Auf meinen zahlreichen Recherche-Reisen rund um die Welt war ich, Christian Müller, Herausgeber von Globalbridge.ch, natürlich auch in Südafrika, dort unter anderem unterwegs mit dem dortigen Roten Kreuz. Und wer waren die Ärzte im einmotorigen Ambulanz-Flugzeug «Pilatus PC 12» des «S.A.Red Cross»? Alle drei Ärzte, hier im Foto von Christian Müller, waren Kubaner! Und ist das Zeitalter der kubanischen Ärzte rings um die Welt etwa vorbei? Überhaupt nicht! Im Süden Italiens, in Kalabrien, sind Hunderte kubanische Ärzte im Einsatz ! Der Regionalpräsident sagt, sie seien für die Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens in Kalabrien unverzichtbar, und er lehnt die Forderung Donald Trumps, diese Ärzte aus Italien auszuweisen, kategorisch ab.

«Solidarität mit Kuba bedeutet nicht Philanthropie, sondern Zukunft»

(Red.) Wer es schon versucht hat, weiß es: Die Schweizer Banken verweigern Zahlungen aus der Schweiz nach Kuba. Nicht etwa nur die Schweizer Privatbanken, auch die Postfinance, die dem Staat Schweiz gehört. Damit hilft die Schweiz den USA, die Kuba seit gut 60 Jahren (!) mit Wirtschaftssanktionen wirtschaftlich in die Knie zu zwingen versuchen. Auch der gegenwärtige US-Präsident Donald Trump operiert mit der altbekannten Methode: Man bringt die Bevölkerung mit Wirtschaftssanktionen in Not, dann wächst die Bereitschaft zum Widerstand aus dem innern des Landes, und dann kann man auch militärisch zuschlagen. – Warum soll Kuba nicht versuchen dürfen, ein Wirtschaftsmodell zu pflegen, bei dem das Geld nicht gemäß dem neoliberalen Wirtschaftssystem nach oben, zu den Reichen fließt, wie in den USA, sondern bei der arbeitenden Bevölkerung landet? Ein mexikanischer Philosoph versucht zu erklären, warum die Unterstützung Kubas nicht einfach „Philanthropie“ ist. (cm)

Sich mit Kuba zu solidarisieren ist keine nebensächliche Geste und auch kein sentimentales Bekenntnis in der Rhetorik der Wohltätigkeit, sondern im tiefsten Sinne eine historische Bekräftigung der Zukunft.

Es handelt sich nicht um einen isolierten moralischen Akt, sondern um eine bewusste Praxis, die die Struktur der sozialen Beziehungen gegen den zeitgenössischen Kapitalismus grundsätzlich infrage stellt.

Während die herrschende Ordnung darauf aus ist, alle menschlichen Beziehungen dem kommerziellen Kalkül zu unterwerfen, erweist sich die Solidarität mit Kuba als aktive Negation dieser Logik. Sie zeigt eine Praxis auf, die die konkrete Möglichkeit bietet, das Leben auf anderen Grundlagen zu gestalten. Zusammenarbeit statt Konkurrenz, Würde statt Profit, Gemeinschaft statt Atomisierung.

Denn die kubanische Erfahrung ist weit davon entfernt, ein exotisches Objekt für eine distanzierte Betrachtung zu sein. Vielmehr stellt sie ein Spannungsfeld dar, in dem sich der Klassenkampf auf internationaler Ebene mit besonderer Deutlichkeit ausdrückt. Ihre Beharrlichkeit ist nur vor dem Hintergrund der systematischen Feindseligkeit, der sie ausgesetzt ist, nachvollziehbar: Wirtschaftsblockade, mediale Angriffe, finanzielle Sabotage, diplomatische Isolation.

Diese Formen der Gewalt sind keine Ausnahmeerscheinungen, sondern strukturelle Instrumente einer Wirtschaftsdiktatur, die jeden sozialistischen Versuch bestraft. In diesem Kontext ist Solidarität keine ethische Beigabe, sondern eine strategische Notwendigkeit.

