Die „Zionisierung“ der I.C.E.
(Red.) Trainieren die US-amerikanischen ICE-Beamten den Umgang mit ihren Opfern gemeinsam mit israelischen Sicherheitsbeamten? Patrick Lawrence, unser Kolumnist in den USA, macht auf diesen Punkt aufmerksam. – In seinem Originaltext braucht er statt der offiziellen Abkürzung IDF „Israeli Defence Force“ für die israelische Armee oft die Abkürzung IOF für „Israeli Occupation Force“, also Israelische Besetzungsarmee. Da dieser IDF-kritische Begriff im deutschen Sprachbereich nicht üblich ist, haben wir ihn in der Übersetzung weggelassen. Den Link zum Originaltext in US-englischer Sprache findet man am Schluss des Textes. (cm)
Es gibt ein Video, das am 25. Mai 2020 aufgenommen wurde und sich mittlerweile in das Gedächtnis der meisten Amerikaner eingebrannt hat. Es zeigt Derek Chauvin, einen Polizeibeamten aus Minneapolis, wie er auf dem Nacken von George Floyd kniet, einem schwarzen Einwohner, der im Verdacht stand, einen gefälschten 20-Dollar-Schein in Umlauf gebracht zu haben, während dieser, Floyd, nach Luft ringt und ruft: „Ich kann nicht atmen, ich kann nicht atmen!“ Floyd starb nach 10 Minuten unter Chauvins Knie an Erstickung. Chauvin, der derzeit eine lange Haftstrafe verbüßt, war zum Zeitpunkt der Tötung von Floyd bereits Gegenstand von 18 Beschwerden wegen strafbaren Fehlverhaltens im Dienst gewesen.
Es gibt noch eine weitere Sache, an die sich viele Amerikaner im Zusammenhang mit George Floyds Schicksal erinnern. Jahre vor seiner Ermordung absolvierte die Polizei von Minneapolis ein „Wahrnehmungskontroll“-Training bei den israelischen Sicherheitskräften. Es gibt zwar keine eindeutigen Beweise dafür, dass Derek Chauvin die Technik des Knie-auf-den-Nacken-Drucks vom zionistischen Regime gelernt hat, doch sie ist eine gängige Praxis der israelischen Besatzungstruppen und der israelischen Polizei bei ihren Übergriffen auf die palästinensische Bevölkerung.
Am Freitag, 24. Juli, begann ein New Yorker Gericht mit der Wahl einer Jury für den Prozess gegen Omar Habib, einen Polizisten aus der Bronx, dem vorgeworfen wird, dieselbe Technik – die in New York mittlerweile verboten ist – angewendet zu haben, um einen Anwohner zu bändigen, der vor drei Jahren in betrunkenem Zustand vor einem Festsaal in eine Straßenschlägerei geraten war. So ahmen Polizeibehörden überall in den USA die Praktiken des berüchtigt brutalen israelischen Sicherheitsapparats nach.
Amerikanische Polizeibehörden werden seit vielen Jahren „militarisiert“. Es ist seit langem gängige Praxis, sie mit überschüssiger militärischer Ausrüstung – Artillerie, Sprengstoff für den Kampfeinsatz, Mannschaftstransporter usw. – auszustatten, sodass Polizeieinheiten mehr oder weniger nicht mehr von Armeeeinheiten zu unterscheiden sind. Und es ist seit langem bekannt, dass hochrangige Strafverfolgungsbeamte, Bundesagenten und Polizeichefs in Israel unter der Aufsicht der israelischen Streitkräfte und der israelischen Polizei ausgebildet wurden. Sicherheits- und Überwachungstechnologien, in denen das zionistische Regime sich auszeichnet, werden in amerikanischen Städten und Gemeinden häufig eingesetzt.
Anmerkung: Was die amerikanische Polizei von den Israelis lernt und welche Technologien sie aus Israels Hochtechnologiesektor bezieht, sind Techniken, Vorgehensweisen und Ausrüstung, die das zionistische Regime gegen die Palästinenser im Gaza-Streifen und im Westjordanland einsetzt. Das Ziel ist in beiden Fällen eine totale Kontrolle ohne Rückgriff auf das Gesetz oder irgendetwas, das einem ordentlichen Verfahren ähnelt. Es ist lediglich eine Frage des Ausmaßes.
