Josef Joffe an seinem 75. Geburtstag 2019. Foto Markus Scholz.

Wann endlich gelingt es, den Kriegstreiber Josef Joffe zum Schweigen zu bringen?

Nicht nur Politiker, auch Persönlichkeiten mit Medien-Macht sind in der Lage, das politische Geschehen in einem Land oder sogar darüber hinaus konkret zu beeinflussen. Zu diesen Medien-Mächtigen gehört Josef Joffe, einer der Hauptschuldigen, dass Europa erneut versucht, Russland militärisch zu schwächen oder gar zu zerstören – was zum Glück nach Napoleon 1812 und Hitler 1941 auch im 21. Jahrhundert nicht gelingen wird. Aber der Krieg und damit Hunderttausende von Kriegsopfern auf beiden Seiten hätten vermieden werden können.

Horst Teltschik, der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz von 1999 bis 2008, schreibt in seinem im Jahr 2019 herausgekommenen Buch: «Russisches Roulette» über die Rede Putins an eben dieser Sicherheitskonferenz im Jahr 2007 das Folgende:

«Das öffentliche Echo auf die Rede Putins war außerordentlich negativ und hält sich zum großen Teil bis heute. Bereits die erste spontane Wortmeldung aus dem Publikum , die – wie so oft – von Josef Joffe kam, Herausgeber der Wochenzeitung ‹Die Zeit›, gab den Tenor vor. Er wollte provozieren und fragte den russischen Präsidenten, ob diese Rede bedeute, dass wir vor einem neuen Kalten Krieg stünden. Diese pauschale und zugespitzte Bewertung bestimmte in der Folge die Diskussion im Saal und am nächsten Morgen teilweise bis in den Wortlaut hinein die Schlagzeilen fast der gesamten Presse. Es war kein Wille spürbar, positive Aussagen des russischen Präsidenten hervorzuheben und zu unterstreichen. Genug Gelegenheit dazu hatte die Rede durchaus gegeben. Und kein Politiker kündigte in der Diskussion die Bereitschaft an, sich über die strittigen zusammensetzen zu wollen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Putin hatte sie ja alle angesprochen.»

Zur Erinnerung: Michail Gorbatschows Einwilligung in die deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1990 war mit dem westlichen Versprechen verbunden, die NATO um keinen Meter Richtung Ostern zu erweitern – gemäß russischer Kultur im Vertrauen auf die Einhaltung dieses Versprechens, ohne schriftlichen Vertrag. Und was machte die NATO? Sie erweiterte sich Richtung Osten schon im Jahr 1999 um Polen, Tschechien und Ungarn, und im Jahr 2004 um weitere sieben osteuropäische Staaten, darunter Rumänien, die Slowakei oder auch die drei baltischen Staaten direkt an der russischen Grenze. Und so erlaubte sich Putin im Jahr 2007 an der Münchner Sicherheitskonferenz, die USA zu kritisieren und anzukündigen, dass Russland die Rolle der USA als Weltpolizist nicht anzuerkennen gedenke. Putins Rede kann jederzeit nachgelesen werden.

Sieben Jahre später, im Juni 2014, schrieb ich, Christian Müler, selber, damals noch auf der Plattform «infosperber.ch», den folgenden Kommentar:

«Die Zeit» aus Hamburg ist, der Superlativ sei riskiert, die beste Wochenzeitung im deutschen Sprachraum. Von Gerd Bucerius gleich nach Kriegsende 1946 gegründet, hat sich das Blatt neben den grossen Tageszeitungen Deutschlands – Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Frankfurter Nachrichten – zum deutschen Weltblatt hochgearbeitet. Ob Politik oder Wirtschaft, Feuilleton oder Dossier, hier schreiben von den besten Journalistinnen und Journalisten deutscher Zunge. Selbst die drei Wechselseiten ‹Schweiz›, welche bei den in der Schweiz verkauften Ausgaben der ‹Zeit› den ersten Bund abschliessen, zeigen regelmässig hohe Kompetenz und stehlen da, wo die NZZ der ihr nahestehenden Grossbanken wegen ein Thema unter den Teppich zu kehren versucht – etwa beim UBS-Sponsoring-Vertrag mit der Uni Zürich – dieser sogar die Show.

‹Die Zeit›, eine wirklich gute Zeitung, wo wenig Wünsche offen bleiben. Wenn da nicht der jetzige Herausgeber Josef Joffe wäre. 

