Am 2. Oktober 2014 wurde das Büro des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes durch ukrainische Streitkräfte im Kiewer Bezirk von Donezk beschossen.

Die Stimme aus dem Donbass (XV): Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen im Visier ukrainischer Soldaten

Es ist bekannt, dass der Beruf des Arztes einer der humansten und edelsten ist. Wohin geht man, wenn man sich unwohl fühlt, krank ist oder operiert werden muss? Natürlich zum Arzt, ins Krankenhaus! Aber in unserem Kriegsalltag sind Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen zu Brennpunkten höchster Kriegsgefahr geworden: Seit acht Jahren werden sie von den Ukronazis mit schweren Waffen aus den USA und der NATO immer wieder beschossen.

„Menschen in weissen Kitteln“ leisten den Eid des Hippokrates und sind immer dienstpflichtig. In Kriegszeiten wird ihre Belastung mindestens doppelt so gross und während der Wellen der Corona-Pandemie steigt sie mindestens um das dreifache. Noch zu Zeiten des Grossen Vaterländischen Krieges galt die Bombardierung der medizinischen Züge mit Verwundeten und medizinischen Einrichtungen durch die Nazis als Gipfel des Zynismus. Heute ist der gezielte Beschuss der Krankenhäuser unserer Region durch die Ukronazis kaum zu überbieten, umso mehr als einige Krankenhäuser nicht einmal, sondern mehrmals beschossen wurden und leider immer noch werden!

Bereits vor über acht Jahren begannen die ukrainischen Streitkräfte, medizinische Einrichtungen – für Erwachsene wie für Kinder – an Stadträndern und im Stadtzentrum von Donezk zu beschiessen. Je blutiger, zynischer, beängstigender und unmenschlicher, desto besser! So ist ihre widrige Mentalität, der sie treu folgen.

Am 7. August 2014 wurde die Zahnklinik des „Wischnewskij“-Krankenhauses getroffen. Infolge des Granatengewehrbeschusses geriet das Gebäude in Brand. Leider ging es ohne Opfer nicht ab: ein Toter und vier Verletzte. Den Tag des Beschusses vergessen wir nie. Der Hof um die Zahnklinik brannte, eines der Geschosse bohrte sich ins Gebäudeinnere. Der stellvertretende Chefarzt für Materialverband, Gennadij Dubrowin, erinnert sich: „Es war ein gewöhnlicher Arbeitstag, die ganze Klinik, alle Stationen arbeiteten – und gegen 10 Uhr begann der Beschuss! Vier Geschosse landeten auf dem Gelände, eins von ihnen traf unmittelbar in die dritte Etage und es begann zu brennen. Alle Mitarbeiter und Patienten flüchteten in den Keller.“ Dennoch wurden drei Mitarbeiter des Heizleitungsnetzes des Kiewer Bezirks, die gerade draussen die Fernwärmeleitung reparierten, durch Geschosssplitter verletzt. Einen von ihnen konnten die Ärzte nicht mehr retten. Das Klinikpersonal blieb unverletzt, aber im dritten Stock gab es Schäden: Die Lehrräume mitsamt Ausstattung brannten aus, es gab kein einziges unzerbrochenes Fenster. Alle beschädigten Fenster wurden dann mit Polyethylenfolie auch für den Winter überzogen. Infolge der Renovierungsarbeiten wurden 82 Fensterrahmen aus Holz durch Metallkunstoff ersetzt, Heizkörper ausgetauscht, sowie Wände und Fussböden instandgesetzt. Das Krankenhaus hörte für keinen einzigen Tag auf, zu funktionieren und den Patienten medizinische Hilfe zu leisten. Die Ärzte standen auch nicht abseits, sie halfen den Bauarbeitern, ihre medizinischen Behandlungsräume zu renovieren.

Am 12. August 2014 wurde das Krankenhaus № 18 im Kiewer Bezirk hart beschossen. Vor der Fussballmeisterschaft 2012 war seine Fassade restauriert worden. Dank seiner Lage im Frontgebiet, unweit der Industie- und Handelskammer, der Brücke, die weiter zum Donezker Flughafen und zum Weg nach dem unter ukrainischer Kontrolle stehenden Awdeewka, das von hier aus weniger als 5 km entfernt liegt, funktioniert diese medizinische Einrichtung sicherheitshalber schon jahrelang nicht mehr.

