Der Iran ist zu einem Frieden mit den Nachbarn bereit
(Red.) Der Vordere Orient – Westasien – wird durch immer neue Kriege durchgeschüttelt. Hauptverlierer wird, auch wenn US-Präsident Donald Trump immer wieder mit einem totalen Vernichtungskrieg gegen den Iran droht, der geopolitische Westen sein, dem die dortige Vormacht aus Zeiten des Kolonialismus mehr und mehr entgleitet.
Vieles ist in Bewegung an den Kriegsfronten. Der russische Präsident Putin traf am Rande eines Gas- und Energiegipfels in Moskau zu Gesprächen mit dem iranischen Präsidenten Peseschkian und dem Emir von Katar Al Thani zusammen. Beide hatten sich zuvor zu einem Zweiergespräch getroffen. Beide traf Putin auch getrennt.
Das Wall Street Journal (hinter einer Bezahlschranke, daher Anatolische Nachrichtenagentur) berichtet, die USA hätten die arabischen Golfstaaten vor einem möglichen neuen „kurzen, heftigen Krieg gegen Iran“ nach den US-Zwischenwahlen (3. November) gewarnt.
Die Mekka-Allianz – Türkei, Pakistan, Saudi-Arabien – und Iran trafen sich in Teheran. Stabilität, Frieden und Sicherheit standen im Fokus des Treffens, bei dem es vermutlich auch um den Krieg zwischen Saudi-Arabien und der Houthi-Bewegung im Jemen ging. Zudem dürfte über den angedrohten neuen US-israelischen Krieg gegen Iran gesprochen worden sein. In einer vom Iran veröffentlichten Erklärung nach den rund 11-stündigen Gesprächen am 26. Oktober 2026 hieß es, die Teilnehmer hätten „sich geeinigt, den Dialog fortzusetzen, um die Kooperation zwischen den vier Regionalstaaten zu stärken, unter anderem für Frieden und Sicherheit in der Region.“
Am vergangenen Wochenende führte Glenn Diesen, Professor für Internationale Politik an der Nordost-Universität Norwegen, ein Gespräch mit Professor Sayyed Mohammed Marandi, der an der Universität von Teheran lehrt und Berater des ehemaligen iranischen Verhandlungsteams in Sachen Atomprogramm war. Diesen führte in das Gespräch ein mit der Frage, ob die Welt vor einem dritten Krieg (gegen Iran) stehe. „Der Druck der USA nimmt zu, sie drängen nicht nur Pakistan, Türkei und Irak, ihre Handelsbeziehungen mit Iran einzustellen. Sie schicken auch einen dritten Flugzeugträger in Richtung Mittlerer Osten, an Bord etwa 10.000 Soldaten. Trump sagt, es werde etwas geschehen und vermutlich sehr bald. Stehen wir also vor einem neuen Krieg gegen Iran?!“
Der US-israelische Krieg gegen Iran verändert die Region.
Oktober 2026. Israel und die USA stehen vor wichtigen Wahlen. Für Präsident Donald Trump, der den Zwischenwahlen (Midterm-Elections) entgegensieht, stehen die Umfragewerte schlecht. Benjamin Netanyahu, der bei den Parlamentswahlen erneut für den Posten des Ministerpräsidenten angetreten ist, hat gemäß den Auszählungen die absolute Mehrheit bereits verloren.
Beide sind mit den Folgen ihrer Überfälle auf den Iran konfrontiert. Im Juni 2025 und seit dem 28. Februar 2026 haben die US-Armee und die israelische „Verteidigungsarmee“ den Iran massiv bombardiert. Der Iran befand sich jeweils in Verhandlungen mit den USA. Beide Angriffe waren gemäß des Internationalen Rechts illegal, der Iran hatte Krieg nicht provoziert und auch nicht beabsichtigt. Für die Präsidenten Trump und Netanyahu war und ist das kein Maßstab, wie sie deutlich gemacht haben. Und viele ihrer transatlantischen Bündnispartner sehen das auch so. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz lobte Israel bei einem ZDF-Interview am Rande des G7-Gipfels (17. Juni 2025), es mache – mit dem Krieg gegen Iran – „die Drecksarbeit für uns alle“.
Wahlkampf im Zeichen des Krieges
Trump erklärte nun in einer Wahlkampfrede, er werde erneut „ein kleines Epic Fury“ veranstalten, so hatten USA und Israel den letzten Angriff auf Iran getauft. Er könne Iran vernichten, so Trump weiter. Es sei denn, Iran werde einen Deal machen. Drei US-Flugzeugträger befinden sich in der Region um Iran.
