In Syrien hatten die Christen bessere Zeiten!
Zum Jahreswechsel veröffentlichte Globalbridge.ch einen Artikel von Helmut Scheben über das „Weihnachtsmärchen in Syrien“. Am Beispiel der Schweizer Tagesschau legte der Autor die suggestiv verbreitete Darstellung offen, Christen in Syrien seien unter den früheren Regierungen von Hafez und Bashar al Assad verfolgt worden. Diese heute von vielen Medien verbreiteten Darstellungen sind falsch. Tatsächlich wurden bis zum Kriegsbeginn 2011 christliche Klöster und Kirchen landesweit in Syrien von Gläubigen aus aller Welt besucht. Syrien wurde die „Wiege des Christentums“ genannt.
Im Sommer 2011 veröffentlichte die Evangelische Verlagsanstalt unter dem Titel „Syrien – Segen für alle Völker“ einen Reiseführer. der heute nicht mehr erhältlich ist.
In einer Gedenkschrift des Unternehmens „Biblisches Reisen“ aus dem Jahr 2021 wurde an „die Geburtsstunde“ von „Biblisch Reisen“ im Jahr 1962 erinnert: „Mit Taxis werden der Libanon, Syrien, Jordanien und Israel bereist – eine heutzutage undenkbare Kombinationsreise (….) und heute sind wir einer der größten Anbieter für Reisen zu den Stätten der Bibel!“ Libanon und Syrien und auch der Irak, wo es im Norden mit Deir Mar Metti eines der ältesten Klöster gibt, gehören heute nicht mehr zu den Reisezielen von „Biblisch Reisen“.
Syrien galt international als wichtiger Ort für interreligiösen Dialog und Konferenzen, im Parlament gab es ein interreligiöses Komitee, das mit einem eigenen Büro über seine Arbeit informierte.
Fast lautlos wurde die christliche Präsenz und Kultur in Syrien mit Beginn des Krieges vom Islamischen Staat, von der Nusra Front und anderen dschihadistischen Kampfverbänden zerstört: vom Khabour Tal im Nordosten des Landes, in den Wüstenstädten Palmyara/Tadmour und Qariyatein und im Umland von Damaskus, um nur einige Orte zu nennen.
Karin Leukefeld, die seit mehr als 20 Jahren (u.a. für die Katholische Nachrichtenagentur KNA) auch über die Christen in der Region berichtete, hat die Verwüstungen dokumentiert. Wir zeigen aus ihrem Fotoarchiv einige Bilder von christlichen Monumenten, die von den Dschihadisten beschädigt oder ganz zerstört wurden (Alle unten folgenden Fotos sind von Karin Leukefeld selbst aufgenommen, Red.) Die Politiker aus Europa und aus den USA, die jetzt dem Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa die Reverenz erweisen, sollten dessen Schandtaten als Dschihadistenführer nicht einfach „vergessen“ oder sie sogar dem ehemaligen Staatschef Bashar al Assad in die Schuhe schieben, der wegen der vielen christlichen Pilger aus dem Ausland sogar froh war, dass Syrien in der Geschichte des Christentums eine historische Rolle spielte.
Harasta, östliche Region Ghouta, Vorort von Damaskus. Griechisch-Orthodoxe Kirche, von hier wurde von bewaffneten Kämpfern ein Tunnel gegraben, der Sand wurde im Kirchenschiff aufgehäuft. Fotos Mai 2018.
Arbin, östliche Region Ghouta, Vorort von Damaskus. St. Georgius, Griechisch-Orthodoxe Kirche. Foto April 2018.
Qaryatayn, Provinz Homs. Kirche des syrisch-katholischen Klosters Deir Mar Elian. Das Kloster liegt westlich der Stadt, es wurde im August 2015 vom Islamischen Staat zerstört. Priester Jaques Mourad wurde mit dem Diakon Boutros schon im Mai 2015 entführt und kam nach fünf Monaten wieder frei. Heute ist Jaques Mourad der Erzbischof von Homs. Foto August 2016.
Qaryatayn, Provinz Homs. Diese syrisch-orthodoxe Kirche wurde 2015 vom Islamischen Staat verwüstet, das Dach wurde abgesprengt. Foto August 2016.
Qaryatayn, Provinz Homs. Dieses ist die syrisch-katholische Mar Elian Kirche in Qaryatayn. Der Altarraum wurde zerstört und verwüstet. Beide Kirchen in der Stadt Qariatayn wurden vom Islamischen Staat im August 2015 zerstört. Fotos August 2016.
Tadmur/Palmyra. Beim Vormarsch des Islamischen Staates im Mai 2015 wurde diese Kirche verwüstet und brannte aus. Sie gehört zum syrisch-katholischen Kloster des Erzengels Michael. Die kleine Gemeinde von Tadmur konnte gerade noch nach Homs entkommen. Foto August 2016.
Maalula. Das griechisch-orthodoxe Kloster der Heiligen Thekla wurde 2013 von der Nusra Front, dem Al Qaida Ableger in Syrien, besetzt. Die dort lebenden Nonnen wurden entführt. Das Kloster wurde gebrandschatzt. Auffällig die zerstörten Gesichter auf Ikonen. Fotos Juni 2014.
Maalula. Altarraum des griechisch-katholischen Klosters der Heiligen Sergius und Bacchus. 2013 von der Nusra Front besetzt. Der Altar wurde zerschlagen. Foto Juni 2014.
Zabadani. Die Griechisch-Orthodoxe Maria Himmelfahrtskirche. Foto September 2017.
Zabadani. Griechisch-Orthodoxe Kirche. Der Altarraum wurde von dschihadistischen Kampfverbänden verwüstet. Fotos September 2017.
Zabadani. Das römisch-katholische Lazaristenkloster beherbergte vor dem Krieg, der 2011 begann, Flüchtlinge aus dem Irak, vor allem Frauen und Kinder. Während des Krieges wurde es Stützpunkt von dschihadistischen Kampfverbänden und schließlich Kampfzone. Foto September 2017.