Oft schreibt er zwar nicht, dieser Josef Joffe. Ein Herausgeber, in der internen Hierarchie dem Chefredakteur übergeordnet, hat ja andere Aufgaben als gewöhnliche Journalisten. Er muss vor allem repräsentieren. Aber wenn er schreibt, steht sein Kommentar fast immer zuvorderst, auf der Frontseite. Es muss ja gesehen werden, wenn der Boss selber in die Tasten greift.

Nur eben: Auch der Ärger des Lesers, der Leserin ist dann grösser. Oder die Enttäuschung. Oder die Wut. Es bleibt dann nicht nur beim Kopfschütteln über eine Sottise, deren es natürlich auch in der «Zeit» immer wieder hat.

In der letzten Ausgabe, Nr. 26 / 2014, ist wieder so ein Beispiel eines Joffe’schen Kommentars:

«Vor einem Vierteljahrhundert ging ein Aufsatz um die Welt, der mit hegelscher Gewissheit das ‚Ende der Geschichte’ verkündete. Die großen ideologischen Kriege waren vorbei, die Totalitären hatten verloren. Die Zukunft gehörte der Marktwirtschaft und der liberalen Demokratie. Die Ereignisse schienen dem Autor Francis Fukuyama recht zu geben: Mauerfall, Diktatorendämmerung, Selbstentleibung der Sowjetunion.»
«Heute signalisieren Russland und China, der Iran und die islamistische Terrorgruppe Isis: Das ‚Ende’ war bloß eine Pause, der kurzlebigen Vorherrschaft Amerikas geschuldet (Auszeichnung cm). Die liberale Weltordnung ist auf dem Rückzug, die Machtpolitik auf dem Vormarsch. Die Wegmarken sind Syrien, die Ukraine und der Irak; Irans Atomrüstung und Chinas Ausgreifen im Pazifik. Die Ambitionen der Aufsteiger sind die eine Ursache, die ‚Selbsteindämmung’ Amerikas die zweite.»
»Die neuen Machtpolitiker haben das Vakuum sehr wohl erkannt, das die ermüdeten USA nach 13 Jahren Krieg in Mittelost, nach 5000 Toten und vier Billionen Dollar, hinterlassen haben.»
Und ein paar Zeilen weiter unten bedauert Joffe denn auch konsequent, dass die USA ihre Rüstungsausgaben reduzieren wollen. Joffe noch einmal wörtlich: «Während Russland und China ihren Militärhaushalt doppelstellig erhöhen, sinken die US-Rüstungsausgaben noch schneller, übrigens mit kräftiger Hilfe der Republikaner. Angepeilt ist ein Anteil von 2,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, die Hälfte des historischen Durchschnitts.»

So einfach also ist die Welt. Die gute alte Zeit der «liberalen Demokratie und der Marktwirtschaft» ist vorbei, die wir gemäss Joffe allein den USA zu verdanken haben. Und jetzt? «Die Machtpolitik ist auf dem Vormarsch!» Russland, China, Iran!

Es kommen einem die Tränen. Wie war das doch schon wieder im Irak? Haben da nicht die USA selber unter einem frei erfundenen Vorwand und ohne UNO-Mandat zugeschlagen? Und: Im Jahr 2013 beliefen sich die Rüstungsausgaben der USA auf 680 Milliarden US-Dollar, auf mehr also, als die Rüstungsausgaben der acht (!) nächsthöchsten Militärbudgets der Welt zusammen, als da sind China, Russland, Saudiarabien, Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Japan, Indien und Südkorea – zusammen, notabene! Und jetzt wollen sie, die USA, ihre Rüstungsausgaben reduzieren. Furchtbar!

Ein solcher Kommentar hat in der «Zeit» nirgends Platz. Es sei denn auf der Frontseite – von ihrem Herausgeber.

(Ende des Artikels von Christian Müller im Jahr 2014.)

Die (gute) Zeit der (guten) «Zeit» ist abgelaufen

Im Juni 2020 schrieb ich, Christian Müller, zum zweiten Mal über Josef Joffe, ebenfalls auf der Plattform «infosperber.ch».

«Die deutsche Wochenzeitung ‹Die Zeit› ist kaum mehr verdaubar. Nicht zuletzt der Herausgeber selbst ist unerträglich geworden.

Die deutsche Wochenzeitung ‹Die Zeit› galt einmal als beste Wochenzeitung im deutschsprachigen Raum überhaupt. Es gab viel Lob und Zustimmung, kaum Kritik oder zumindest nur punktuell. Das ‹Zeit›-Abonnement war die Möglichkeit, sich auf hohem Niveau über den Rest der Welt ein Bild zu machen.