Auch für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu war der Krieg gegen Iran Wahlkampfthema. Wenige Tage vor der Stimmabgabe am 27. Oktober veröffentlichte sein Wahlkampfteam die KI-generierte Darstellung einer (iranischen) Atombombe über Tel Aviv. Damit sollten die „zitternden Hände der Wähler“ dazu zu gebracht werden, Netanyahu und seine rechten Bündnispartner zu wählen. Nach dem erreichten Pattsituation könnte die Regierungsbildung in Israel sich bis Februar 2027 hinziehen. Ein Angriff auf Iran könnte von der innenpolitischen Unsicherheit ablenken.
Teheran sucht weiter das Gespräch
Einen Tag vor den Wahlen in Israel kam es in Teheran zu einem wichtigen Treffen der Regierungsspitze des Irans mit Vertretern der Mekka-Allianz von Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei. Die Verteidigungsallianz war Anfang August vereinbart worden, eine deutliche Absage an die USA als Schutzmacht in der Region. Das Treffen der Mekka-Allianz mit Iran macht deutlich, dass „Verteidigung“ in der Region vor allem „Dialog“ bedeutet. Ein neuer US-israelischer Krieg in der Region soll vermieden werden, indem Verhandlungslösungen vorgeschlagen und geprüft werden. Das Treffen macht auch klar, dass Saudi-Arabien, das sich erneut im Krieg mit der Houthi Bewegung im Jemen befindet, den Dialog mit Iran und die pakistanischen Vermittlungsangebote einer weiteren Eskalation im Jemen und im Roten Meer vorzieht. Die Houthi Bewegung ist Teil der „Achse des Widerstandes“ und mit Iran verbündet.
Für den Iran sind seine direkten Nachbarn, die arabischen Golfstaaten, die wichtigsten Gesprächspartner. Als Vermittler haben sich Pakistan, die Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten und Katar für ein Ende des US-israelischen Krieges gegen Iran engagiert. Der Oman, der Jahrzehnte lang als Vermittler zwischen Iran und den USA fungierte, wird von den USA massiv unter Druck gesetzt. Grund ist, dass der Oman neben Iran der einzige direkte Anrainerstaat der Straße von Hormuz ist, einer der weltweit wichtigsten Meerengen. Mindestens 20 Prozent der weltweiten Transporte für Öl und Gas müssen diese Meeresenge passieren.
Bis zu dem ersten US-israelischen Angriff auf Iran im Juni 2025 waren der Persische Golf und die Straße von Hormuz offen für den internationalen Seehandel. Das hat sich gründlich verändert, denn mit dem zweiten US-israelischen Krieg, der am 28. Februar 2026 begann, hat die Meerenge von Hormuz neue Bedeutung gewonnen. Mohsen Resaei, nach der Tötung von Ali Khamenei, dem langjährigen politischen und religiösen Führer des Iran, zunächst militärischer Berater von Khameneis Nachfolger Mojtaba Khamenei, dem Sohn des getöteten Ali Khamenei, erklärte, die Meerenge sei „wichtiger als Dutzende von Atombomben“, die Islamische Republik werde sie schützen. Westliche Medien und Politik griffen das auf und verwiesen nun auf die doppelte Gefahr, die vom Iran angeblich ausgehe: das Land hat ein Atomprogramm und es kontrolliert die Weltwirtschaft durch die Kontrolle der Straße von Hormuz. Die Entwicklung zeigt allerdings, dass jede US-israelische Aggression gegen Iran diesen geopolitisch stärkt und diejenigen im transatlantischen Westen schwächt, die dem Land seit mehr als 40 Jahren mit Kriegen und Sanktionen feindlich gegenüberstehen. Die USA und ihre transatlantischen Partner verlieren ihre wirtschaftliche Macht, eventuelles Ansehen und Glaubwürdigkeit. Die Staaten der Region sind zum Umdenken gezwungen. Ihre bisherigen Partner im Westen schützen sie nicht und so suchen sie Lösungen im Gespräch – auch mit Iran. Zu sehen ist aktive Diplomatie, die Bildung neuer Bündnisse wie der Mekka-Allianz und den R4-Staaten. Der Ausgang ist noch ungewiß, aber sie reden miteinander. Das haben sie dem transatlantischen Westen voraus.
