der Mehrheit der UN-Mitgliedsstaaten getragen werden. Die Staaten, die sie gegen andere einsetzen, sind die reichen westlichen Industriestaaten, die betroffene Staaten und Regierungen unterwerfen wollen. Diese einseitigen Zwangsmaßnahmen brechen seit Jahrzehnten das internationale Recht. (Hervorhebung durch die Redaktion.)
Der Krieg weitet sich aus
In der Nacht zu Montag feuert die libanesische Hisbollah Raketen und Drohnen auf eine israelische Rüstungsanlage südlich von Haifa. In einer Erklärung der Organisation heißt es, der Angriff auf die Raketenabwehreinrichtung Mishmar al-Karmel sei ein „Vergeltungsschlag für den Tod des obersten iranischen Revolutionsführers Sayyed Ali Khamenei und in Verteidigung des Libanon und seiner Bevölkerung“ erfolgt. Es sei eine Antwort auf die anhaltenden israelischen Angriffe. Israel dürfe nicht länger „seine seit fünfzehn Monaten anhaltenden Angriffe fortsetzen, ohne eine warnende Antwort zu bekommen. Es muss seine Aggression stoppen und sich von den besetzten libanesischen Gebieten zurückziehen“, so die Hisbollah.
Israel reagierte prompt mit massiven Luftangriffen auf Wohngebiete im südlichen Beirut. Mehr als zehn Mal wurden die Stadtviertel Haret Hreik, Jammous und Burj al-Barajneh bombardiert. Dabei wurden 20 Personen getötet und 91 verletzt. Bei weiteren Angriffen auf Orte im südlichen Libanon wurden weitere 11 Menschen getötet und 58 wurden verletzt. Die Zahlen könnten sich noch erhöhen, teilte das libanesische Gesundheitsministerium am Morgen mit.
Die israelische Armeeführung forderte die Bewohner von mehr als 50 Orten im Südlibanon auf, ihre Dörfer zu verlassen und sich mindestens 1 km von dort weg zu bewegen. Es folgte ein Liste von Orten, die Israel bombardieren werde. Angestellte eines Krankenhauses im Bezirk Mays al Jabal erhielten auf ihren Mobiltelefonen Warnungen der israelischen Armee, die Klinik werde angegriffen. Libanesische Sicherheitskräfte evakuierten daraufhin das Krankenhaus und Polizeistationen in mehreren Orten.
Die Menschen flohen zu Tausenden, auf den Straßen bildeten sich lange Schlangen. Wie schon im Krieg 2024 suchten sie Schutz in anderen Orten des Landes und in der Hauptstadt. Die Schulen und Universitäten bleiben vorerst geschlossen, einige Schulen werden Inlandsvertriebene aufnehmen. Die Regierung kam zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, die mit einer Schweigeminute für die Toten begann.
Der Libanon hat wegen der anhaltenden Verletzung libanesischer Souveränität und Angriffen der israelischen Streitkräfte im Januar eine Klage gegen Israel bei den Vereinten Nationen eingereicht. Darin sind allein für Oktober, November und Dezember des vergangenen Jahres 2.036 solcher Vorfälle dokumentiert, die den Waffenstillstand von November 2024 brechen. Der UN-Sicherheitsrat wird mit der Klage aufgefordert, Druck auf Israel auszuüben, seine Angriffe einzustellen und sich aus dem Libanon zurückzuziehen. Israel verletze anhaltend die UN-Sicherheitsratsresolution 1701, die den Krieg zwischen Hisbollah/Libanon und Israel 2006 beendet hatte. Eine Reaktion auf die Klage gab es bisher nicht.
Wie in der gesamten Region bleibt auch der Luftraum des Libanon geschlossen. Zivile Flugzeuge, auch Schiffe werden festgehalten, während die israelischen, US-amerikanischen und britischen Kampfjets – die von der Militärbasis Akrotiri auf Zypern starten – mit ihren Drohnen, Bomben und Raketen freie Flugbahn haben. Offiziell geht es natürlich um die Sicherheit der Bevölkerung, die von Drohnen und Raketen aus Iran und von Verbündeten des Iran bedroht werden. Die allerdings sind nur im Einsatz, weil sie und ihr Land von Israel und den USA angegriffen wurden.
Der Kontext ist wichtig. Und der ist, dass der Iran trotz Zweifel mit den USA verhandelt hat und sich – so der omanische Außenminister, der vermittelte – sehr flexibel zeigte und weitere Gespräche vorgesehen waren. Der Kontext ist auch, dass sämtliche arabischen Golfstaaten, die Arabische Liga und die Organisation islamischer Staaten Washington aufforderten, von militärischen Drohungen und einem Krieg Abstand zu nehmen. Ziel aller Staaten der Region und darüber hinaus war – mit dem Iran – genau das zu vermeiden, was nun geschieht. Es gab nur ein Land in der Region, das den Krieg wollte und mit den USA den Angriff auf Iran startete: Israel. (Hervorhebung durch die Redaktion.)
(Red.) Und was lesen wir in den Schweizer Zeitungen zum Angriff Israels und der USA auf den Iran? Gemäß Eric Gujer, Chefredakteur der NZZ, ist ein Angriff auf den Iran „legitim“ – wörtlich: „Ein Krieg (gegen den Iran, Red.), daran besteht kein Zweifel, ist legitim.“ Und die CH-Media-Zeitungen, all die großen Regionalzeitungen der deutschsprachigen Schweiz, publizierten am Montag, 2. März, auf der Frontseite einen Kommentar von Kurt Pelda aus Tel Aviv, wonach es „Zeit war“, Khamenei „zu beseitigen“. Als Schweizer kann man sich für eine solche Medienlandschaft nur noch schämen. (cm)
PS: … und für jene, die trotz allem noch lachen mögen: In der prominenten Schweizer Radio-Nachrichtensendung „Echo der Zeit“ am Montag um 18 Uhr wurde auch über die Folgen des Krieges auf die Preise von Erdgas und Erdöl berichtet. Der Preis des Öls sei pro Fass bereits „von 70 auf 80 Dollar angestiegen, also ein Plus von gut 7 Prozent“, wurde da gesagt. Rechnen müsste man können … (cm)
PS 2: … und eben ist noch eine Pressemitteilung des Deutschen Friedensrates in Berlin eingetroffen. Wenigstens diese Organisation wagt es auch in Deutschland noch, einen Angriffskrieg wie jenen von Israel und den USA gegen Iran klar zu verurteilen. Hier anklicken.