Dr. Leo Ensel während der Konferenz „Dialog der Zivilgesellschaften“, Essen 11. Juni 2024 (© Deutsch-Russisches Forum e.V.)

Trotz Durststrecke am Ball bleiben

(Red.) Am 11. Juni 2024 fand – organisiert vom Deutsch-Russischen Forum in Kooperation mit der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen, dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften und der Stiftung West-Östliche Begegnungen – unter dem Titel „Tue Gutes und rede darüber“ ein Dialog der Zivilgesellschaft statt. Wir dokumentieren hier das Eingangsreferat unseres Autors, der selbst Mitglied des Deutsch-Russischen Forums ist. (cm)

Vorbemerkung

Als Herr N. vom Deutsch-Russischen Forum mich vor einigen Monaten anrief und mich fragte, ob ich bereit wäre, ausgerechnet zum Thema „Trotz Durststrecke am Ball bleiben“ hier auf dieser Konferenz einen, womöglich auch noch „mutmachenden“, Vortrag zu halten, da entfuhr es mir unwillkürlich: „Warum ausgerechnet ich? Und ausgerechnet zu diesem Thema?“ – Worauf er antwortete: „Na, Sie sitzen doch jetzt bald zehn Jahre an den Themen ‚Eskalation bzw. Deeskalation zwischen dem Westen und Russland‘ und ‚Wie kann man trotz allem gute Beziehungen zwischen den Menschen beider Seiten aufrechterhalten?‘ Und Sie machen immer noch weiter!“ – Und ich antwortete „Ja, schon – aber …“ – Worauf er nur meinte: „Das reicht doch!“

Später kam mir der Gedanke: „Vielleicht war das ja eine sehr geniale Idee von Herrn N. Vielleicht wollte er mit dieser Wahl einfach folgendes und in der Tat ‚Mutmachendes‘ vermitteln: ‚Wenn so ein stinknormaler Mensch wie Leo Ensel trotz Durststrecken am Ball bleiben kann, dann können Sie das alle hier auch!‘“ – Und da kann ich ihm nur rechtgeben …

In diesem Sinne möchte ich Ihnen in der kommenden halben Stunde einen biographisch orientierten kleinen Sermon über mein Lebensthema „Gute Beziehungen zwischen dem Osten und dem Westen“ vortragen. Ich verstehe mich und meine höchstpersönliche „Ost-West-Geschichte“ hier als ‚Fall‘. Und ich bin mir sicher: Sie werden sich und Ihre Arbeit immer wieder in dem einen oder anderen Aspekt wiederfinden! Dabei möchte ich betonen: Allem, was ich zu diesem Thema in den letzten Jahren, Jahrzehnten getan habe, lag kein ‚Masterplan‘ zugrunde. Vielmehr gilt – und dies auch erst im Nachhinein – das Bonmot des Philosophen Søren Kierkegaard:

„Das Leben wird nach vorne gelebt und nach hinten verstanden!“

Angst vor ‚den Russen‘ – Angst vor dem Atomkrieg

Ich bin kein Kriegskind, aber ein Kind des Kalten Krieges. Und das Thema „Ost-West“ ist mein Lebensthema.

Geboren Mitte der Fünfziger Jahre, aufgewachsen in einem katholisch-konservativen Milieu im Rheinland, bin ich groß geworden mit der Angst vor ‚den Russen‘. Irgendwann würden sie kommen, uns überfallen und ihren schrecklichen Kommunismus hier einführen – jedenfalls dann, wenn die Amerikaner uns nicht beschützen würden! 

Anfang der Siebziger Jahre, als alle meine Klassenkameraden nach Österreich, Italien, Spanien oder gar nach Griechenland reisten, fuhr ich zum ersten Mal – und von da an alle ein bis zwei Jahre – in die DDR. Ich hatte in Thüringen ein Patenkind. Die höchst umständliche, irgendwie aber auch abenteuerlich-aufregende Reise in das Land hinter der Mauer und Stacheldraht – für uns Westler damals eine Zeitreise um Jahrzehnte zurück –, dieses Pendeln zwischen zwei völlig gegensätzlichen Lebenswelten auf einem Territorium, das mal ein Land gewesen war, dies war, so erscheint es mir heute, der Beginn eines lebenslangen Pendelns zwischen Ost und West unter den verschiedensten geopolitischen Rahmenbedingungen. Und es war im Rückblick der Keim für meine späteren interkulturellen Trainings bei lokalen Goethe-Instituten mit Germanistinnen in Mittel-/Osteuropa und im postsowjetischen Raum.