Der „Hinterhof“ Europas
Die Außenminister der so genannten R4 Gruppe – Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten, Pakistan – trafen sich vor wenigen Tagen zu Beratungen in Istanbul. Diese Staaten und auch das Golfemirat Katar hatten während des US-israelischen Krieges in unterschiedlichen Konstellationen vermittelt. Pakistan verkündete im Juni 2026 einen ersten Durchbruch. Iran und die USA hatten sich auf ein „Memorandum of Understanding“, MOU geeinigt, um einen Waffenstillstand und Verhandlungen einzuleiten. Die Vereinbarung wurde von Israel abgelehnt. Das so genannte „Islamabad Abkommen“ war ein 14-Punkte Plan und wurde von den Präsidenten der USA und der Islamischen Republik Iran unterzeichnet. Doch nur wenige Tage später wurde die Vereinbarung von der US-Armee gebrochen und der Iran schoss zurück.
US-Präsident Trump erklärte, das MOU sei damit „vorbei“, doch für den Iran ist die Vereinbarung weiterhin die Grundlage aller möglichen, weiteren Verhandlungen. Auch die Vermittlerstaaten arbeiten weiter. Zwei Mal wurde eine Auswahl des 14-Punkte-Plans von Iran – durch Vermittlung Katars – den USA erneut vorgelegt. Danach könne die Straße von Hormuz in sieben Tagen wieder geöffnet werden, so der iranische Außenminister Abbas Araghchi. Am siebten Tag sollten dann die Verhandlungen über den 14-Punkte Plan wieder aufgenommen werden. Die USA lehnten ab.
Nun bemühen sich auch die E3-Staaten Deutschland, England, Frankreich plus Italien darum, an möglichen weiteren Verhandlungen teilzuhaben. Sie reisten nach Istanbul, wo sich am 23. Oktober die R4-Außenminister von der Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten und Pakistan trafen. Auch die vier, nach eigenem Verständnis „führenden“ europäischen Außenminister erhielten einen Platz an dem Tisch. Sie wollten „Frieden und Diplomatie vorantreiben“, hieß es in einem Bericht von France 24.
Der Gastgeber, der türkische Außenminister Hakan Fidan, präsentierte sich mit den Außenministern am Ufer des Bosporus. Dabei hatte er die Außenminister aus Europa zu seiner Rechten und Linken aufgestellt. Die Außenminister der Region – Saudi-Arabien, Ägypten und Pakistan bildeten die Ränder des „Familienfotos“. Es ging um die Handelsrouten durch die Straße von Hormuz und das Bab al Mandab, das den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet. Diese Meerenge wird aktuell von Ansarallah, der Houthi-Bewegung im Jemen kontrolliert. Das wichtigste Signal des Istanbul-Treffens sei der Ruf nach militärischer Zurückhaltung gewesen, hieß es in späteren Berichten.
Die Anwesenheit der vier europäischen Außenminister bei dem Treffen in Istanbul ist dreist. Diese – und andere europäischen Staaten – hatten den US-israelischen Krieg gegen Iran, der Ende Februar 2026 begann, massiv unterstützt. Als Mitglieder der NATO hatten sie US-Militärbasen in ihren Ländern zur Verfügung gestellt, damit US- und andere NATO-Kampfjets, Aufklärungs- und Versorgungsflugzeuge von dort Richtung Persischer Golf starten konnten. „Seit dem 28. Februar dieses Jahres sind 5.000 Flugzeuge von europäischen Stützpunkten aus gestartet, um die Operation „Epic Fury“ zu unterstützen“, hatte NATO-Generalsekretär Mark Rutte bei einer „Unterhaltung über die Zukunft der NATO“ Ende September beim Chicago Rat für internationale Angelegenheiten (23. September 2026) erklärt. „5.000 – und das war der Stand bis Mitte April. Inzwischen sind es wahrscheinlich schon viel mehr“, so Rutte weiter. Es sei gut, wenn Europa als Teil der NATO anerkannt und unterstützt werde, weil vermutlich „die Durchführung von „Epic Fury“ ohne Europa als Plattform zum Schutz der Machtposition der Vereinigten Staaten unmöglich gewesen wäre.“
Rutte habe klar gemacht, dass europäische NATO-Staaten wesentliche Akteure des völkerrechtswidrigen US-israelischen Angriffs auf Iran gewesen seien, hieß es in einem Artikel auf der Internetseite des iranischen Fernsehsenders Press TV. Die US-Kampfjets seien von NATO-Tankflugzeugen betankt worden, die auf europäischen Militärstützpunkten stationiert gewesen seien, so der Artikel. AWACS-Überwachungsflugzeuge hätten die Angriffe aus dem NATO-Luftraum geleitet. Über militärische Drehkreuze wie die Ramstein Air Base in Deutschland und Aviano in Italien seien die Angriffe koordiniert worden. Die Staaten, die – aus NATO-Bündnistreue – die Stützpunkte auf ihren Territorien zur Verfügung gestellt hätten, trügen direkte Verantwortung für die massive Zerstörung ziviler Infrastruktur im Iran, für Angriffe auf Schulen, auf Universitäten, auf Sporthallen, so Press TV. Sie trügen Verantwortung für die getöteten Kinder, Frauen, Männer – für die es im transatlantischen Westen nicht einmal ein Gedenken gibt (Hinzufügung Autorin). (Hervorhebung durch die Redaktion.)