Am 14. August 2014 wurde im Stadtzentrum, im Woroschilower Bezirk unweit des Einkaufzentrums „Green Plaza“, das Gelände des Krankenhauses № 1 beschossen. Infolge der Luftdruckwelle zerplatzte die Verglasung und zahlreiche kleine Splitter gerieten in die Wände des Gebäudes. An diesem Tag wurde auch die Uliza Kirowa im Kujbyschewer Bezirk – dem Villenviertel von Donezk – beschossen. Man konnte einen grossen Trichter, Splitterspuren an den Wänden, beschädigte Tore nahegelegener Privathäuser und einen Volltreffer in ein Dach sehen. Zugleich wurde der Donezker Flughafen von ukrainischen Soldaten mit Artilleriebeschuss belegt. Schreckliche Töne waren zu hören – aber damals wusste noch niemand, was auf uns wartete.

Am 24. August 2014 ereignete sich frühmorgens gegen 6.30 Uhr einer der härtesten Artilleriebeschüsse auf eine der grössten und wichtigsten medizinischen Einrichtungen von Donezk: auf das Krankenhaus namens Kalinin (Stationen „Pathologisch-anatomische Station/Gerichtsmedizinisches Institut“, „Poliklinik/Verwaltung“, „Gastroenterologie“, „Allergologie“, „Endokrinologie“; weitere Abteilungen für Aufnahme, Entgiftung, Physiotherapie, hyperbare Oxygenation, Reanimation, Thoraxchirurgie, Pulmonologie, Otorhilaryngologie, Chirurgie und Röntgendiagnostik). Leider erlitt das Krankenhaus grossen Schaden, zum Glück gab es aber keine Opfer! Am schwersten traf es die Pathologisch-Anatomische Station des Gerichtsmedizinischen Instituts: Reiner Vandalismus von Seiten der Ukraine, weil die Schäden sehr gross waren. 

2014 traf in der Station № 5 dieses Krankenhauses ein Geschoss der „heldenmutigen“ ukrainischen Armee direkt die Entbindungsstation, das glücklicherweise nicht explodierte! Nach dem Beschuss des Stadtzentrums vom 14. März 2022 mit „Totschka-U“ wurden die Verletzten in diesem Krankenhaus erfolgreich behandelt. Am 09. August 2022 um 19.50 Uhr wurde das grösste medizinische Zentrum erneut von Ukronazis beschossen: Es gab einen Brand auf dem Dach, infolgedessen 30 Quadratmeter der Bedachung beschädigt wurden. Das medizinische Personal begleitete die Patienten in den Luftschutzkeller und rief die Feuerwehr an, die um 20.40 Uhr den Brand löschte. Und wiederum gab es zum Glück keine Opfer und Verletzte!

Aber woran sind die Kinder schuld? Warum wurden Krankenhäuser für Kinder gezielt von ukrainischen Militärs beschossen? Als besonders zynisch gilt der Beschuss der Kinderpoliklinik, die sich unweit der Bushaltestelle namens „Uliza A.F. Sassjadko“ befindet, vom 28. August 2014 im Kiewer Bezirk. Dieses Krankenhaus wurde sehr stark beschädigt, alle Spuren der ukrainischen Artillerie kann man noch deutlich an den Wänden, Fenstern, Leitern sowie am Dach und dem Fussboden sehen.

Am 26. September 2014 wurde die Entbindungsabteilung des Krankenhauses № 3 von ukrainischen Streitkräften beschossen. Dabei wurden durch die starke Sprengwelle die Verglasung und das Dach zerstört. 650 Quadratmeter der Bedachung mussten schnell erneuert werden.

Am 16. Oktober 2014 wurde die Krankenhausküche des städtischen Kinderklinikums № 1 im Kujbyschewer Bezirk getroffen. Zum Glück waren dort gerade keine Kinder, weshalb niemand verletzt wurde! Aber das war zu wenig für die Ukronazis, denn sie beschossen dieselbe medizinische Einrichtung am 26. Februar 2022 einmal mehr. 

Am 12. November 2014 wurde die Kinderinfektionsabteilung des Städtischen Klinischen Krankenhauses № 21 im Petrower Bezirk getroffen und das Dach beschädigt. Hätte es hier keine Fensterrahmen aus Metallkunststoff gegeben, wären die Schäden um ein Vielfaches grösser gewesen. Ausserdem wurden während dieses Beschusses von ukrainischer Seite aus Staromichajlowka auch Privathäuser und eine Starkstromleitung getroffen, wodurch diese Objekte lahmgelegt und auch ein Hund getötet wurde.