Später, in den Achtziger Jahren, löste die Angst vor einem alles vernichtenden Atomkrieg die Angst vor ‚den Russen‘ ab. Ich schrieb damals für die junge westdeutsche Friedensbewegung ein Buch über „Angst und atomare Aufrüstung“. Und wie Hundertausende andere Westdeutsche ging ich auf die Straße, um gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen zu protestieren, die, das war unsere Überzeugung, die Gefahr eines Atomkrieges in Europa dramatisch verschärften. Die Lage schien aussichtslos: Beide Supermächte bis an die Zähne bewaffnet, in einer verhängnisvollen Aufrüstungsspirale verstrickt. Auf jede ‚Nachrüstung‘ folgte prompt eine ‚Nach-Nachrüstung‘, die Vorwarnzeiten betrugen zum Schluss nur noch vier Minuten – und beide deutsche Staaten mittendrin! Unser Land, die (alte) Bundesrepublik Deutschland, war mit rund 6.000 gelagerten Atomsprengköpfen das Land mit der größten Atombombendichte der Welt. Das potenzielle Schlachtfeld der Supermächte. Im Ernstfall wäre hier kein Stein auf dem anderen geblieben. Und das wussten wir alle.

„Einer muss anfangen, aufzuhören!“, so lautete eine etwas hilflose Parole. 

Und dann geschah ein Wunder.

Michail Gorbatschow

Eine Seite fing wirklich an, aufzuhören. Und es waren ausgerechnet unsere ‚Feinde‘! Der neue und jugendliche Held auf der weltpolitischen Bühne meinte es ernst. Fünf Jahre später war die Welt eine völlig andere: Die Mauer war gefallen, die kommunistischen Diktaturen in Mittel-/Osteuropa waren – fast überall friedlich – zusammengebrochen, Deutschland wiedervereinigt, aber das Allerwichtigste: Michail Gorbatschow, die Lichtgestalt aus dem Osten mit seiner attraktiven klugen Frau an der Seite hatte uns die Angst vor einem jeden Augenblick drohenden Atomkrieg genommen! Mit Zähigkeit und Klugheit hatte er nichts weniger als den bedeutendsten Abrüstungsvertrag der Weltgeschichte durchgesetzt! Das hatte es im Kalten Krieg noch nie gegeben: Eine ganze Waffenkategorie – und zwar die allergefährlichste – wurde in Ost und West restlos verschrottet und 80 Prozent aller Atomsprengköpfe weltweit gleich mit!

Und es ging weiter: Ende 1990 wurde mit der „Charta von Paris“ der Kalte Krieg offiziell für beendet erklärt. NATO und der (damals noch existierende) Warschauer Pakt erklärten feierlich, sich nicht mehr als Feinde zu betrachten. Der Weg schien frei für Gorbatschows Vision vom „Gemeinsamen Europäischen Haus“ – für einen Wimpernschlag der Weltgeschichte schien sogar Kants „Ewiger Frieden“ in Reichweite gerückt.

Das waren die Träume einer Zeit, in der auf einmal alles doch noch gut zu werden schien. 

Die Entdeckung des Ostens

Anfang der Neunziger Jahre verfasste ich meine Dissertation über die wechselseitigen Fremd- und Selbstbilder von Ost- und Westdeutschen zu Beginn der Wiedervereinigung; ein Projekt, das ich erst in dessen Verlauf – sozusagen ‚on the job‘ – als ‚ethnologische Feldforschung im eigenen Land‘, als Form ‚interkulturellen Lernens‘ zu begreifen lernte. Ab Mitte der Neunziger Jahre dehnte ich als Freelancer bei lokalen Goethe-Instituten, dem DAAD und der Robert Bosch-Stiftung meine Ost-West-Forschungen immer weiter in den Osten, in das Gebiet unserer einstmaligen ‚Feinde‘ aus: Nach Mittel-/Osteuropa in die Länder des ehemaligen Warschauer Paktes und in nahezu alle Länder des postsowjetischen Raums. Überall erkundete ich mit Germanistinnen vor Ort – Universitätsdozentinnen, Deutschlehrerinnen und Studentinnen – mit Mitteln von Rollenspielen deren Bilder von ‚den Deutschen‘ und ihre komplementären nationalen Selbstbilder.