Doch NATO-Generalsekretär Mark Rutte ging bei dem „Gespräch über die Zukunft der NATO“ weiter. Zur Beantwortung der Frage, warum Europa Teil der NATO werden solle, sei ein Blick in den Nahen Osten wichtig, sagte er: „Warum mussten ausgerechnet die Vereinigten Staaten die nuklearen Fähigkeiten des Iran ausschalten? Warum blicken jetzt wieder alle auf die Vereinigten Staaten, wenn es um die Houthis am Roten Meer geht? Weil die Europäer irgendwie nicht über genügend Kapazitäten verfügen, um das selbst zu tun“, so Rutte. Und weiter: „Das ist Europas Hinterhof. Es ist nicht der Hinterhof der Vereinigten Staaten. Deshalb lobe ich den Präsidenten dafür, dass er es getan hat. Ich denke, es ist notwendig gewesen, die nuklearen Fähigkeiten des Iran zu schwächen. Aber in Zukunft wird eine stärkere NATO dazu führen, dass die Europäer sich um ihren eigenen Hinterhof kümmern können.“
Der Iran, das Rote Meer werden vom NATO-Generalsekretär als „Europas Hinterhof“ bezeichnet. Das ist die Sprache eines Imperiums und hat nichts mit der UN-Charta oder dem Internationalen Recht zu tun. Es macht klar, dass es um Geopolitik und nicht umd die Sicherheit der Region und die Rechte der dortigen Nationen geht. Und es weist hin auf die Gründe, warum die europäischen Außenminister nach Istanbul zu dem Treffen der R4-Außenminister, der Außenminister von Staaten der Region reisten. Es geht nicht um „Frieden und Diplomatie“, es geht um die Kontrolle der EU-/NATO-Interessenssphäre im „Großraum Mittlere Osten“. Es geht um die „freie Schifffahrt“. Diese allerdings kann für national kontrollierte Meerengen oder Kanäle (Bosporus, Panama-Kanal, Suez-Kanal u.a.m.) Einschränkungen unterliegen. Es gibt eine Art Gewohnheitsrecht, wonach die Anrainerstaaten Gebühren erheben können und das ist die Absicht des Irans. Er will Gebühren erheben für die Passage und es mit Oman, als Anrainer-Staat und mit den arabischen Golfstaaten, die am Persischen Golf liegen, teilen.
Der Iran bereitet sich auf einen neuen Krieg vor
„Wir verteidigen nur unsere Unabhängigkeit“, sagte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian bei der diesjährigen UN-Vollversammlung in New York. „Seit 200 Jahren, seit 2 Jahrhunderten hat Iran nie ein Land oder ein Gebiet angegriffen, aber wir haben uns immer verteidigt.“
Im Falle eines erneuten US-israelischen Angriffs werde Iran US-Kriegsschiffe versenken und auch vor einem Flugzeugträger nicht Halt machen, reagiert der Iran auf die zahlreichen Kriegsdrohungen aus den USA und Israel. Die benachbarten Golfstaaten müssten mit einem Einmarsch iranischer Truppen rechnen, man werde von den USA und deren Verbündeten genutzte und installierte Kabel, Datenzentren, AI-Einrichtungen zerstören. Im Iran bereite man sich auf die Verteidigung des Landes vor, so iranische Medien. Schon seit März seien bis zu 1 Millionen iranischer Frauen und Männer mobilisiert worden, die ausgebildet würden. Eine mögliche US-Bodeninvasion – über die US-Präsident Trump seit März immer wieder öffentlich nachdenkt – werde keinen Erfolg haben, wurden militärische Quellen in der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim zitiert.
Die Straße von Hormuz bleibe geschlossen, bis „die Feinde des Landes die legitimen nationalen Rechte der iranischen Nation respektieren“, erklärte der Oberkommandierende der iranischen Streitkräfte, Generalmajor Amir Hatami (15.10.26) bei einer Veranstaltung an der Offiziersakademie und Universität Imam Ali. Die Marineeinheiten der iranischen Revolutionsgarden kontrollierten den westlichen Teil der Passage, die iranische Marine kontrollierten den östlichen Teil und das Meer von Oman, so Hatami. Schiffe, die die Meerenge passieren wollten, müssten sich mit dem Iran abstimmen. Wer das nicht tue, werde eine klare Antwort bekommen. Gemeint ist, dass die Straße von Hormuz teilweise vom Iran vermint wurde. Nur Schiffen, die sich mit Iran abstimmten, könnten sicheres Geleit erhalten.