Infolge der Beschüsse des städtischen Kinderkrankenhauses № 4 im Petrower Bezirk (physiotherapeutische und Infektionsstation) am 15. und am 26. Januar 2015 landeten Geschosse auf dem Gelände vor und hinter dem Gebäude und beschädigten das Dach, die Verglasung, die Heizung und die Eingangstüren. Die Fensterrahmen wurden später von den Polizisten, die Hilfe leisteten, mit Polyethylen überzogen. Die kleinen Patienten litten nur deshalb nicht, weil das Krankenhaus während der kontinuierlichen Artilleriebeschüsse als Tagesklinik funktionierte. Im Laufe der folgenden Woche waren die medizinischen Leistungen für die jungen Donezker Patienten daher nicht in vollem Masse gewährleistet, weil es in den Räumen weder Fenster noch Heizung gab. Trotz allem waren bereits nach einer Woche die Stationen wieder aufgebaut und funktionierten wieder.

Aber besonders tierisch wurden die Ukronazis während des laufenden Jahres 2022, indem sie unsere medizinischen Einrichtungen sowie Schulen, Kindergärten, Wohnhäuser und andere Objekte der zivilen Infrastruktur hart beschossen und leider immer noch beschiessen. An einem Tag, dem 13. Juni 2022, wurden von der Ukraine mehrere Terroranschläge verübt: Ziele waren ein Entbindungshaus, ein Markt, eine Fabrik, ein Wohnheim und Wohnhäuser. Trauriges Ergebnis: fünf Tote und Dutzende Verletzte. Davon erfährt die ganze Welt gar nichts, obwohl es sich doch lohnen würde, solch eine gezielte Vernichtung der Zivilbevölkerung zur Kenntnis zu nehmen! 

Das Donezker Republikanische Zentrum für Mutter- und Kinderschutz des Wischnewskij-Krankenhauses im Kiewer Bezirk war am 13. Juni 2022 Ziel eines Beschusses der Ukronazis. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich dort Hunderte Menschen auf: Mütter, Neugeborene und Schwangere sowie Arzte, die unter diesen extrem schwierigen Bedingungen trotzdem arbeiteten. Bei dem geringsten Geräusch und jeder sich andeutenden Gefahr liefen alle mit den Kleinen und allem Nötigen in den Luftschutzkeller. Damals hielten sich mehr als 200 Personen in einem Raum auf, einen anderen Raum verwandelte man dort in einen Operationssaal. 

Eine junge Mutter mit dem schlafenden Säugling auf dem Arm erzählte: „Aus einer Hölle in eine andere! Im April kamen wir aus Wolnowacha nach Donezk. Meine zweimonatige Kleine wog damals erst 800 Gramm, aber jetzt, nachdem sie in diesem Zentrum durchgebracht wurde, wiegt sie schon 2 Kilo!“ Stark beschädigt wurden das Dach, die Verglasung, die Fassade mit Eingangstür. Das Geschoss bohrte sich ins Dach direkt über dem Kreisssaal. Da dort im Moment keine Gebärenden waren, gab es glücklicherweise keine Opfer! So sah die Krankenhausentlassung aus dem Entbindungshaus aus: In der Nacht, weder Blumen noch Fotos zum Andenken, beflügelten Schrittes bis zum Auto; das Neugeborene schlief auf dem Arm der Oma, die Selenskyj „grüssen“ lies. Eigentlich sollte die Mutter noch fünf Tage im Krankenhaus verbringen, weil sie einen Kaiserschnitt hatte.

An jenem Tag gab es dreimal Beschüsse: Um 11 Uhr, um 14 Uhr und um 18 Uhr. Während des ersten Beschusses schaffte es eine Ärztin, in einem im Kellerraum neuausgestatteten Kreisssaal ein Kind zur Welt zu bringen! So eine gezwungene Praktik existiert seit 2014. Auf solche Weise gebar eine meiner Bekannten 2014 ihren Sohn – das Kind des Krieges, wie man bei uns sagt …