Für mich wurden diese zahlreichen Fahrten in den Osten zu einer einzigen riesigen Entdeckungsreise auf einem bis dato unbekannten Kontinent, der im Kalten Krieg nur ein gigantischer weißer Fleck auf meiner inneren Weltkarte gewesen war. Überall fand ich dieselben Transformationsprobleme vor, überall zeigten sie sich anders. Überall lernte ich außerordentlich freundliche, hilfsbereite Menschen kennen, die alle kein einfaches Leben führten, sich irgendwie durchkämpfen mussten, das auf imponierende Weise auch schafften und mit nicht wenigen von ihnen freundete ich mich an.

Ende der Neunziger Jahre war ich zeitweise mit einer jungen russischen Germanistin aus Li­pezk liiert und schrieb für sie – stellvertretend für die Germanistikdozentinnen im postsowjetischen Raum – ein Buch über die „Deutschlandbilder in der GUS“. Diese deutsch-russische Beziehung war auch der Anlass für eine spätere sehr intensive Recherche der Kriegsroute meines Großvaters, die ihn als Oberstabsarzt der Heeresgruppe Süd ab Juni 1941 von Lemberg über Tarnopol, Uman quer durch die Ukraine bis in den Donbass geführt hatte, wo er vom Winter 1941/42 bis Sommer 1942 in Konstantinowka und Bachmut (damals: Artjomo­wsk), 80 Kilometer nordöstlich von Donezk (damals: Stalino), ein Armeelazarett leitete. Ab Sommer 1942 musste er in den Kaukasus bis nach Maikop und von dort Ende des Jahres zurück auf die Tamanhalbinsel, gegenüber der Stadt Kertsch im Osten der Krim, wo er im Frühjahr 1943 die Kämpfe um den sogenannten „Kuban-Brückenkopf“ miterlebte. 

Als ich dann im Mai 2005 einen Auftrag vom Goethe-Institut Kiew erhielt, gab man mir die Möglichkeit, nicht nur in Kiew, sondern auch im Donbass – in Donezk und Gorlowka (Horliwka); zur Zeit beide Städte im Rebellengebiet – interkulturelle Trainings durchzuführen. Ich nutzte diese Gelegenheit, um unmittelbar vor Ort die Spuren meines Großvaters zu erkunden, Kontakt mit Veteran/inn/en aufzunehmen und ihnen die Fotos zu schenken, die mein Großvater in ihren Städten während der Besatzungszeit aufgenommen hatte. Und ich bekam in dieser Woche sehr intensiv mit, dass die Menschen im Donbass einen vollkommen anderen Blick auf die politischen Verhältnisse in der Ukraine haben als die Menschen im Westen des Landes – eine Erfahrung, die mir spätestens seit Beginn des Euromaidan, Ende 2013, hilft, auch die andere, in unseren Medien nahezu ausgeblendete Perspektive nachzuvollziehen!

Ein weiteres Projekt war ein Theaterstück über den russischen Tangosänger Pjotr Leschtschenko – ein Superstar in den Dreißiger Jahren und clandestiner Liebling der Sowjetbürger dieser Epoche, der 1954 in einem Lager bei Bukarest jämmerlich verreckte –, das ich zusammen mit einem Oldenburger „Theater Laboratorium“ verfasste und für das ich im Sommer 2006 in Odessa recherchierte.

Hätte man mich damals gefragt, was ich „da im Osten“, vor allem im postsowjetischen Raum, eigentlich treiben würde, so hätte ich geantwortet: „Aufräumarbeiten nach dem Ende des Kalten Kriegs!“ Und wenn man mich gefragt hätte, was denn mein Lebenstraum wäre, dann hätte ich nur sagen können: „Dass Deutsche und Russen – genauer: EU-Europäer und die Menschen des postsowjetischen Raums – sich alle mal genauso gut verstehen, wie heute die ehemaligen Erbfeinde Deutschland und Frankreich!“ Der Kindertraum von einem großen Runden Tisch, an dem alle entspannt sitzen und bei einem gepflegten Essen ein gutes Glas Rotwein zusammen trinken. 

Dass die Welt nochmal in einen zweiten, vielleicht noch schlimmeren Kalten Krieg, nein: an den Rand eines Dritten Weltkrieges schlittern könnte, das war damals jenseits meines Vorstellungsvermögens …

Der neue Kalte Krieg

Aber spätestens seit Beginn des Ukrainekonflikts Ende 2013/Anfang 2014 ist es wieder soweit. Für mich bedeutet dies konkret: Menschen, mit denen ich mich im Verlauf vieler Jahre angefreundet hatte – u.a. in Polen, der Westukraine, dem Donbass und Russland –, streiten sich jetzt untereinander. – Und ich mitten drin!