Aufgrund der Gefahrenlage im Persischen Golf und in der Straße von Hormuz haben internationale Versicherungsgesellschaften reguläre Versicherungen für Tanker und Handelsschiffe ausgesetzt oder in schwindelnde Höhen verteuert. Das Schiffsmaklerunternehmen Gibson gibt an, dass es mittlerweile teurer ist, einen Tanker von den USA nach China zu mieten, als eine Rakete ins All zu starten. Die Fahrt zwischen den USA und China koste heute etwa 80 Millionen US-Dollar, heißt es unter Berufung auf Gibson in Conflicts Forum, einem geopolitischen Beratungsunternehmen, das sich mit den Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten befaßt. Die Startkosten einer SpaceX Falcon 9 Rakete werde auf 74 Millionen US-Dollar beziffert.
Trotz der sich ausweitenden Wirtschaftskrise ist US-Präsident Trump nicht bereit, auf die Gesprächsangebote des Iran einzugehen. Einen Plan, den der Iran am Rande der UN-Vollversammlung Ende September vorlegte, lehnte Trump ab. Das Papier enthielt Kernpunkte aus dem Islamabad Memorandum. Innerhalb von sieben Tagen könne die Straße von Hormuz geöffnet werden, so das Papier. Zentrale Voraussetzungen wären der Abzug der US-Marine und Armee aus der Persischen Golfregion und die Freigabe von in den USA beschlagnahmten iranischen Vermögenswerten.
Saudi-Arabien unter Druck
Inzwischen ist das saudische Königreich unter enormen Druck geraten. Auslöser ist ein nicht provozierter Angriff auf den Flughafen von Sanaa (Jemen) im Juli 2026. Der Angriff sollte die Landung eines iranischen Flugzeugs verhindern, das Trauergäste der Beerdigungsfeierlichkeiten für Ali Khamenei aus dem Iran zurückbrachte. Die von Saudi-Arabien geführte Kriegsallianz der „international anerkannten“ jemenitischen Regierung in Aden verhinderte mit einem Angriff auf die Landebahn die Landung der Maschine. Es war eine Maschine von Mahan Air, einer iranischen Fluglinie, die von den USA unter Sanktionen gesetzt ist. Das Flugzeug landete dann in der Hafenstadt Hodeidah am Roten Meer.
Die militärischen Kräfte von Ansarallah, die Houthi-Bewegung, reagierte innerhalb weniger Stunden mit Angriffen auf Ziele in Saudi-Arabien, seitdem haben Saudi-Arabien und die saudisch geführte Kriegsallianz (gegen die Ansarallah) mehr als 2000 Luftangriffe auf das von Ansarallah kontrollierte Gebiet im Jemen verübt. Die Houthi-Bewegung hat ihrerseits die Angriffe auf Ziele in Saudi-Arabien ausgeweitet. Getroffen wurden Flughäfen, auch in der Hauptstadt Riad, Einrichtungen der Ölfirma Aramco und die Ost-West-Pipeline vom Persischen Golf zum Roten Meer. Seit der Schließung der Straße von Hormuz wurden durch diese Pipeline täglich 5,8 Millionen Barrel Rohöl vom Persischen Golf quer durch Saudi-Arabien in den Ölhafen Yanbu am Roten Meer transportiert. Von dort konnte das Öl Richtung Europa durch den Suez-Kanal oder durch die Meerenge Bab al Mandab Richtung Asien transportiert werden. Inzwischen hat die Houthi-Bewegung die Westküste Jemens und Teile der südwestlichen Provinz Taif weitgehend eingenommen und kontrolliert die Meerenge von Bab al Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet.