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Es gibt mittlerweile immer mehr Belege dafür, dass die Einwanderungs- und Zollbehörde, die mittlerweile berüchtigte I.C.E., seit langem im Rahmen von Schulungsprogrammen und durch den Austausch von Technologien mit der IDF zusammenarbeitet. Liberty Beats News, ein digitaler Newsletter mit linkslibertärer Ausrichtung, veröffentlichte Anfang dieses Jahres einen bewundernswert sorgfältig recherchierten Artikel zu diesem Thema unter der Überschrift „Die Verbindungen zwischen der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) und der israelischen IDF: Gemeinsame Ausbildung, gemeinsame Taktiken und die Rolle von Agilite Gear“. Ich habe noch nichts gesehen, was hinsichtlich der Detailgenauigkeit und des historischen Kontexts, den dieser Bericht diesen Verbindungen verleiht, mit diesem Bericht vergleichbar wäre.
Zu den aufschlussreichen Enthüllungen dieses Berichts gehört der Einfluss einer aggressiv zionistisch geprägten ideologischen Organisation, der Anti-Defamation League (ADL), bei der Förderung der offenbar umfangreichen Zusammenarbeit zwischen der I.C.E. und der IDF.
Die A.D.L. hat in der Tat zwei der Programme gesponsert – ein Nationales Seminar zur Terrorismusbekämpfung (N.C.T.S.) und eine Fortbildungsschule (A.T.S.) –, die offenbar als wichtigste Kanäle für diesen vielschichtigen Austausch dienen.
Hier ein Auszug aus dem gründlich recherchierten Bericht von Liberty Beats News. Agilite ist ein israelischer Hersteller von hochtechnologischer taktischer Ausrüstung, dessen Produkte weltweit vermarktet werden:
[Zitat]
«Die direkten gemeinsamen Schulungen zwischen der ICE und der IDF sind umstritten. Einige Quellen, darunter Interessenverbände wie „Jewish Voice for Peace“ (J.V.P.) und deren Kampagne „Deadly Exchange“, behaupten, dass ICE-Beamte regelmäßig gemeinsam mit israelischen Streitkräften, einschließlich der IDF, im Rahmen von Programmen trainiert haben, die sich auf Terrorismusbekämpfungstaktiken, Überwachung und behördenübergreifende Zusammenarbeit konzentrierten. So nahmen beispielsweise ICE-Beamte 2010, 2014 und 2015 an den NCTS-Reisen der ADL nach Israel teil, wo sie Kontrollpunkte, Gefängnisse, Siedlungen und Flughäfen besuchten – Orte, die mit Israels Sicherheitspraktiken in Verbindung stehen. Darüber hinaus nahm die ICE an allen acht ATS-Sitzungen von 2013 bis 2016 teil, bei denen israelische Militär- und Polizeivertreter, wie beispielsweise der ehemalige Oberkommissar der israelischen Nationalpolizei Roy Valdman, Vorträge hielten.»
[Ende Zitat]
Ich bewundere die besonnene Herangehensweise von Liberty Beats News bei der Berichterstattung über die Kontroverse, die diese Verbindungen offenbar ausgelöst haben. Meiner Meinung nach lässt sich der Bericht jedoch aufgrund seiner Detailgenauigkeit schlichtweg nicht widerlegen.
Das Gleiche gilt für den chronologischen Hintergrund, den der Autor oder die Autoren liefern. „Der Austausch zwischen den Strafverfolgungsbehörden der USA und Israels reicht bis in die frühen 1990er Jahre zurück, als 1992 Programme wie das ‚Georgia International Law Enforcement Exchange‘ ins Leben gerufen wurden, um die behördenübergreifende Zusammenarbeit bei Themen wie bürgernaher Polizeiarbeit und Drogenbekämpfung zu fördern“, berichtet die Nachrichtenseite. Und weiter:
[Zitat]
«Die Zeit nach dem 11. September markierte jedoch einen sprunghaften Anstieg formalisierter Kooperationen. Anfang der 2000er Jahre begannen Tausende von US-Strafverfolgungsbeamten – darunter Polizisten, Sheriffs, Grenzschutzbeamte, ICE-Beamte und FBI-Agenten – an Schulungen mit israelischen Militär- und Polizeikräften teilzunehmen. Diese Austauschprogramme wurden oft als Austausch von „bewährten Praktiken“ in den Bereichen Terrorismusbekämpfung, Überwachung und Bedrohungserkennung dargestellt.»
