Blick in die vollbesetzte Kongresshalle mit dem «2026 Forum on Global Human Rights Governance» in Beijing. Welche Mainstream-Publikation hat darüber berichtet? (Screenshot)

Der Globale Süden bekräftigt das Recht auf Entwicklung für alle

400 Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen, internationalen Menschenrechtsorganisationen und Forschungseinrichtungen aus 100 Ländern nahmen am Forum über Globale Menschenrechtsgovernance in Beijing teil. Sie diskutierten und bekräftigten das Recht auf Entwicklung für alle. Sie prangerten die ungleiche wirtschaftliche und soziale Entwicklung zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden an und identifizierten die internationale Finanzarchitektur, zunehmende einseitige Konflikte und den sich verstärkenden Klimawandel als hauptsächliche Hindernisse bei der Umsetzung grundlegender Menschenrechte. 

Seit der Annahme der Agenda 2030 durch die 193 UN-Mitgliedstaaten im Jahr 2015 ringen die Länder des Globalen Südens um die Umsetzung der 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele. Nur bei 36 % der Ziele wurden bis heute Fortschritte gemacht, bei 15 % ist die Situation schlechter als 2015. 

Das Forum fand 40 Jahre nach der Annahme der Erklärung über das Recht auf Entwicklung durch die UNO-Generalversammlung am 4. Dezember 1986 statt. 146 Länder stimmten damals für die Erklärung, die USA lehnte sie als einziges Land ab. Dänemark, Deutschland, Finnland, Grossbritannien, Island, Israel, Japan und Schweden enthielten sich.

Vertreterinnen und Vertreter des Südens bekräftigten am Forum das Recht auf Entwicklung als Grundlage für ein würdiges Leben für alle, einschliesslich dem Zugang zu sauberem Trinkwasser, Gesundheitsversorgung, Bildung, passendem Wohnraum und Ernährung. «360 Millionen Menschen weltweit leiden unter akutem Hunger. Gleichzeitig besitzen zwölf Männer mehr Vermögen als die Hälfte der Weltbevölkerung», sagte Surya Deva, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Entwicklung. Mohammed B. S. Jallow, Vizepräsident von Gambia, betonte, es gebe keine nachhaltige Entwicklung ohne Umweltschutz: «Wenn Gemeinschaften den Zugang zu sauberem Wasser verlieren, wird das Recht auf Gesundheit verletzt. Wenn die Landwirtschaftsproduktion wegen Klimaschwankungen abnimmt, ist das Recht auf Nahrung bedroht.» (Hervorhebung durch die Redaktion.)

Seit der Mitte der 1970er Jahre versuchen die wirtschaftlich und militärisch mächtigen Regierungen des Globalen Nordens, eine eingeschränkte Definition von Menschenrechten als politische, individuelle Rechte – wie z. B. die Meinungs- und Versammlungsfreiheit – durchzusetzen. Der Globale Süden weist diese individualistische Definition zurück. «Die Erklärung über das Recht auf Entwicklung trennte weder Freiheit von sozialer Gerechtigkeit noch politische Rechte von grundlegenden menschlichen Bedürfnissen», betonte der ehemalige Präsident des Iraks, Abdulatif Jamal Ashid. Crispin Kaheru von der ugandischen Menschenrechtskommission unterstrich, Afrika fordere Menschenrechte, die am materiellen Leben gemessen werden und nicht rhetorisch sind: «Der internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte anerkennt das Recht auf Arbeit, faire Bedingungen, soziale Sicherheit, Schutz der Familie, einen adäquaten Lebensstandard, ein Leben ohne Hunger, Gesundheit, Bildung und Kultur. Das sind keine zweitrangigen Rechte. Sie sprechen die tägliche Sprache der Würde.» 

Bis heute anerkennen Regierungen des Globalen Nordens das Recht auf Entwicklung nicht – die Erklärung von 1986 ist rechtlich nicht bindend –, sondern treiben mithilfe des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank die Entwicklungsländer in eine verheerende Schuldenspirale. Auch einseitige Zwangsmassnahmen (oder Sanktionen) gegen Länder des Südens behindern deren Recht auf Entwicklung. Grigory Lukiyantsev, Direktor der Abteilung für multilaterale Menschenrechtskooperation der Russischen Föderation, bezeichnete Zwangsmassnahmen als «eine massgebliche Form von Kolonialismus in der Welt von heute».  

Rednerinnen und Redner am Forum anerkannten China als Beispiel für die Förderung und Umsetzung grundlegender Menschenrechte. Durch gezielte nachhaltige und personenzentrierte Entwicklung hat das Land in den letzten 50 Jahren 800 Millionen Menschen aus extremer Armut befreit und Ziel 1 der Agenda 2030 frühzeitig erreicht. International verknüpft China das Recht auf Entwicklung mit Süd-Süd-Kooperationen und Investitionen in die Infrastruktur von Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Im Gegensatz zu den Regierungen des Globalen Nordens tut China dies zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung aller Menschen – eine Voraussetzung für eine friedliche Welt und im Sinn der von Präsident Xi Jinping lancierten Perspektive einer «Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Zukunft für die Menschheit».

(Red.) Dieser Artikel erschien zuerst in der Publikation Der Neue Norden Nr. 10, Herbst 2026. Natalie Benelli, Gründerin und Koordinatorin von «Neue Presse», hat am 11. und 12. Juni am Forum über Globale Menschenrechtsgovernance in Beijing selber teilgenommen. Für Kontakte: neuepresse@gmx.ch

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