Und nicht nur das: Themen, Bedrohungen, Ängste aus der Zeit des (ersten) Kalten Krieges, vor allem aus den Nachrüstungszeiten der Achtziger Jahre, von denen ich dachte, sie seien durch Gorbatschow glücklich für immer erledigt, werden wieder aktuell. Es ist für mich wie ein Flashback mehr als 40 Jahre zurück! Es zerreißt mir das Herz, dass ich ohnmächtig mit ansehen musste, wie das abrüstungspolitische Erbe Michail Gorbatschows, wie fast alle Rüstungskontroll- und Abrüstungsverträge, und zwar in erster Linie vom ‚Westen‘, nach und nach mutwillig an die Wand gefahren – und dass dies von den Öffentlichkeiten in allen direkt und mittelbar betroffenen Ländern völlig apathisch hingenommen wurde! Und es macht mich, je nach Stimmung, fassungslos bis zornig, dass ich mit nun 70 Jahren gezwungen bin, mich wieder mit denselben Themen zu befassen wie damals, als ich noch keine 30 war.

Nur dass es damals in der Bundesrepublik eine breite, bis in die kleinsten Orte vernetzte Friedensbewegung gab und heute – so gut wie nichts! Ich habe mich in den Achtziger Jahren zu Nachrüstungszeiten nicht annähernd so isoliert gefühlt wie heute.

Anfang März 2014 – die Krim war noch Teil der Ukraine – setzte ich mich an den Schreibtisch und machte mir, reichlich größenwahnsinnig, Gedanken über Wege aus der neuen West-Ost-Konfrontation. Sie liefen, kurz gesagt, auf eine Rekonstruktion des Gorbatschow‘schen „Gemeinsamen Europäischen Hauses“ hinaus und auf die Vision einer partei-, länder- und ‚block‘übergreifenden Bewegung ‚von unten‘ für Deeskalation. Ich nenne sie „Breite Koalition der Vernunft“. Und während dieser Zeit des Schreibens, der Neuorientierung im Zeitlupentempo, schien es mir, als hätte ich mein ganzes bisheriges Leben lang – mit meinem Engagement in der Friedensbewegung der Achtziger Jahre, meinem Buch über „Angst und atomare Aufrüstung“, meinen zahlreichen Fahrten fast in den gesamten postsowjetischen Raum, meinen interkulturellen Trainings mit russischen, ukrainischen, weißrussischen, kasachstanischen, armenischen etc. Germanistinnen und anderen Ost-West-Aktivitäten – als hätte ich die ganzen Jahre und Jahrzehnte über nichts anderes getan, als mich fit zu machen für diese Zeit der erneuten Konfrontation zwischen dem Westen und Russland!

Als ‚Gorbatschowianer‘ in ‚putinfinanzierten Medien‘

Es war allerdings für mich erheblich leichter, meine Gedanken zur Deeskalation zu entwickeln, als sie in die Welt zu bringen, geschweige denn zu realisieren! Da halfen mir auch meine Kontakte zum Deutsch-Russischen Forum, dessen Mitglied ich seit einigen Jahren bin, nicht weiter. Nach einer dreieinhalbjährigen Odyssee durch die deutschen Leitmedien, bei denen ich ausnahmslos Körbe einkassierte, nahm ich schließlich im Herbst 2017 das Angebot von RT Deutsch an, dort Texte als Gastautor zu veröffentlichen – wohlwissend, dass ich damit, so wie die Verhältnisse hier nun mal sind, mein Image in den Leitmedien endgültig ruinieren würde! Nachdem ich allerdings bis dato x-mal die Erfahrung machen musste, dass Essays, in denen Russland nicht ausschließlich für alles und jedes verantwortlich gemacht wird, gar nicht erst angesehen werden, beschloss ich, frei nach dem Motto „Beware of old men – they‘ve got nothing to lose!“ die Möglichkeiten zu nutzen, die mir in unserer ‚vielfältigen Medienlandschaft‘ überhaupt noch bleiben. Und siehe da: Alle Themen meiner circa 150 Essays, die ich bis zum 24. Februar 2022 bei RT veröffentlichte, habe ich mir selbst ausgesucht, RT hat mich kein einziges Mal inhaltlich zensiert. 