„Während des letzten Beschusses befanden sich drei Kleinkinder in der Intensivbehandlung, zwei von ihnen waren in kritischem Zustand und waren daher an ein künstliches Lebensversorgungssystem angeschlossen. Die Perspektive, dies ausserhalb dieser Abteilung durchzuführen, bedeutete grosse Gefahr; zudem war das unmöglich. Denn es war sehr gefährlich, die Säuglinge von diesem System zu trennen! So blieb nichts anderes übrig, als bei den Kindern zu bleiben und ihnen sichere Bedingungen zu schaffen. Eine grosse Glaswand wurde allerdings von der Sprengwelle zerstört. Zum Glück erlitten die Kinder keinen Schaden. Das Risiko war sehr gross, aber in dieser Situation gab es keine andere Lösung. Mit mir waren noch zwei Helferinnen dabei: Die Dienstärztin und eine Krankenschwester. Das waren Menschen, die ernsten Mut und Professionalität zeigten. Drei andere Mitarbeiter konnten ihre Angst nicht bewältigen und gingen in den Kellerraum, diese beiden blieben mit mir und halfen – vielen Dank ihnen dafür! Sie sind richtige Prachtmenschen!“ So der stellvertretende Generaldirektor des Zentrums Dmirij Bessonow. Für diese Heldentat wurden Herr Bessonow und seine Helferinnen von Denis Puschilin ausgezeichnet. Die Oberärztin konnte in jener Nacht wegen der härtesten Beschüsse kein Auge schließen, wie alle anderen in dieser medizinischen Anstalt. Das Personal evakuierte alle Patientinnen und Säuglinge in den Luftschutzkeller, alle waren heil und gesund. Gott sei Dank! 

„Mitteilungen über den Beschuss des Entbindungheimes in Donezk erregen Besorgnis, jegliche Angriffe auf die Objekte der zivilen Infrastruktur verletzen das Völkerrecht“, erklärte der offizielle Vertreter des UNO-Generalsekretärs Stèphane Dujarric den Journalisten. – Wirklich? Im Ernst? Und warum wurde das erst 2022 von so hohem Katheder verkündet? Und was nützt das, wenn der blutgefrässigen Ukraine, die uns weiter beschiesst, das absolut egal ist? 

Als besonders unmenschlich in jeder moralischen Hinsicht gelten Hohn und Misshandlung von Behinderten, erst recht von behinderten Kindern. Aber wie wir schon wissen, gelten für die Ukraine keine Gesetze, geschweige denn ungeschriebene! So wurde am 11. April 2022 das Rehabilitationszentrum für behinderte Kinder im Kirower Bezirk stark beschossen, während die Mitarbeiter gerade mit dem Verteilen der humanitären Hilfe für die Betreuten sowie für Flüchtlinge und Verletzte beschäftigt waren. Zum Glück gab es keine Opfer! Im Gebäude aber wurde die Verglasung komplett zerstört. 

Und welches Recht hatten blutrünstige Ukronazis, die Fachkrankenhäuser für Psychiatrie zu beschiessen? Am 20. September 2014 landete um 22.50 Uhr auf dem Gelände des Gebietsfachkrankenhauses für Psychiatrie im Petrower Bezirk ein 250 mm grosses Geschoss, das zum Glück nicht explodierte! Infolge eines Beschusses sind auch in der Nacht vom 1. auf den 2. Dezember 2016 die Verglasung und Fensterrahmen beschädigt worden.

Am 26. Juli 2022 geriet das Republikanische klinische Krankenhaus für Psychiatrie im Kirower Bezirk unter ukrainischen Artilleriebeschuss, wodurch drei Personen verletzt wurden: eine Mitarbeiterin der medizinischen Anstalt, ein Patient und eine Passantin, die gerade an der nahegelegenen Haltestelle stand. Im Moment des Beschusses befanden sich auch andere Leute an der Haltestelle. Viele von ihnen konnten in die geöffneten Türen des Krankenhauses fliehen und sich auf diese Weise retten.

Am 02. Oktober 2014 wurde der stellvertretende Missionschef des Roten Kreuzes, der Schweizer Laurent DuPasquier, infolge des Beschusses des Büros des Internationalen Komitees im Kiewer Bezirk von Donezk durch ukrainischen Beschuss getötet. Das Bürogebäude wurde stark beschädigt. Die Leiche DuPasiers wurde ins Obstruktionshaus des Kalinin-Krankenhauses für eine rechtsmedizinische Untersuchung überführt, an der auch die Vertreter der OSCE-Mission grosses Interesse zeigten.

Das Bürogebäude des Internationalen Roten Kreuzes in Donezk nach dem Beschuss durch die Ukraine.