Hilfe für Saudi-Arabien seitens der US-Armee bleibt aus. Allerdings hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu seine Unterstützung für den saudischen Kronprinz Mohamed Bin Salman (MBS) erklärt und den Einsatz von Kampfjets angeboten. Großbritannien hat ebenfalls Kampfjets nach Saudi-Arabien geschickt, um Angriffe der Houthi-Bewegung abzuwehren. Der französische Präsident Emmanuel Macron stattete MBS einen Besuch ab, um die französische Unterstützung zu versichern. Bereits zuvor hatte Frankreich Saudi-Arabien militärische Unterstützung für die Hafenstadt Yanbu zugesichert, die ebenfalls Ziel von Angriffen der Houthi-Bewegung war. Macron, der sich auf einer Tour durch die arabischen Golfstaaten befand, um weitere Diesellieferungen für Frankreich abzusichern, erhielt auch in Saudi-Arabien die Zusicherung von zusätzlichen Tonnen Diesel „für so viele Monate wie nötig“, hieß es in Riad. Zuvor hatte Macron in Katar zusätzliche Gaslieferung abgesichert, 100.000 Tonnen Öl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und weitere 100.000 Tonnen aus Bahrain.
Der saudische Kronprinz sieht sich Beobachtern zufolge nicht nur unter militärischem Druck der Houthi-Bewegung, sondern kann auch innersaudischer Opposition und selbst seiner eigenen Familie nicht mehr trauen. Der Zerfall der nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg von Großbritannien und den USA konstruierten und kontrollierten arabischen Golfregion ist offensichtlich. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben OPEC verlassen und stehen im Krieg gegen Iran offen an der Seite Israels. Bahrain und Kuwait kämpfen mit den Zerstörungen des Iran-Krieges. 16 US-Militärbasen in den arabischen Golfstaaten wurden zerstört, Aufklärungsflugzeuge und hochspezialisierte Radaranlagen sind außer Betrieb. Die Basis der 5. US-Marine ist weitgehend zerstört und kann die Versorgung der US-Kriegsschiffe vor Iran nicht gewährleisten. Neue Regionalstaaten betreten die Bühne, allen voran Pakistan und die Türkei.
Regionale Umbrüche, wirtschaftliche Verluste
Die USA, die mit Saudi-Arabien Schutzvereinbarungen nach dem Zweiten Weltkrieg getroffen hatten – wir schützen Euch militärisch, ihr liefert uns Euer Öl – ziehen sich aus der Region weiter zurück. Washington gibt dafür „grünes Licht“ an Israel, das Krieg an sieben Fronten führt und mittlerweile von nahezu allen Staaten der Region neben den USA als die „Hauptursache für Unsicherheit und Instabilität in Asien“ bezeichnet wird. Bei dem Gipfeltreffen der 1992 gegründeten Konferenz über interaktive und vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA) in Aserbaidschan am Mittwoch und Donnerstag der letzten Woche (15./16. Oktober 2026), verließen mindestens 12 der 28 anwesenden Delegationen demonstrativ den Raum, als der israelische Präsident Isaac Herzog mit seiner Rede begann. Mit Iran erhoben sich die Vertreter von Palästina, Pakistan, Saudi-Arabien, Türkei, Irak, Ägypten, Kuwait, Jordanien, Malaysia, Indonesien und Bangladesh. Ein vorgesehenes Treffen der Europäischen Union mit den Golfkooperationsstaaten (GCC) am 24. Oktober in Saudi-Arabien, wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Bei ihrem Treffen in Istanbul (23.10.2026) erklärten die Außenminister aus der Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien und Pakistan (R4), die Kriege Israels und die anhaltende Besatzung seien die Hauptquelle für regionale Instabilität. (Hervorhebung durch die Redaktion.)
Alle arabischen Golfstaaten sind schwer von Verlusten gezeichnet. Das Golfemirat Katar hat nach offiziellen Angaben einen Einkommensverlust in Höhe von 42 Prozent im ersten Halbjahr 2026 zu verkraften. Das Golfemirat Bahrain ist weitgehend zerstört, die Zukunft des Golfemirats Kuwait ist unklar.
Die Bedeutung und der Reichtum der arabischen Golfregion basieren auf ihren Öl- und Gasvorkommen, die mindestens 20 Prozent des weltweiten Energiebedarfs sicherstellten. Nun sind die Förder-, Verflüssigungs- und Exportanlagen in der Region massiv beschädigt. Es bleibt Einkommen aus, der Export ist blockiert. Der Wiederaufbau der Energie-Infrastruktur in den Arabischen Golfstaaten wird bis zu 10 Jahren dauern, so der Analyst Karl W. Miller von der Organisation New Energy Advancement Hub (NEAH) mit Sitz in der Republik Zypern. Bei einer angenommenen Zeit von sieben Jahren für den Wiederaufbau benennt Miller die jährlichen Durchschnittskosten mit 170 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Alle Golfstaaten werden zudem versuchen, bei den gleichen Firmen zu bestellen, die den Wiederaufbau durchführen können.