Kuba zu verteidigen bedeutet letztlich, die Möglichkeit selbst zu verteidigen, dass die Völker über ihr Schicksal entscheiden, ohne sich der Diktatur des Kapitalismus in seiner imperialen Phase zu unterwerfen.

Solidarität auf Philanthropie zu reduzieren bedeutet, sie zu entpolitisieren, sie ihres historischen Inhalts zu berauben und sie in eine Geste zu verwandeln, die kompatibel mit der bestehenden Ordnung ist. Die bürgerliche Ausprägung der Philanthropie hinterfragt die Ursachen der Ungleichheit nicht, sondern beschränkt sich darauf, ihre Auswirkungen zu verwalten. Dadurch reproduziert sie die Struktur, die sie vorgibt abzumildern.

Revolutionäre Solidarität bewegt sich hingegen auf dem Terrain der Kausalität. Sie zielt nicht darauf ab, Ungerechtigkeit zu mildern, sondern die Bedingungen zu beseitigen, die sie erzeugen. Deshalb bedeutet Solidarität mit Kuba nicht, aus einer Position der Überlegenheit heraus zu „helfen“, sondern sich in ein und demselben System aus Ausbeutung und Widerstand wiederzuerkennen. Es ist ein Akt der materiellen Identifikation mit einem Kampf, der nationale Grenzen überschreitet. Und das Klassenbewusstsein erfährt durch diese Verbindung eine qualitative Erweiterung.

In einer Welt, in der die herrschende Ideologie die Zersplitterung, die Konkurrenz und den Individualismus fördert, stellt die internationalistische Solidarität die Einheit der Ausgebeuteten als historisches Subjekt wieder her. Dabei handelt es sich nicht um eine moralische Abstraktion, sondern um eine konkrete Vermittlung: Das Verständnis, dass die Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerungen überall auf der Welt von derselben Logik der Akkumulation bestimmt werden, die auf globaler Ebene wirkt.

Somit ist die Verteidigung Kubas keine „externe“ Angelegenheit, sondern ein Aspekt des internen Kampfes gegen die lokalen Formen der Herrschaft.

Die imperiale Ideologieoffensive gegen Kuba zielt genau darauf ab, dieses Verständnis zu verhindern. Mittels medialer Überflutung, Informationsverzerrung und Fabrikation von Verleumdungen wird versucht, die Vorstellung zu etablieren, das kubanische Modell sei in sich ein Fehlschlag, eine Anomalie, die aufgrund ihrer eigenen Natur zum Scheitern verurteilt ist. Diese Darstellung verschleiert bewusst die materiellen Bedingungen, unter denen sich die kubanische Erfahrung entwickelt und ignoriert das entscheidende Gewicht der Blockade und der Aggressionen von außen.

Vor allem aber zielt sie darauf ab, die symbolische Kraft Kubas als revolutionären Bezugspunkt zu schwächen. In diesem Kampf geht es also nicht nur um Wirtschaft oder Politik, sondern auch darum, wie Dinge dargestellt und welche Bedeutungen ihnen beigemessen werden; es geht um den Sinn des Möglichen selbst.

Auf diesem Terrain bekommt Solidarität eine entscheidende kommunikative Dimension. Es reicht nicht aus, die Aggressionen anzuprangern. Vielmehr ist es notwendig, einen Deutungsrahmen zu schaffen, der es ermöglicht, die kubanische Erfahrung in ihrer Komplexität und historischen Dichte zu verstehen. Das bedeutet, mit den von der herrschenden Ideologie auferlegten Kategorien zu brechen und eine Sprache zu entwickeln, die in der Lage ist, die Realität aus der Perspektive der Völker zu benennen. Solidarität wird so zu einer Praxis der Sinnproduktion, zu einer bewussten Intervention im Kampf um die kulturelle Hegemonie.

In seiner konkreten Form repräsentiert Kuba eine gesellschaftliche Organisation, die das Privateigentum an den Produktionsmitteln und die Unterordnung des Lebens unter das Kapital herausfordert. Dieser Versuch ist weder perfekt noch frei von Widersprüchen, aber seine bloße Existenz stellt eine Bedrohung für die herrschende Ordnung dar und wird massiv angegriffen.