Tempi passati. Infosperber hat schon vor längerer Zeit auf zwei zunehmende Schwachpunkte aufmerksam gemacht: Der Frontseiten-Aufmacher wurde immer öfter einem Thema der Psychologie gewidmet, als ob man die ‹Zeit› abonniert hätte, weil man selbst psychisch angeschlagen ist und nach Hilfe Ausschau hält. Und zweitens war es immer äusserst ärgerlich, wenn ‹Zeit›-Herausgeber Josef Joffe persönlich auf der Frontseite einen Kommentar platzierte. 

Beide unerfreulichen Tendenzen haben sich seither verstärkt. Es gibt praktisch keine Ausgabe mehr, die dem Leser nicht schon auf der Frontseite mitteilt, er, der Leser, oder sie, die Leserin, hätten ein psychisches Problem – in der Liebe, in der Selbstbeurteilung, im Freundeskreis, im Berufsleben usw. Und wenn Herausgeber Josef Joffe schreibt, dann ist es nicht mehr nur ärgerlich, sondern schlicht unerträglich.

Mit der Ausgabe vom 20. Februar hat ‹Die Zeit› sich selbst übertroffen und einen neuen Höhepunkt erreicht. Aufmacher ist das Thema ‹Monogamie›. Das Besondere daran: Schon auf der Frontseite wird darauf aufmerksam gemacht, dass das Thema ‹Monogamie› diesmal ‹in allen Ressorts› behandelt wird: ‹Monogamie. Die grosse Illusion? Wie Wissenschaftler den Seitensprung beurteilen und ob Treue noch immer erstrebenswert ist: Eine Streitfrage durch alle Ressorts der ZEIT›. Und, ebenfalls ärgerlich, darunter eine halbseitige Anzeige des Pharma-Unternehmens Bristol-Myers Squibb. Blätterte man um, erschien eine zweite Frontseite, der obere Teil identisch mit der ersten, der untere Teil anstatt mit der grossen Pharma-Anzeige mit zwei Leitartikeln; einer davon, einmal mehr, von Herausgeber Josef Joffe.

Zur ‹Monogamie›:
– Im Ressort ‹Politik› die ganze Seite 7: «Im lustverdünnten Raum. Besser fremdgehen als zu viel CO2 ausstossen. Die Sexualmoral ist nicht mehr die schwerste Last, an der deutsche Politiker zu tragen haben.» Und dazu ein grosses Bild eines Kondoms.
– Im Ressort ‹Geschichte› die ganze Seite 19: «Der Präsident und seine Sklavin. US-Gründervater Thomas Jefferson war gegen die Sklaverei – und gegen ihre Abschaffung. Hunderte von Männern und Frauen gehörten zu seinem Besitz, unter ihnen die junge Sally Hemings, die er sich zu seiner Geliebten nahm.»
– Im Ressort ‹Wirtschaft› die ganze Seite 26: «Der Preis des Seitensprungs. Rund um das Anbahnen, Vertuschen und Aufklären von Affären und Ehebrüchen hat sich ein blühender und ziemlich verschwiegener Wirtschaftszweig gebildet. Eine Spurensuche.»
– Im Ressort ‹Wissen› die ganze Seite 33: «Nur Sex, das gibt’s doch gar nicht. Was hilft Paaren, wenn einer der Partner fremdgegangen ist? Wie lassen sich Beziehungen kitten?»
– Im ‹Feuilleton› die ganze Seite 57: «Ehebruch als Routine» und «Wer könnte ich sein?»
– Im Ressort ‹Glauben & Zweifeln›: die ganze Seite 62: «Wer von Euch ohne Sünde ist».
– Im Ressort ‹Zeit zum Entdecken›: zwei volle Seiten «Er sagt», «Sie sagt».
– Und dann auch noch im Glanzpapier-«Magazin» ab Seite 30 auf fünfeinhalb Seiten: «Polygamie geht in modernen Gesellschaften nicht gut.»

Muss ich das wirklich alles lesen? Und mit meinem Abonnement dafür bezahlen? 

Doch zurück zur Aufmacherseite mit einem Leitartikel des ‹Zeit›-Herausgebers Josef Joffe. Die Headline: ‹Macht Politik› – ohne Bindestrich, also bewusst zweideutig. Und dann das Lead: ‹Wenn Europa in die Liga der Grossmächte aufrücken will, muss es die Kultur der Zurückhaltung aufgeben.›

Zuerst erwähnt Josef Joffe – leicht neidisch – den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der mehr Macht für Europa fordert und dem an der Münchner Sicherheitskonferenz alle zugejubelt haben. Dann zitiert er, zustimmend, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: ‹Europa muss die Sprache der Macht sprechen lernen.› Und dann stellt er die rhetorische Frage: ‹Wie ist es möglich, dass die EU nicht in der Grossmachtliga spielt?