Mein Problem dabei war allerdings: Mit meinen Texten, die ich alle als Variationen des Themas „De-Eskalation in der neuen West-Ost-Konfrontation“ ansehe, wollte ich die bürgerliche Mitte unserer Gesellschaft, ohne die sich nichts ändert, erreichen. Die liest aber nicht – und heute erst recht nicht – RT DE! Die Leit- und anderen Medien, die die Mitte der Gesellschaft bedienen, veröffentlichen umgekehrt keine Texte eines Autors, der bereits notorisch bei RT publiziert hat …

Kurz: Die extreme Verengung des Meinungskorridors in unseren ‚vielfältigen‘ deutschen Leitmedien brachte es mit sich, dass ich als „eingefleischter Gorbatschowianer“ jahrelang nur in „kremlnahen“, sprich: „putinfinanzierten“ Medien veröffentlichen konnte! By the way: Damit befinde ich mich mittlerweile allerdings in allerbester Gesellschaft, da selbst Gorbatschow höchstpersönlich, den ich in den letzten Jahren seines Lebens noch zweimal in seiner Stiftung besuchen konnte, mit seinem letzten Buch „Was jetzt auf dem Spiel steht – Mein Beitrag für Frieden und Freiheit“ in den deutschen Leitmedien fast ausschließlich ignoriert wurde! (Die erste – und lange Zeit einzige – Rezension dieses Bandes in Deutschland stammte übrigens von mir. Und zwar ausgerechnet in RT…!)

Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine habe ich meine Tätigkeit als Gastautor bei RT als, wie ich mich selbst definierte, „von Putin bezahltes freundliches Gorbatschow-U-Boot“ eingestellt. Nicht aus Angst vor einem – angesichts meiner noch nicht mal ignorierten Texte eh höchst unwahrscheinlichen – Shitstorm, sondern aus bitterer Enttäuschung über die russische Invasion, die ich noch einen Tag zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Meine Veröffentlichungen bei RT sind seit Kriegsbeginn im digitalen Orkus verschwunden, wenn auch – mit etwas Knowhow – leicht wieder zum Leben erweckbar.

Der Abschied von RT DE fiel mir insofern nicht allzu schwer, als ich mich parallel zu den fünf Jahren meiner Gastautorentätigkeit zumindest auf anderen ‚Alternativplattformen‘ – NachdenkseitenTelepolisOstexperteFree21, den Schweizer Medien infosperber und Globalbridge, sowie neuerdings allerdings auch in der Berliner Zeitung – etwas ‚etablieren‘ konnte. Nein, nicht nur das: Mit der letzteren Option schaffe ich es doch tatsächlich, mich nach über zehn Jahren vom publizistischen Nirgendwo über den Mainstream der Ränder gar an die Ränder des Mainstreams heranzurobben! 

An meiner Kritik an unseren Leitmedien habe ich nichts zurückzunehmen. Der Meinungskorridor hat sich seit Kriegsbeginn noch weiter verengt und die Ausgrenzung Andersdenkender massiv verschärft!

Just do it!

Nun aber hat sich – im zarten Alter von 70 Jahren – doch noch etwas Entscheidendes in meinem Leben verändert: Seit Sonntag dem 9. Juni sieht alles danach aus, dass ich spätestens ab Herbst diesen Jahres die Möglichkeit haben werde, die nächsten vier Jahre von Brüssel aus über das Schreiben von Essays hinaus womöglich sogar tatsächlich etwas für mein Herzensthema, „Deeskalation zwischen Ost und West“, zu bewirken!

Aber ich betone nochmals: Ich hatte niemals einen ‚Masterplan‘! Ich habe einfach – und das ist vermutlich die einzige, aber entscheidende ‚Lehre‘, die ich Ihnen mitgeben kann –, ich habe einfach getan, was ich tun musste! Ohne nach irgendeinem Erfolg zu schielen. 

Laut dem französischen Philosophen Albert Camus soll Sisyphos ja ein glücklicher Mensch sein. Vermutlich, weil er einfach jeden Tag immer wieder stur das tut, was er tun muss – ohne dabei nach links oder rechts zu blicken… In diesem Sinne lautet meine simple Message an Sie:

Just do it!

Und das können Sie, denn – und diesmal zitiere ich einen bekannten Werbeslogan der Volksbanken: „Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt!“

In diesem Sinne also.