Und deshalb erlangt seine Verteidigung einen strategischen Charakter für die Überwindung des Kapitalismus. Die Solidarität ist in diesem Sinn keine Option unter vielen, sondern eine Bedingung für den Aufbau historischer Alternativen. Die revolutionäre Geschwisterlichkeit als Horizont des Neuen darf nicht auf eine leere Parole reduziert werden. Sie ist eine Praxis, die Organisation, Einsatz und theoretische Klarheit erfordert. Sie bedeutet anzuerkennen, dass Emanzipation nicht das Ergebnis isolierter Aktionen sein wird, sondern das Ergebnis eines kollektiven Prozesses, der verschiedene Kämpfe in einem gemeinsamen Projekt verbindet.

In diesem Rahmen darf die Beziehung zu Kuba nicht als unkritische Anhängerschaft verstanden werden, sondern als aktiver Dialog, als eine Interaktion, die es ermöglicht, aus seinen Errungenschaften und Schwierigkeiten zu lernen und diese Erfahrung in eine umfassendere Perspektive der sozialen Transformation zu integrieren. Denn die Zukunft, die sich in der Solidarität mit Kuba manifestiert, ist kein abstraktes Versprechen, sondern eine in den Widersprüchen der Gegenwart verankerte Möglichkeit.

Dort, wo der Kapitalismus seine Grenzen zeigt – in Form wiederkehrender Krisen, wachsender Ungleichheit, Umweltzerstörung –, entsteht die Notwendigkeit, alternative Lebensformen zu entwickeln und aufzubauen. Kuba verkörpert mit all seinen Spannungen eine dieser möglichen Formen. Es zu verteidigen bedeutet daher, die Offenheit der Geschichte gegenüber dem vom Kapitalismus auferlegten Ende der Geschichte zu verteidigen. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

Die revolutionäre Solidarität mit Kuba ist eine Form der historischen Selbstverteidigung. Es geht nicht nur darum, ein Land zu schützen, sondern auch darum, die Möglichkeit zu bewahren, sich eine andere Welt vorzustellen und sie zu aufzubauen. In einer Zeit, in der die vorherrschende Ideologie behauptet, es gebe keine Alternativen, bekräftigt jede Geste der Solidarität das Gegenteil: Die Geschichte ist nicht abgeschlossen, die Zukunft ist nicht vorbestimmt und die Emanzipation ist nach wie vor eine offene Aufgabe. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

Und diese Feststellung ist keineswegs ein Akt des Glaubens, sondern eine konkrete Praxis, die Teil des täglichen Kampfes der Völker ist. So ist Solidarität nicht länger eine moralische Zierde, sondern ein Werkzeug der Veränderung. Sie ist keine Wohltätigkeit, sondern Bewusstsein; sie ist keine Fürsorge, sondern Bündnis; sie ist keine Vergangenheit, sondern Zukunft. In ihr verdichtet sich die Gewissheit, dass die Emanzipation kein Geschenk sein wird, sondern eine kollektive Eroberung ist, die dort beginnt, wo sich die Völker gegenseitig als Protagonisten derselben umkämpften Geschichte anerkennen.

(Red.) Der Beitrag von Fernando Buen Abad erschien im Original bei teleSUR. Übersetzung aus dem Spanischen von Marta Andujo.

Zum Autor: Fernando Buen Abad ist ein mexikanischer Philosoph, Künstler, Filmemacher, Forscher und Dozent. Seine Spezialgebiete sind Kommunikationsphilosophie, Kulturkritik, Ästhetik und Semiotik.

(Red.) Zum Beitrag von Franco Battel im Schweizer «Echo der Zeit» zu den kubanischen Ärzten in Kalabrien, hier anklicken. Und zum skandalösen Verhalten der Schweizer Banken, die nach der Geige der USA tanzend Zahlungen nach Kuba verweigern, hier und hier.

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