Jede Verlängerung des Krieges gegen Iran wird die Lage in der Region weiter destabilisieren. Sollte Israel bei seinem Krieg an sieben Fronten nicht gestoppt werden, werden neue Kriege im Libanon und in Syrien – wo Israel als aggressive Besatzungsmacht agiert – weiter angefacht. Der Rückzug der UN-Friedenstruppen UNIFIL aus dem Südlibanon wird den Zedernstaat erheblich destabilisieren und das Land weitgehend schutzlos den israelischen Expansionsplänen überlassen. Eine von der EU geplante „zivil-militärische EU-Mission“ im Libanon will „in den Libanon investieren“, wie es in Brüssel heißt. Im Rahmen der „Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik“, GSVP, sollen in dem Vakuum, das durch den Abzug der UNIFIL entstehen wird, „die Stabilität, Souveränität und staatlichen Institutionen Libanons unterstützt werden“. Die Mission soll „im Einklang mit der UN-Sicherheitsratsresolution 1701“ agieren. Die allerdings sieht vor, dass alle bewaffneten Gruppen aus dem südlichen Libanon abziehen müssen und die einzige bewaffnete Kraft dort die libanesische Armee sein soll. Im Libanon fragt man sich, wie das gehen soll. Israel hat die UNSR-Resolution 1701 schon zu UNIFIL-Zeiten nicht respektiert und die libanesische Armee wiederholt angegriffen. Eine EU-Mission, die aus 150 Soldaten und Soldatinnen bestehen soll, wird Israel nicht zum Rückzug bewegen (können). Auch hier stehen die europäischen Interessen im Vordergrund. Die EU will Einfluß nehmen, weniger im Interesse der Libanesen als vielmehr im Interesse derjenigen, die vor allem die libanesische Hisbollah entwaffnen und sie als wichtige politische Organisation im Libanon zerstören wollen.
Der Nationale Sicherheitsrat in den USA hat US-Präsident Trump Berichten zufolge einen ausführlichen Plan vorgelegt, wie Hisbollah beseitigt werden kann. Das Projekt soll 40 Milliarden US-Dollar kosten und in mehreren Phasen über einen Zeitraum von mehreren Jahren durchgeführt werden. Hisbollah soll unter Druck gesetzt, sanktioniert, unglaubwürdig gemacht und juristisch verfolgt werden. Parallel soll der libanesische Staat in seinen Institutionen wiederaufgebaut und – besonders für die schiitisch-muslimischen Libanesen – als Alternative fungieren. Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds sollen das Projekt finanziell absichern. Die militärische, politische, kulturelle und soziale Struktur der Hisbollah soll durch einen funktionierenden Staat ersetzt werden. Fokus liegt dabei auf zivilen Projekten für und von den schiitischen Libanesen, um sie von der Hisbollah zu trennen.
In keinem Fall soll das Recht auf Selbstbestimmung, auf ein Leben in Würde, auf Entwicklung und die Souveränität der Nationen in Westasien gestärkt werden. Die Staaten sollen Teil einer westlich, transatlantisch kontrollierten Region werden, die sich unterwirft und mit Israel Frieden schließt. Sonst erwartet die Menschen eine Zukunft wie in Gaza.
Eine Region die war, ist und sein wird
Das Gebiet zwischen dem östlichen Mittelmeer und der Persischen Golfregion ist geographisch gesehen Westasien. Die Region ist eine Brücke zwischen Europa und Asien, hier treffen die Kontinente von Afrika, Asien und Europa aufeinander. Hier entwickelte sich – begünstigt von Klima und reichen Wasservorkommen – vor mehr als 10.000 Jahren menschliche Zivilisation. Es entstand Ackerbau und Viehzucht, es entwickelten sich Städte. In Ur, im südlichen Zweistromland von Euphrat und Tigris, entstanden Gesellschaften mit Gesetzen und Rechtsprechung. Heute weiß man von zahlreichen Gesetzestexten und Kodizes, die seit dem 3. Jahrtausend vorchristlicher Zeitrechnung zumeist in sumerischer Sprache entstanden. Die damaligen Gesellschaften gaben sich eine Ordnung für das Zusammenleben. Die wohl bekannteste Gesetzessammlung ist der Kodex Hammurabi, der im 2. Jahrtausend, etwa 1750 vorchristlicher Zeitrechnung, im damaligen Babylonischen Reich entstanden war.