[Ende Zitat]
Wie vielfach berichtet wurde, gab es in den letzten Wochen zwei weitere Morde durch ICE-Beamte – einen in Texas und einen in Maine. Wie üblich hat das Heimatschutzministerium (DHS), zu dem die ICE als untergeordnete Einheit gehört, seine Beamten verteidigt – bis eine DHS-interne Untersuchung abgeschlossen ist, was gängige Praxis ist. Genau so verhält es sich auch bei Verbrechen und Missbräuchen der israelischen Streitkräfte IDF, möchte ich hinzufügen: Das zionistische Militär darf das zionistische Militär selbst untersuchen.
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Ich betrachte die Verbindung zwischen der I.C.E. und Israel nicht als isoliertes Problem einer x-beliebigen skrupellosen Regierungsbehörde. Wie die langjährige Berichterstattung von Liberty Beat News über die Verbindungen zwischen den israelischen und amerikanischen Polizei- und Sicherheitsapparaten deutlich macht, stellen die Kooperationen zwischen der I.C.E. und dem IDF die unterste Ebene eines ausgeklügelten Beziehungsgeflechts dar, das bis in die höchsten Ebenen der amerikanischen Regierung reicht.
Am Donnerstag, 23. Juli, verabschiedete das Repräsentantenhaus ein extravagantes Verteidigungsbewilligungsgesetz, das die US-Militärausgaben innerhalb eines Jahres um gut 40 Prozent auf 1,5 Billionen Dollar – 1500 Milliarden – erhöht. Das ist schon absurd genug, aber nicht unser Thema. Der Gesetzesentwurf enthielt den mittlerweile berüchtigten Abschnitt 219, der das US- und das israelische Militär faktisch zusammenführt. Dieser Bestandteil des Gesetzesentwurfs, der nun dem Senat zur Debatte und Verabschiedung vorgelegt wird, ist so schockierend, dass die von Zionisten kontrollierte Mainstream-Presse – allen voran The New York Times – sich bislang sogar geweigert hat, darüber zu berichten. „Mir ist kein Argument bekannt, wie eine solche Verschmelzung den Interessen des amerikanischen Volkes dienen würde“, schrieb John Whitbeck, ein auf internationale Angelegenheiten spezialisierter Anwalt mit langjähriger Erfahrung in Westasien, in seinem privat verbreiteten Blog.
Ich schließe mich der Reaktion von Chas Freeman an, dem emeritierten Botschafter, der nun als Kommentator zu globalen Ereignissen tätig ist. „Das ist nicht von Landesverrat zu unterscheiden“, bemerkte er nach der Abstimmung im Repräsentantenhaus. „Es entzieht unserer Regierung die Legitimität in einer Weise, die zu einer Revolution einlädt.“
Phil Giraldi, ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter und heute Geschäftsführer des Council for the National Interest, einer Organisation, die sich für mehr Transparenz in den amerikanisch-israelischen Beziehungen einsetzt, veröffentlichte vor kurzem einen Beitrag in The Unz Review unter der Überschrift „Wird Amerika wirklich zu einer ‚Zionokratie‘? Die Zionisierung Amerikas, die Zionokratie: Der Begriff macht unter unabhängigen Analysten wie Giraldi die Runde.
Die Mainstream-Medien, Hollywood, das Bankensystem, die Universitäten, mittlerweile auch das Militär, natürlich die Exekutive und der Kongress, und so weiter und so fort: Ich sehe kaum Argumente gegen diesen Gedanken. Und vor diesem Hintergrund betrachte ich die verwerflichen Verbindungen zwischen dem Sicherheitsapparat des zionistischen Staates und verschiedenen amerikanischen Strafverfolgungsbehörden wie dem FBI und der ICE. Auch diese können als Verrat einer anderen Art gewertet werden.
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Dieser Kommentar ist dem Leser Harry Elhardt gewidmet.
24. Juli 2026
Zum Originalartikel von Patrick Lawrence in US-englischer Sprache.
(Red.) Gerade werden auch in Italien die Einsatz-Methoden der Polizei heftig diskutiert, nachdem die Polizei in Bologna einen um Hilfe schreienden Marokkaner so lange zu Boden drückte, bis er tot war. Siehe hier.