Dann kommt’s: «Just hier fällt das Schlaglicht auf Deutschland. Ohne das Schwergewicht in der Mitte kann es keine strategische Macht namens EU geben. Doch auf dem Weg dahin müssen die Deutschen noch einen langen Weg gehen – aus Gründen, die tief in der Geschichte des 20. Jahrhunderts verwurzelt sind. Dieses Land hat zweimal nach der Weltmacht gegriffen und ist dabei knapp am Untergang vorbeigerutscht. Was Wunder, dass die Deutschen sich danach dem ‹Nie wieder!› verschrieben haben. Der Aggressor mauserte sich zum Friedensengel. 2014 ehrte eine weltweite BBC-Umfrage Deutschland als ‹beliebtestes Land› auf Erden. Doch das Trauma der wieder gut gewordenen Deutschen sitzt tief – ganz anders als in Frankreich und England, die sich eine Art Kriegskultur bewahrt haben. Die Deutschen feiern sich dagegen als ‹Friedensmacht› (Willy Brandt), die mit der Kultur der Zurückhaltung märchenhaft reüssiert hat. Die höhere Moral wirft zudem hohen realpolitischen Gewinn ab. Derweil die Westmächte rings um die Welt Gut und Blut opferten, konnte die Republik (gemeint ist Deutschland, Red.den eigenen Garten bestellen.»

Jetzt wird «Zeit»-Herausgeber Josef Joffe konkret: «Unverzichtbar ist ein Kulturbruch im Jahr 75 nach Hitler, nach einer mustergültigen demokratischen Karriere. Strategisch denken heisst, alle Mittel einzusetzen: Diplomatie, Wirtschaft, Militär.»

Josef Joffe zum Thema ‹Militär› wörtlich: 

«Schon die glaubhafte Drohung kann Schlimmeres verhindern und den Frieden sichern. Die Hardware zu kaufen ist einfach. Die Software in den Köpfen umzuprogrammieren ist ein Generationenprojekt. Zu süss waren die Früchte der Enthaltsamkeit. Doch ohne die gebrannten Deutschen bleibt die strategische Macht Europas bloss eine herzerwärmende Vision.»

Man merke: Die militärische Zurückhaltung Deutschlands war nur eine «herzerwärmende Vision». Es braucht, 75 Jahre nach Hitler, endlich einen Kulturbruch! Es muss in Deutschland endlich wieder militärische Macht her! 

Zum Bild: Sechs Staatsmänner und hohe Politiker – und ein Medien-Mann: Josef Joffe, hier an der Münchner Sicherheitskonferenz 2014 (rechts aussen), ist einer der führenden deutschen Meinungsmacher. Schon 2007, als Putin an der Münchner Sicherheitskonferenz in aller Deutlichkeit nochmals eine friedliche Zusamenarbeit mit Europa anbot, war es Joffe, der mit einer provozierenden ersten Frage an Putin die anschliessende Diskussion und die Berichterstattung in den deutschen Medien auf den – von ihm erwünschten – antirussischen Kurs brachte, wie der damalige Direktor der Münchner Sicherheitskonferenz Horst Teltschik in seinem neuen, äusserst lesenswerten Buch «Russisches Roulette. Vom Kalten Krieg zum Kalten Frieden» berichtet.

Dass Josef Joffe einer der Vordenker und Verfechter der (inakzeptablen) These ist, Kritik am Staat Israel sei bereits Antisemitismus, mochte man ihm, dem Juden, noch nachsehen. Dass er aber auf der Frontseite der «Zeit» dafür plädiert, machtpolitisch müsse Deutschland neben Diplomatie und Wirtschaft endlich auch wieder militärisch aufrüsten, bringt das Fass, wie es so schön heisst, nun doch zum Überlaufen. 

Für ein «Zeit»-Abonnement oder am Kiosk Geld ausgeben, um Josef Joffe zu lesen? Schade ist es nach Ablauf des bezahlten Abos nur für die drei Seiten «Schweiz», auf denen der Schweizer Journalist Matthias Daum, aber auch andere hervorragende Journalisten, zum Beispiel Alexander Grass, immer wieder höchst lesenswerte Beiträge haben.

(Ende des Artikels von Christian Müller vom Juni 2020.)

