Als Wladimir Putin 2001 im deutschen Bundestag eine Rede hielt – davon teilweise in deutscher Sprache –, da erntete er noch eine Standing Ovation. Aber als Putin in seiner Rede an der Sicherheitskonferenz in München im Jahr 2007 erklärte, dass er die Herrschaft der USA über die ganze Welt nicht akzeptiere, da war die Liebe der Deutschen zu Putin zu Ende. Einflussreiche Leute wie Josef Joffe, damals Herausgeber der Wochenzeitung «DIE ZEIT», starteten erfolgreich den deutschen Russenhass – nicht zuletzt im Interesse der USA, die ein wirtschaftliches Zusammengehen von Deutschland und Russland fürchteten wie die Pest, weil diese zwei Staaten sehr gut zusammenpassten: Russland mit den Bodenschätzen, Deutschland mit der hochentwickelten Industrie, gemeinsam stärker als die USA. Im Bild Wladimir Putin im deutschen Bundestag 2001. (cm)

Kommentar | Eine neue Weltordnung

(Red.) Wo ist der Hoffnungsträger, auf den man setzen könnte, um die durch die US-Außenpolitik aus den Fugen geratene Welt wieder ein bisschen zu stabilisieren? Wolfgang Bittner gehört zu jenen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben. Er glaubt, dass es immer noch möglich ist, die ehemals guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland zu reparieren – im Interesse nicht zuletzt von Deutschland. Und er vertraut dabei auch auf Wladimir Putin, der eigentlich immer eine deutschfreundliche Haltung hatte. Da kann man nur sagen: Hoffentlich hat Wolfgang Bittner Recht. (cm)

Fast täglich ist über neue Niederträchtigkeiten zu berichten, doch dabei sollte das große Ganze nicht aus den Augen verloren werden. Mit dem von Donald Trump ausgelösten Bruch zwischen den USA und den übrigen Nato-Staaten ist ein Kipppunkt sowohl in der europäischen als auch in der internationalen Politik erreicht. Während die Verunsicherung von Tag zu Tag zunimmt, neigt sich die Ära der „regelbasierten internationalen Ordnung“ unter Missachtung des Völkerrechts durch den kollektiven Westen ihrem Ende zu. Der globale Süden und Russland lassen sich eine Bevormundung und Unterdrückung durch die USA und ihre Vasallen nicht mehr gefallen, und das ist die große Mehrheit der Weltbevölkerung. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Zukunft bei BRICS und der Belt-and-Road-Initiative liegt.

Wie auch immer die Imperialpolitik der US-Regierung unter Trump oder anderen Präsidenten weitergeht: Global gesehen, stehen wir vor der Realisierung neuer gesellschaftspolitischer Vorstellungen, die auf Humanität und der Gleichberechtigung von Menschen und Völkern beruhen, mit anderen Worten: auf den in der Charta der Vereinten Nationen festgeschriebenen Grundsätzen. Zwar werden von den Vertretern der Kapitalinteressen immer schärfere Maßnahmen zur Kontrolle und Unterwerfung ihrer Bevölkerungen realisiert, und die Mehrheit der westlichen Staaten einschließlich Deutschlands befindet sich schon länger auf einer abschüssigen Bahn in den Totalitarismus. Aber der Bogen ist überspannt, nicht zuletzt durch die von den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union geduldeten rechtswidrigen Anmaßungen der EU-Kommission, unter anderem bei der Sanktionierung widerständiger Journalisten.

Donald Trump versucht noch, den Bankrott der USA auf Kosten ihrer Vasallen zu verzögern, aber als Ausweg bleibt denen, sich auf die ehemals guten Kontakte zu Russland und China zu besinnen. Zu hoffen ist, dass die gebotene Chance erkannt und wahrgenommen wird. Gerade für Deutschland hatten sich mit Russland für beide Seiten besonders vorteilhafte wirtschaftliche Beziehungen entwickelt. Daran gälte es wieder anzuknüpfen, und zwar solange Wladimir Putin noch Präsident ist. Er hat bekanntlich eine deutschfreundliche Einstellung und trotz der massiven persönlichen Anfeindungen bis in die jüngste Zeit mehrmals ein friedliches, konstruktives Miteinander angeboten. Dabei kann es nicht darum gehen, die transatlantischen Beziehungen aufzugeben. Vielmehr müsste sich ein neutrales Deutschland sowohl nach Übersee als auch nach Osten offenhalten.

(Red.) Siehe dazu auch das Buch: Wolfgang Bittner, Geopolitik im Überblick. Deutschland-USA-EU-Russland, Verlag Hintergrund, Berlin, Juli 2025

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