Wurde die Geschichte dieser Region bis in die jüngste Geschichte von Archäologen, Historikern, Soziologen aus aller Welt erforscht, ist das Gebiet zwischen dem östlichen Mittelmeer und der Persischen Golfregion heute Schauplatz anhaltender Kriege. Die massive Zerstörung der Zeugnisse der vorchristlichen Kultur und Geschichte ist vor allem im Irak, in Syrien, Libanon, Jemen und im Gebiet des historischen Palästina so immens, dass viele Bewohner der Region überzeugt sind, dass nicht nur sie, ihre Lebensgrundlagen und wirtschaftlichen Errungenschaft ausgelöscht werden sollen, sondern auch die Wurzeln ihrer Herkunft, ihrer Kultur, ihrer Geschichte. (Hervorhebung durch die Redaktion)
Europäische Länder, die seit Jahrhunderten an der Eroberung, Kolonisierung und Ausbeutung der Region beteiligt sind, stellen sich – beispielsweise in Mossul oder Aleppo – mit moderner Technologie, Geld und eingekauftem lokalem Fachwissen als Retter der alten Kulturen dar. Gleichzeitig tragen sie mit Waffenlieferungen, Sanktionen, politischer und medialer Diffamierung zur weiteren Zerstörung der ursprünglichen Region bei.
Die Veränderung der Weltordnung, die nach dem 2. Weltkrieg mit den Vereinten Nationen, der UN-Charta und einem umfangreichen Netz von Abkommen und einem Internationalen Recht reguliert war, führt heute zu einem gewaltsamen Konkurrenzkampf zwischen alten Imperien und Kolonialstaaten und neu aufstrebenden Nationen. Die alten, transatlantisch organisierten Mächte um die Vereinigten Staaten von Amerika, sehen Macht und Einfluß schwinden.
Über Jahrhunderte galten sie als die Schrittmacher politischer, militärischer, wirtschaftlicher Entwicklung, die andere Staaten dominieren und in die Unterwerfung zwingen konnten. Doch die UN-Charta schränkte diese Vorherrschaft ein und erklärte „alle Staaten, ob groß oder klein“ für gleichberechtigt. Die Geschichte zeigt, dass Imperien sich während ihrer scheinbar unangefochtenen Vorherrschaft nicht mit der Frage beschäftigen, dass diese Position eines Tages vorbei sein kann.
Aber immer wieder fordern die „Verdammten dieser Erde“ (Franz Fanon) ihre Unterdrücker heraus. In Westasien heute – in Palästina, Libanon, Iran, Jemen – kämpfen die Menschen um ihr Land, ihre Lebensgrundlagen, ihr Recht auf Freiheit und Entwicklung, wie es gemäß der UN-Charta für alle Menschen, alle Nationen gilt. Dieses Recht wird von den ehemaligen Imperien aus Europa, von den USA und von Israel, nicht respektiert. Doch das neue Selbstbewußtsein der einst kolonisierten und unterdrückten Nationen könnte dazu beitragen, dass die Zeit der kolonialen Imperien sich ihrem Ende zuneigt. (Hervorhebung durch die Redaktion.)
Der iranische Professor Sayyed Mohammed Marandi von der Universität Teheran und ehemals Berater in dem iranischen Verhandlungsteam über das Atomprogramm, hat in einem der Gespräche, die er regelmäßig mit Glenn Diesen über Videolink führt, erklärt, der mangelnde Respekt gegenüber dem Iran und seiner Bevölkerung sei wesentlicher Grund dafür, dass das transatlantische Bündnis um die USA gegen den Iran keinen Erfolg haben werde. Der Iran habe die USA und deren Partner gründlich studiert. Man verfolge so gut es gehe alles, was dort geschehe, um es zu analysieren. Man müsse seinen Feind kennen, wenn Krieg geführt werde. Iran kenne seine Feinde gut, doch die hätten den Iran nie ernst genommen. Das sei ihr großer Fehler, ihre Überheblichkeit.“
Während Washington und Tel Aviv mit Hilfe transatlantisch orientierter Medien weiter den nächsten Krieg gegen Iran planen, wurde in Teheran eine Friedenskonferenz eröffnet. Am 26./27. Oktober fand an der Universität von Teheran die „Siebte Internationale Konferenz über Friedens- und Konfliktlösungen“ statt. Das dichte Programm wurde überwiegend von iranischen Friedensforschern aus Teheran, Shiraz, Qom und der Universität von Kurdistan gestaltet. Das Thema von Frieden und Konfliktlösungen wurde aus vielen Perspektiven beleuchtet. Jan Oberg, international bekannter Friedens- und Zukunftsforscher aus Schweden wies auf die Konferenz hin und machte auch auf das Friedensmuseum in Teheran aufmerksam.
Als alte Kulturnation weiß der Iran nicht nur, wie man sich verteidigt, sondern auch, wie Frieden zu machen ist.