Ok, ich habe damals «Die Zeit» abbestellt, um mir weiteren Ärger mit Josef Joffe zu ersparen. Und ich habe im Mai 2022 mit Freude gelesen, dass Josef Joffe seinen Job als «Herausgeber der Zeit» verloren hat, weil ihm nachgewiesen werden konnte, dass er den ihm befreundeten jüdischen Banker Max Warburg vor den Recherchen zum „Cum-Ex-Skandal“ der eigenen Journalisten gewarnt hatte. Und auch seine Klage gegen eine Aufführung der Polit-Satire-Sendung «Die Anstalt» ging ins Leere, Joffe verlor vor der obersten deutschen Instanz, dem Bundesgerichtshof.

Und doch habe ich mich damals zu früh gefreut, denn jetzt darf Josef Joffe seine Kriegstreiberei in der Neuen Zürcher Zeitung NZZ fortsetzen, zum Beispiel jetzt wieder am 20. März 2024, ein paar Tage nach seinem 80. Geburtstag. Die dortige Headline: «Wer hat Schuld, wenn die Ukraine untergeht?» Und klar, es sind jene, die die Militarisierung in Westeuropa nicht im Sinne von Josef Joffe mitgetragen haben.

Es ist schwierig, über Josef Joffe zu schreiben, ohne Wörter zu brauchen, die als justiziabel – als „beleidigend“ rechtlich einklagbar – gelten. Und leider ist die Hoffnung, dass jene, die mit ihrer gigantischen Medien-Macht in Deutschland die Rede Putins im Jahr 2007 an der Münchner Sicherheitskonferenz zum Neustart des politischen Russenhasses missbraucht haben, eines Tages zur Verantwortung gezogen werden, absolut unrealistisch.

Dass aber ausgerechnet das sogenannte Schweizer Intelligenzblatt NZZ diesem Josef Joffe jetzt Platz gewährt, seinen Militarismus und seinen Russenhass weiter zu pflegen, ist für mich als Schweizer zu tiefst beschämend.

Hier ein Zitat aus dem neusten Beitrag von Josef Joffe in der NZZ: «Europas Schicksal wird in der Ukraine entschieden.»

«Biden will trotz Kongressblockade Gerät im Wert von 300 Millionen schicken. Er begreift, dass auch Symbolik zählt, so mancher hier begreift das nicht. Doch Kiew kämpft nicht bloss für sich, sondern auch für Europa, ein strategisches Asset, wo der Grossmachtfrieden ein Menschenalter lang gehalten hat. Wolodimir Selenski braucht Panzer, Jets, Raketen und Munition, um Putin zu ernüchtern. Doch lauert dahinter noch Grösseres. Europa hat nach dem Zerfall der Sowjetunion dreissig Jahre lang seine ‹Friedensdividende› verzehrt und auf breiter Front abgerüstet. Niemand wird Truppen schicken, schon gar nicht – trotz grossen Worten – Emmanuel Macron. Aber Kriegsfähigkeit muss sein, nicht um Krieg zu führen, sondern um den nächsten abzuschrecken. Sonst wird der kaltschnäuzige Kreml-Despot keine Ruhe geben, sondern weiter sein wohl dokumentiertes Ziel anpeilen, die Wiederbelebung des alten Sowjetimperiums. Europas Schicksal wird in der Ukraine entschieden. Doch tut Europa, was es am besten kann: debattieren und finassieren. Den Preis wird ein ‹entlegenes Land› zahlen, ‹von dem wir wenig wissen›, sodann Europa insgesamt. Daran zu erinnern, ist kein ‹Kriegsgeheul›, wie Merkels Aussenminister 2016 tönte, sondern historisch untermauerter Realismus.»

Zur originalen Bildunterschrift auf der Online-Plattform der MSC in English: 50th Munich Security Conference 2014: MSC at Fifty: Helmut Schmidt (Former Federal Chancellor of the Federal Republic of Germany; Editor, Die Zeit), Valéry Giscard D’Estaing (Former President of the French Republic), Henry Kissinger (Former U.S. Secretary of State), Egon Bahr (Former Federal Minister for Special Affairs of the Federal Republic of Germany), Radosław Sikorski (Minister of Foreign Affairs, Republic of Poland), David Miliband (Former Secretary of State for Foreign and Commonwealth Affairs of the UK; President and Chief Executive Officer, International Rescue Committee), Josef Joffe (Editor, Die Zeit).

Und einmal mehr ein wichtiger Hinweis zur Vorgeschichte des Krieges in der Ukraine: «Die Mitverantwortung der USA und der NATO: Vor der Osterweiterung der NATO wurde mehrfach gewarnt.»

Zur Sendung «Die Anstalt», die von Josef Joffe eingeklagt wurde, die dann eine Weile nicht mehr einsehbar war, dann aber vom deutschen Bundesgerichtshof wieder freigegeben wurde: hier.

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