Johann Wadephul: "Es war ein intensives Gespräch. Natürlich sind wir über wesentliche Punkte nicht einig geworden. Mir war es wichtig, klarzumachen, dass Deutschland derartige Dinge wie den Drohnenangriff in Leipzig nicht akzeptiert. Dass das eine Eskalation ist, die nicht akzeptabel ist. Und ich habe Russland klar gewarnt, nicht so weiterzumachen. Wir können uns verteidigen, wir können uns wehren, das werden wir auch tun." (Zitat gemäß ZDF)

So berichteten russische Medien über das Treffen zwischen Wadephul und Lawrow

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul und der russische Außenminister Sergej Lawrow trafen sich am Rande der UN-Generalversammlung zu einem kurzen, 22-minütigen Gespräch. Es war ein kurzes Treffen, aber dennoch bemerkenswert. In den vergangenen fünf Jahren hatte es kein solches Treffen gegeben. Das Treffen fand auf Initiative des deutschen Außenministers statt. 

In der anschließenden Pressekonferenz äußerte sich Sergej Lawrow so: „Unsere Position ist einfach. Wenn du mit jemandem aus unserem Land verhandeln willst, dann lehnen wir solche Anfragen niemals ab. Auch wenn wir heute erneut feststellen mussten, dass solche Anfragen aus westlichen Staaten nichts Neues beinhalten.“

Jahrelang warf Russland dem Westen vor, jegliche Diplomatie mit Russland abzulehnen. Die USA nahmen im vergangenen Jahr die Kontakte zu Russland wieder auf, doch dies hat kaum Fortschritte bei der Beendigung des Krieges in der Ukraine gebracht. Russland besteht darauf, dass es ein stabiles Friedensabkommen geben muss und dass seine Ziele erfüllt werden müssen – notfalls auch mit militärischen Mitteln, wenn die Umstände dies erfordern.

Die russische Zeitung „Rossijskaja Gazeta“ (das Amtsblatt der russischen Regierung) stellte in einem Artikel mit der Überschrift „Die Wahrheit sticht in die Augen“ fest: „Der Hype um die Verhandlungen war nicht gering. Am Ende wandte der Deutsche seinen Blick von den Kameras ab. Und dann, als er Sergej Lawrow gegenüber saß, verdeckte er beschämt mit einem Notizblock den Bericht des Internationalen Öffentlichen Tribunals zu Verbrechen ukrainischer Neonazis bezüglich der Inszenierung in Butscha“. 

Das Internationale Öffentliche Tribunal zu Verbrechen ukrainischer Neonazis ist ein russisches Gremium, das im März 2022 von der Gesellschaftlichen Kammer der Russischen Föderation gegründet wurde. Seit April 2022 vertritt Russland konsequent die Auffassung, dass das Massaker im Kiewer Vorort Butscha eine Inszenierung war. 

„Wadephul tat so, als ob er nichts bemerkt hätte, und der Vergleich mit Goebbels mit ihnen überhaupt nichts zu tun hätte. Aber für alle ist es völlig offensichtlich – die Wahrheit sticht in die Augen“, bemerkte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa.

„Die deutsche Seite versuchte, alles so darzustellen, als hätte Wadephul ‚sich auf einen Kontakt eingelassen‘, und Moskau müsse als Reaktion darauf angeblich ‚an der ukrainischen Front Zugeständnisse machen‘. Letztendlich kam es zu keinem Dialog“, schrieb die „Rossijskaja Gazeta“.

Lawrow kommentierte trocken: „Ich habe ihm ehrlich gesagt, was ich dachte, und zwar, dass er etwas Interessantes, Ungewöhnliches hätte“.

„Sie hätten einfach anrufen und sagen können: Lesen Sie die offiziellen Erklärungen.“

Die „Rossijskaja Gazeta“ merkte an: „Interessant ist, dass die europäische Kriegspartei unter der Führung von Paris und London wohl ihren schwächsten Vertreter zum Treffen mit Lawrow entsandt hat. Die Regierung von Friedrich Merz befindet sich in einer alles andere als stabilen Lage. Es gibt keine Garantie dafür, dass Wadephul selbst in einigen Monaten noch die deutsche Diplomatie bestimmen wird.“

Eine andere russische Zeitung, die „Komsomolskaja Prawda“, titelte: „Deutschland erwartete bei dem Treffen mit Lawrow in New York eine Überraschung: Wadephul versteckte beschämt den Bericht über Goebbels’ Propaganda, wie ein Schüler eine Sechs.“

Der Autor, der bekannte russische Kriegskorrespondent Alexander Kots, schrieb: „Vor fast einem Jahr versicherte Wadephul selbst, dass man kein ernsthaftes und fruchtbares Gespräch mit Lawrow erwarten dürfe. Seitdem hat Berlin Moskau beschuldigt, eine Drohne am Flughafen Leipzig eingesetzt zu haben, das Russische Haus und das Konsulat in Bonn geschlossen und einer großen Zahl von Personen mit Sanktionen gedroht. Moskau schließt im Gegenzug die Goethe-Institute. Die Beziehungen sind auf einem Tiefpunkt angelangt. Und plötzlich – eine Bitte um ein Treffen.

Warum? Weil die Gespräche über die Zukunft der Ukraine und Europas immer deutlicher ohne die Europäer stattfinden. Trump hat Putin zum G20-Gipfel im Dezember eingeladen, Rubio hat sich diese Woche bereits mit Lawrow getroffen, die Amerikaner schlagen ein dreiseitiges Format in den Emiraten vor. Den Europäern bleibt nichts anderes übrig, als schweigend im Flur zu stehen, während sich die Erwachsenen einigen.“

Am Ende schloss der Autor mit einer bitteren und sarkastischen Bemerkung: „Der Name Goebbels auf dem Schreibtisch des russischen Ministers – eine für einen Deutschen unangenehme Präsenz. Vor allem, wenn Berlin erneut diejenigen bewaffnet, die gegen Russland Krieg führen.“

Das Bild, das Russland von Deutschland hat, bleibt bis heute stark von den tragischen Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg geprägt.

PS der Redaktion: Wer öfter schon in Russland war und/oder dort auch Bekannte oder gar Freunde hat, der versteht Russland besser: Der Angriffskrieg der Deutschen 1941 kostete die Sowjetunion um die 27 Millionen Tote, die Hälfte davon Zivilisten. Noch heute haben Millionen von Russen die lebhafte Erinnerung an einen eigenen Großvater oder eine eigene Großmutter, die dabei zu Tode kamen. Das ist mit ein Grund, warum die Russen deutlich geschichtsbewusster sind als die Westeuropäer. (cm)

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