Noch immer müssen jedes Jahr Hunderttausende von afrikanischen Frauen Genitalverstümmlungen hinnehmen. (Symbolbild Vaticannews)

UNO will Genitalverstümmelung von Frauen beendet sehen

Zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) an diesem Dienstag, 6. Februar, ruft das Kinderhilfswerk UNICEF gemeinsam mit vier weiteren UN-Organisationen dazu auf, Mädchen besser vor dieser grausamen Praxis zu schützen. 

Schätzungsweise 4,4 Millionen Mädchen sind dieses Jahr in Gefahr, einer Genitalverstümmelung unterzogen zu werden, das sind 12.000 Mädchen pro Tag. Mehr als 200 Millionen heute lebende Mädchen und Frauen haben weibliche Genitalverstümmelung erlitten.

Die Überlebenden sollen stärker eingebunden werden und an die Spitze der Bewegung zur Beendigung der weiblichen Genitalverstümmelung gestellt werden, fordern UNICEF, UNFPA, OHCHR, UN Women und WHO in einem in New York veröffentlichten gemeinsamen Statement.

„Weibliche Genitalverstümmelung stellt eine Verletzung der Rechte von Frauen und Mädchen dar, gefährdet ihre körperliche und geistige Gesundheit und schränkt ihre Möglichkeiten ein, ein gesundes und erfülltes Leben zu führen“, heißt es in der Erklärung. Die betroffenen Frauen und Mädchen riskierten schwere Schmerzen, Blutungen und Infektionen. Genitalverstümmelung erhöhe aber auch die Wahrscheinlichkeit anderer gesundheitlicher Komplikationen im späteren Leben, „einschließlich Risiken während der Geburt, die das Leben ihrer Neugeborenen gefährden können“, schreiben UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell, UNFPA-Exekutivdirektorin Natalia Kanem, UNCHR-Hochkommissar Volker Türk, UN Women-Exekutivdirektorin Sima Bahous und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Zwar gebe es Fortschritte, doch diese seien nicht schnell genug. Die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung sei in den vergangenen 30 Jahren zurückgegangen, schreiben die UNO-Organisationen: In 31 Ländern mit verfügbaren Daten wird heute rund jedes dritte Mädchen einer Genitalverstümmelung unterzogen im Vergleich zu jedem zweiten in den 1990er Jahren. Von dem nachhaltigen Entwicklungsziel, die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung bis zum Jahr 2030 zu beenden, sei die Weltgemeinschaft jedoch noch weit entfernt.

Auch die Katholische Kirche soll sich in diesem Kampf um die Menschenwürde mehr engagieren

Dass es gegen weibliche Genitalverstümmelung mehr konkrete Maßnahmen braucht, äußerte ebenfalls am Dienstag auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. „Wir müssen uns für Bildung, Sensibilisierung und den Schutz der gefährdeten Frauen und Mädchen einsetzen, sowohl in Deutschland als auch weltweit“, erklärte der Vorsitzende der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz am Dienstag auf dem Portal X.

„Als Kirche sind wir aufgerufen, uns mit Mut und Entschlossenheit gegen jede Form der Gewalt und Unterdrückung zu stellen, die die Unversehrtheit und Würde des Menschen verletzt“, betonte der Bischof. Die Ortskirchen setzten sich mit Aufklärungsprogrammen und Projekten vor Ort ein, um Betroffenen zu helfen. Diese Arbeit müsse auch weiterhin gestärkt werden. „Es ist unsere moralische Pflicht, ein starkes Zeichen gegen solche Praktiken zu setzen und für die Rechte aller Frauen und Mädchen einzutreten.“ Alleine in Deutschland leben nach Schätzungen des Entwicklungsministeriums rund 100.000 Frauen mit verstümmelten Genitalien.

Zur Originalmeldung auf «Vaticannews.va»